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Loja, 17.10.2011 - Freunde überall wohin ich komme...

Nach dem Gipfelversuch am Chimborazo: Da Juans Auto kaputt war, war er mit dem Bus aus Mindo gekommen. Sein Freund Segundo aus Riobamba hatte uns zum Refugio Carrell und zurück nach Riobamba gefahren. Nachdem wir Juan am Busterminal abgesetzt hatten, kamen wir auf dem Weg zum Hostal auf den Altar zu sprechen und er schwärmte regelrecht von diesem Vulkan. Er hatte auch Fotos mit dabei und so kamen wir sehr schnell überein, dass wir am Wochenende eine kleine Trekkingtour dorthin unternehmen wollen, abseits der Strecke, auf der die wenigen Touristen dorthin geführt werden. Auch Segundo ist Bergführer, aber mehr für diese Trekkingtouren. Er besorgte mir Bergstiefel und Steigeisen, weil wir auch über den Gletscher gehen wollten. In der Nacht vor dem Aufbruch gab es einen Knall und dann zischte es laut und bedrohlich. Der Kühlschrank im Vorraum zu meinem Zimmer war kaputtgegangen und das gesamte Gas strömte aus. Ich schenkte dem zunächst keine weitere Beachtung und schlief weiter. Aber die einzige Belüftung zu meinem Zimmer ging über diesen Vorraum. Am nächsten Morgen erwachte ich mit Kopfschmerzen. Aber diese vergingen wieder als wir auf dem Weg zum Altar waren und durch eine herrliche Landschaft fuhren. Das Wetter spielte leider nicht so mit, es regnete so war die Anfahrt auch ein wenig abenteuerlich, denn die Straße war nicht asphaltiert und das Auto kam auf dem schmierigen Lehm an manchen Stellen ganz schön ins Schlingern. Am Parkeingang schaffte es Segundo dann auch wirklich ein Pferd für uns aufzutreiben, das unsere Ausrüstung transportieren sollte. Jetzt nieselte es nur noch, wir marschierten los und kämpften uns durch den Schlamm. Zum Glück hatte ich meine Schuhe gerade richtig gut geputzt. Irgendwann hörte es dann auch auf zu regnen und wir konnten unser Zelt im Trockenen an einem kleinen Wäldchen mit einem Bach aufstellen. Ein idyllischer Platz. Früh um 5 Uhr standen wir auf, frühstückten und mit dem ersten Tageslicht wanderten wir los. Es war bedeckt, aber es regnete nicht und wir konnten sogar ein Stück vom Chimborazo sehen. Bei ca. 4500m Höhe fiel mir das Atmen auf einmal schwer und Segundo musste immer mal auf mich warten. Komisch, an den Ilinizas und am Chimborazo war ich viel höher gewesen und es ging nicht so schwer. Vielleicht war es ja die hohe Luftfeuchtigkeit. Es war eine herrlich Tour. So zogen zwar immer mehr Wolken auf und Segundo war traurig, dass wir nicht so eine schöne Aussicht hatten, aber ab und zu erwischten wir eine Wolkenlücke und konnten Wasserfälle und Seen und die Spitze vom Obisco, dem höchsten Gipfel des Altar sehen. Am Nachmittag kehrten wir zum Lagerplatz zurück, bauten das Zelt ab und beluden das Pferd, das dort brav auf uns gewartet hatte, und wanderten abwärts zum Parkeingang.

Im Auto redeten wir wieder über den Chimborazo und Segundo meinte auch, ich solle es noch einmal versuchen. Das Wetter wäre ganz gut und es läge Schnee. Außerdem wäre ich super fit, die Tour der letzten beiden Tage würde sonst 3 Tage dauern. Ich stimmte schnell zu. Da Segundo selbst nicht auf den Chimborazo führt, vermittelte er mir einen Freund, Julio.

Und so stand ich einige Tage später schon wieder an der Whymperhütte. Auf der Fahrt zum Chimborazo war wieder einmal ein hässliches Wetter – es schneite wie verrückt und es war neblig und ich befürchtete schon wieder, dass zu viel Wind ging. Aber sowohl Segundo, der uns zur Carrellhütte brachte, als auch Julio beruhigten mich, es wird gut. Und tatsächlich am Abend kam die Sonne hervor und tauchte den Berg in ein goldenes Licht. Der Schnee hielt die Steine fest, es gab auch kaum Wind und so waren es optimale Bedingungen. Wir erreichten relativ schnell das sogenannte Kastell und den Grat, der uns auf den ersten Gipfel, den Veintimilla, führen sollte. Er ist steil, so um die 38º, wie die meisten Vulkanflanken. Wir stapften durch den Schnee und über eine kleine Felssektion. Dann überfiel mich auf einmal eine bleierne Müdigkeit, ich schlief beim Gehen ein und musste immer öfter eine Pause einlegen um Luft zu holen. Es ging einfach nicht mehr weiter. Ich kämpfte noch, wollte nicht umkehren, aber es war einfach nicht möglich. Eine leichte Übelkeit machte sich bemerkbar und ich musste sehr viel husten. Irgendwo auf einer Höhe zwischen 5800 und 6000m gab ich das Zeichen zur Umkehr. Auch abwärts kam ich nicht viel schneller vorwärts, zur dieser noch nie erlebten Müdigkeit kamen jetzt auch noch Kopfschmerzen dazu. Schade, hat es bei super Bedingungen wieder nicht geklappt, weil ich schlapp gemacht habe. Nachdem ich mich im Hostal etwas ausgeruht hatte, schaute ich erst einmal im Internet nach, was es für Auswirkungen hat, wenn man so viel FCKW einatmet. Das ist ja total kontraproduktiv zu jeder Höhenanpassung! Kein Wunder, dass mir die Luft fehlte. Die Bronchitis, die sich daraus ergeben hat, wurde ich dann lange nicht ganz los und wahrscheinlich war die gute Höhenanpassung sogar dafür verantwortlich, dass ich kein Lungenödem bekommen habe.

Ich ruhte mich noch 2 Tage in Riobamba aus. Dann brach ich nach Guamote auf, und benutzte wieder eine Nebenstraße, um nicht auf der Panamericana zu radeln. Ich hatte gerade die Stadtgrenze von Riobamba passiert und wollte gerade einen Berg hinunter sausen, da gab es einen Knall und ich hatte wieder einmal einen platten Hinterreifen. Wieder war der Reifen von innen her kaputtgegangen und aus dem nagelneuen, noch nie geflickten Schlauch hat es ein Stück herausgerissen, so dass dieser nicht mehr zu reparieren ist. Der Flicken im Reifen, mit dem mir die Jungs in Quito den Reifen repariert hatten, hat gehalten, es war eine andere Stelle. Damit war für mich klar, dass dieser Reifen nichts mehr taugt, das Material zu müde ist. Ich habe ihn gleich entsorgt. Als ich weiterfuhr, nachdem ich den Ersatzreifen und einen anderen Schlauch aufgezogen hatte, merkte ich, dass etwas schleift. Durch die „Explosion“ und dadurch, dass die gesamte Luft schneller aus dem Reifen war, als ich anhalten konnte, hatte ich nun auch noch eine Acht im Rad. Ich suchte eine Stelle, wo ich gut anhalten und auch meine Sachen im Blick haben konnte. So kam ich nach 300m in den nächsten Ort und das erste was ich sah, war eine Fahrradwerkstatt. Der Chef hatte, fast noch ehe ich etwas gesagt hatte, einen Speichenschluessel in der Hand. Die Männer, Sohn, Vater, Großvater und nur der Vater arbeitete, machten zwar ihre Scherze, aber sie halfen mir ganz schnell und wollten am Ende nicht einmal Geld dafür (Wieder einmal bekam ich einen Heiratsantrag - vom Großvater, geschätzte 85, wahrscheinlich aber max. 70 Jahre alt.)

Die Gegend, durch die ich radelte, war herrlich: Gemüsefelder, links der Sangay, der sich zwar in den Wolken versteckte, aber doch ab und zu einen Blick auf seine schneebedeckten Flanken erlaubte und viele freundliche, meist indigene Menschen, die mir zuwinkten und mit manchen kam ich auch ins Gespräch Einfach war die Strecke nicht, es ging zunächst ganz schön nach oben, bevor es dann wieder weit hinunterging und anschließend auf einer unbefestigten Straße durch das Tal des Rio Guamote hinauf. Wenn jetzt jemand denkt, durch ein Flusstal geht es doch recht einfach, der unterliegt dem gleichen Irrtum wie ich. Denn in den Tälern gibt es Wasser und fruchtbare Böden und so winden sich die Straßen an den Berghängen entlang und es geht auf und ab. Und diese Straße war ganz schön abgefahren, viele lose Steine und wieder einmal knöcheltiefer Staub. Trotzdem fantastisch. Nur hat mir noch die Luft gefehlt, den Berg hoch habe ich mich ganz schön gequält und ab einer gewissen Höhe habe ich wieder husten müssen. Aber ich habe mir viel Zeit gelassen.

In Guamote habe ich erst einmal suchen müssen, ehe ich das Hostal gefunden habe. Es gehört zu einem sozialen Projekt im Ort, das die Ausbildung der indigenen Bevölkerung und die Förderung des lokalen Kunsthandwerkes zum Inhalt hat. Da Regen angesagt war und ich noch ein wenig am Fahrrad schrauben musste, blieb ich dort auch noch einen Tag, ehe ich nach Alausi weiter radelte. Eine wunderschöne und wieder sehr bergige Strecke führte mich dorthin und der Regen blieb unterwegs auch nicht ganz aus. Nach Alausi ging es tief hinunter und auf der anderen Seite konnte ich schon den Anstieg erkennen, der mich beim Verlassen des Ortes erwarten würde. Es war Sonntag und Markttag in der Stadt. Viele Indigenes aus den umliegenden Dörfern waren mit ihren bunten Trachten nach Alausi gekommen, ein wunderschöner Anblick. In Alausi fährt im Moment der Zug zur Teufelsnase ab, über eine spektakuläre Strecke. Normale Steigungen der Eisenbahn liegen bei 2 bis 3 %, hier sind es 5,8% und es wird ein Höhenunterschied von 900 m auf wenigen Kilometern überwunden. Am beeindruckendsten ist dabei die Stelle an der Teufelsnase, wo es 500m im Zickzack abwaerts bzw. aufwaerts geht. Dazu fährt der Zug über eine Weiche auf ein totes Gleis, dann wir die Weiche umgestellt und der Zug fährt rückwärts bis über die nächste Weiche auf ein totes Gleis und nachdem die Weiche umgestellt wurde wieder vorwärts. So „schaukelt“ sich die Bahn bergauf bzw. bergab. Das Gelände ist atemberaubend. Diese touristische Attraktion musste ich nun doch unbedingt mitnehmen. Leider fuhr der nächste Zug erst am Dienstag, aber ich nutzte die Zeit, um mir Alausi etwas näher anzusehen. Ein wunderschöner verschlafener Ort, der gerade aufwändig restauriert wird.

Von Alausi folgte ich der Panamericana nach El Tambo. Die Gegend war herrlich und zum ersten Mal ging mir so richtig auf, dass die Dimensionen in den Anden gigantisch sind. Als ich in den Alpen im Sellrain auf dem Seekogel stand und 2000m tief ins Inntal schauen konnte, war das überwältigend und riesig. Hier habe ich von der Straße aus nach rechts 2000 m tief ins Tal geguckt und nach links 2000 m in die Höhe zum Berggipfel.Und auch auf der anderen Seite des Tales sind die Berge fast 5000 m hoch und das vielleicht in 10 km Abstand – wirklich gigantisch. Der Tag war sehr sehr anstrengend, es ging zunächst 600 Höhenmeter bergauf 800 wieder runter und dann immer wieder hoch und runter, ich pendelte ständig irgendwo zwischen 3000 und 2300 m Höhe Und ich musste immer noch husten, besonders als am Nachmittag dann Nebel aufzog. Als ich mich nach 85 km im Nebel einen Berg hochquälte und es immer später und später wurde, gab ich der nächsten Camioneta (einem Pickup), die mich überholte, ein Handzeichen und sie hielt tatsächlich an. Die beiden Männer schnappten sich mein Fahrrad luden es so wie es war mit dem gesamten Gepäck einfach auf die Ladefläche und lieferten mich in El Tambo im Hostal ab. Sie warteten sogar noch, bis ich wirklich alles im Zimmer verstaut hatte. 17 km bergauf waren das noch gewesen, das hätte mindestens noch 2 Stunden gedauert und ich hätte es an diesem Tag nicht mehr vor dem Dunkelwerden geschafft. Ich war heilfroh, dass ich die Nacht im Hostal verbringen konnte, denn es war sehr kalt und es regnete und die Bronchitis machte mir noch immer zu schaffen.

So fuhr ich denn am nächsten Tag nicht mit dem Fahrrad nach Ingapirca, sondern nahm den Bus. Angesichts der steilen Straße war ich dann auch froh, diese Variante gewählt zu haben. In Ingapirca gibt es Ruinen von einem Tempel der Inkas Es war sehr interessant. Und es gab einen kleinen Inkatrail, den ich natürlich auch entlang gewandert bin. Gegen Abend kehrte ich nach El Tambo zurück

Cuenca war die nächste Station auf meiner Route. Martha, Julios Mutter, hatte in Ambato schon ihre Freundin Elena in Cuenca angerufen und nun wurde ich dort erwartet, ich sollte mich unbedingt melden, wenn ich in ankomme. Das tat ich dann auch und rief Pedro, einen Sohn von Elena an. Nach einigem Hin und Her haben wir es doch geschafft, uns im Zentrum zu treffen, wir hatten uns ein paar Mal verfehlt. Ich hatte ihn am Telefon auch nicht so gut verstanden. Mir wurde gar keine andere Wahl gelassen und ich bekam ein Zimmer im Haus der Familie verpasst. Elena lebt hier mit ihren erwachsenen Kindern Pedro, Diego, Juank und Nenita. Der älteste Sohn Ricardo hat schon seine eigene Familie. Gonzalo, Elenas Mann, arbeitet seit 7 Jahren in den USA, und schon so lange hat er auch seine Familie nicht mehr besuchen können Da die Kinder durch Studium und Arbeit viel unterwegs sind, fühlt Elena sich oft sehr einsam und entsprechend wurde ich dann in Beschlag genommen. Ich verlebte 5 wunderbare Tage in ihrem Haus, während sie am Vormittag ihrer Arbeit nachging , sie arbeitet als Lehrerin, konnte ich die herrlich Altstadt von Cuenca erkunden und nachmittags unternahmen wir gemeinsame Ausflüge Am Wochenende ging es mit der ganzen Familie auf das etwas außerhalb gelegene Grundstück mit einem herrlichen Blick auf Cuenca zum Grillen und selbst der Regen störte uns nicht, wir bauten einfach ein provisorisches Zelt auf. Pedro ist Sänger bei den Mariachis America de Cuenca und so durfte ich die Stadt auch nicht verlassen, ehe ich nicht eine Probe der Band besucht hatte. Wunderbar.

Am Morgen meiner Abreise weckte Elena alle um 5 Uhr auf, damit sie mich gebührlich verabschieden konnten. Sie fährt täglich um 6 Uhr mit dem Bus zur Arbeit. Und ich startete zu einer weiteren schweren Etappe in Richtung Oña. Von Cuenca ging es ein Stück relativ flach hin und dann kam der Anstieg - fast 1000 Höhenmeter wieder auf über 3500 Meter. Am Anfang war das Wetter nach ganz gut, aber dann fing es an zu regnen und es wurde immer kälter Auf der Höhe waren es nur nach 6ºC. Aber der Anstieg war heftig, 15% Steigung und ich kam heftig ins Schwitzen unter meiner Regenbekleidung. Und damit ich bei den Abfahrten nicht so sehr frieren musste, ging es immer wieder bergauf, zwischen 3500 und 3100m pendelten die Angaben meines Höhenmessers bis ich zu einem Canyon kam. Dort ging es mit einem Schlag mehr als 1000 m in die Tiefe und auf der anderen Seite konnte ich schon wieder die Straße sehen, die aus dem Tal herausführte Zum Glück liegt Oña auf halber Höhe Und es hatte aufgehört zu regnen, bevor ich hinab brauste (leider kann man da nicht einfach das Fahrrad laufen lassen, es ist viel zu steil, die Kurven sind sehr eng, es liegen Steine auf der Fahrbahn und die Beschaffenheit der Straße änderte sich oft und urplötzlich) Auf dem Grund des Canyons war es sehr warm und zusätzlich kam jetzt auch noch die Sonne hervor, puh, die400 – 500 Höhenmeter waren noch einmal echt der Hammer. Oña ist zwar Kantonshauptstadt, aber ein total verschlafenes winziges Örtchen ein wenig abseits der Panamericana. In Cuenca hatten sie so selbstverständlich erzählt, dass es hier ein Hostal gäbe Es gab auch ein Hotel hier, ein einziges, dessen Besitzer erst einmal gesucht werden musste. Wir kamen gleich ins Gespräch über Ecuador und die Welt und irgendwann fragte er mich, ob ich nicht das Hotel kaufen wollte, es gehöre dieses Grundstück und jenes dort und... dazu. Er wäre bereits 70 und es ist ihm zu viel Schluck , ähm, mir gefiel das Haus, die Umgebung, die Lage, eine ideale Casa de ciclistas... ja aber ich habe doch nicht so viel Geld, und ich will doch noch nach Ushuaia ... . Das Angebot bliebe bestehen. Schräg gegenüber gab es ein kleines Restaurant, das von 3 alten Muttels und einer Tochter betrieben wird, war das am Abend gemütlich! (zum Glück hatte ich meine Daunenjacke angezogen, so spürte ich nicht viel von der Kälte) Der nichts tuende Neffe der drei alten Damen gesellte sich auch noch dazu und prahlte mit seinen (eher dürftigen) Deutschkenntnissen, er hatte 3 Jahre illegal in Deutschland gelebt.

Über Saraguro radelte ich dann weiter noch Loja. Fast genau auf dem höchsten Punkt zwischen Oña und Saraguro traf ich Annelies und Hannes, ein österreichisch -schweizer Paar, die ersten Radler seit vielen Wochen. Wir unterhielten uns ein Weile, tauschten Informationen und aus und sie erzählten mir noch von einem Freund aus Südafrika, mit dem sie streckenweise zusammen unterwegs waren und der länger in Loja geblieben ist. Sie wollten ihn irgendwann wieder treffen und vielleicht ist er ja nur 10 Minuten hinter ihnen. Ja und tatsächlich, keine 10 Minuten, nachdem wir uns voneinander verabschiedet hatten, traf ich Ernesto aus Südafrika Sie hatten in Saraguro keine 100m voneinander entfernt in verschiedenen Hotels übernachtet Und Ernesto hat die beiden dann auch noch eingeholt. Ich hatte von den Dreien einen Tipp, für eine Strecke abseits der Panamericana mit weniger Höhenmetern und 10 km kürzer, aber kurz bevor ich an die Abzweigung kam, begann es zu regnen und Ernesto hatte mich gewarnt, dass diese nicht asphaltierte Straße bei Regen recht schlammig wird, mit viel Lehm. So blieb ich schweren Herzens auf der Panamericana, die aber auch herrlich und sehr ruhig ist. Hätte ich geahnt, dass das nur ein ganz kurzer Regen war... Naja.

Der erste Blick auf Loja war wunderschön Die Stadt liegt idyllisch in einem Tal zwischen lauter bewaldeten Bergen. Man sah viel Grün in der Stadt. Es gefiel mir auf Anhieb. Ich fuhr in die Stadt hinein und als ich im Zentrum an einem Hotel vorbeikam, sah ich im Inneren zwei Fahrräder stehen – sie sahen aus, wie von zwei Langzeitradlern. Und während ich mein Fahrrad ein Stück zurückschob, um besser sehen zu können (ich bin ja überhaupt nicht neugierig), kamen aus dem Hotel Isa und Philipp aus der Schweiz. Sie waren das letzte Stück mit dem Bus aus Peru hierher gekommen, sie haben nicht soviel Zeit und wollen noch bis Kolumbien radeln. So standen wir eine Weile auf der Straße und quatschten, wieder wechselten wichtige Infos von einem zum anderen. Dann guckte ich mir noch ein paar andere Hostals an und landete letztendlich wieder hier. Die Preise waren in etwa die gleichen und hier gab es Internet. Isa und Philipp verließen Loja am nächsten Tag und ich freute mich auf ein Paket aus Deutschland.

Ich hatte mit Hans Pfeiffer von Ferrotec, dem Fahrradhersteller über meinen Reifenplatzer bei Riobamba gesprochen und er hat meine Mails an den Reifenhersteller Schwalbe weitergeleitet. Und, tausend Dank dafür, erklärte sich Schwalbe bereit, mir einen neuen Satz Reifen zukommen zu lassen. Über gemeinsame Freunde bei Facebook hatte ich Ricardo kennen gelernt, der aus Guadalajara in Mexiko stammt und in Loja wohnt. Außerdem ist er Mitglied im Mountainbikclub von Loja. An seine Adresse durfte ich das Paket schicken lassen. Als ich ihm schrieb, dass ich in Loja bin, lud er mich gleich zu einem Ausflug am Wochenende und in sein mexikanisches Restaurant zum Abendessen ein. Im Restaurant traf ich auch auf Rodrigo, den führenden Kopf des Clubs.... So holte mich Rodrigo am Sonntag früh um halb 6 am Hotel ab, um mit dem Bus nach Cariamanga zu fahren. Dort war ein Cross Country Wettkampf, Rodrigo und einige andere wollten teilnehmen und wir mit Ricardo und ein paar Freunden einfach nur mal die Strecke ab radeln So der Plan! Letztendlich waren wir auf einmal alle Teilnehmer des Rennens. Und ich ein Special Guest …

und als solcher durfte ich mit einem LKW auf den Berg hinauffahren und sparte mir somit den ersten sehr langen steilen Anstieg.. Ich war noch nicht allzu lange auf der Strecke, da fing es an zu regnen und die Piste verwandelte sich in eine einzige Lehmgrube. Und das war ein zäher klebriger Lehm! Im Nu waren die Räder blockiert. Da waren die anderen mit ihren Scheibenbremsen wesentlich besser dran. Zum Glück habe ich wenigstens Steckschutzbleche und konnte diese ganz schnell abbauen. Es half ein ganz klein wenig. Und bei den Abfahrten im Schlamm ist es mir auch nicht ganz geheuer gewesen, dass ich das Rad hätte einfach laufen lassen, wie die anderen und durch die Geschwindigkeit das Blockieren der Räder verhindern können Also ein Stück fahren, bis das Vorderrad blockiert, dann denn Lehm entfernen … weiter. Fahren, schieben, Lehm entfernen.. Ich kämpfte mich 100m-weise vorwärts.. immer froh, wenn einmal ein Stückchen Fahrweg kam, wo es mal keinen Lehm gab. Ich passierte als einer der ganz wenigen den letzten Kontrollpunkt fuhr noch ca. 3 km und blieb wieder im Schlamm stecken. Mit Erschrecken musste ich dann feststellen, dass der Umwerfer in die Speichen ragte. Ich versuchte den Schlamm so gut wie möglich zu entfernen – keine Chance, ich konnte nicht mehr weiter fahren. Zum Glück war gleich 100m weiter ein Restaurant und davor stand ein Mann mit einer Camioneta. Ich trug mein Radel dorthin und er war so freundlich und transportierte mich mitsamt Fahrrad nach Cariamanga zurück, wo man mir einen Pokal verpasste – 3. Platz in der Gruppe der Promotoren. Meinen Freunden gefiel das gar nicht so richtig, schließlich war ich die einzige Frau und hätte einen ersten Platz verdient... und mir war das auch nicht recht, bin ich doch das letzte Stück mit dem Auto gefahren. Aber ich hätte doch den letzten Kontrollpunkt passiert … wurde mir gesagt. Trotz Schlamm, Lehm, Regen, Gewitter und kaputtem Fahrrad, es war ein wunderschöner Tag. Rodrigo richtete am nächsten Tag mein Fahrrad in seiner Werkstatt wieder her, er hat ein Fahrradgeschäft

Mit dem Partnerunternehmen von UPS in Ecuador hatte ich schon einige Emails ausgetauscht, weil sie unbedingt noch Daten von Ricardo haben wollten. An diesem Montag bekam ich die Nachricht, dass das Paket von Schwalbe mit den Reifen in den Zoll gegangen ist. Aber es sollten noch 10 Tage vergehen, ehe ich es wirklich in den Händen hielt. Der Zoll braucht eben hier sehr lange, um 2 Reifen zu checken. In der Zwischenzeit pflegte ich meine Kontakte, sah mir Loja an, verliebte mich in diese Stadt und ihre sehr entspannte Atmosphäre, in die Umgebung von Loja und den Podocarpus Nationalpark, in den ich auch einen Ausflug unternahm, und am Wochenende unternahm ich mit meinen Freunden wieder eine tolle Radtour.

Dagmar und Mete, zwei Radler aus Deutschland, waren immer ein Paar Tage hinter mir und wollten eigentlich von Riobamba zur Küste abbiegen. Wir hatten immer einmal Kontakt über Facebook. Am Dienstag war Dagmar wieder einmal online. So fragte ich denn wo sie gerade seinen und bekam als Antwort, dass sie am Mittwoch in Loja eintreffen würden Durch die viele Zeit, die ich in Riobamba, Cuenca und nun in Loja verbracht hatte und dadurch, dass sie doch nicht an die Küste geradelt waren, haben sie mich letztendlich eingeholt. Sie haben sich jetzt einen ziemlich straffen Zeitplan gesetzt, sie wollen es tatsächlich noch diese Saison schaffen, nach Ushuaia zu kommen. So trafen wir uns denn das erste Mal persönlich hier in Loja. Gestern habe ich die Beiden bis auf den Pass in Richtung Catamayo begleitet. Ohne Gepäck war das für mich ganz leicht, der Abschied nicht. ... Ich hatte die letzten Tage ganz heftig mit der Entscheidung zu kämpfen, ob ich die beiden begleite. Für mich ist die andere Strecke über Vilcabamba und Zhumba nach Peru interessanter als die Küstenroute, ich habe die Zeit dafür

Ich bleibe noch in Loja. Bei guten Freunden.

Riobamba, 07.09.2011, Regen, Wind und die Macht des Berges

Beim Abstieg vom Iliniza Norte hatte es mich ganz schön eingeweicht, so dass ich beschloss noch einen Tag in El Chaupi zu verbringen, meine Sachen zu trocknen und mich ein wenig auszuruhen. Außerdem wollte das indigene Haushälterpaar des Refugios im Ort unbedingt meine Fotos sehen. Letztendlich war ich auch froh dortgeblieben zu sein, denn es regnete den ganzen Tag immer wieder.

Über eine Kopfsteinpflasterstrasse fuhr ich in Richtung Latacunga, wo ich eventuell die nächste Nacht unterkommen wollte. Die Holperstrasse führte mich direkt zu meinem bis dato höchsten Pass – 3594 m. Und es war gar nicht so schlimm. Schade, dass sich der Cotopaxi die gesamte Zeit in den Wolken versteckte, denn ich radelte ganz nah an ihm vorbei. Für eine Stunde musste ich mich auch unterstellen, weil es wieder einmal mächtig regnete. Da ich im leichten Regen weiter radelte, gab dieser dann auch bald auf und ich konnte trocken weiterfahren. Ich war bereits mittags in Latacunga und das war natürlich keine Zeit zum Pausieren! So beschloss ich Ambato anzusteuern, das waren nur noch 47 km laut meiner Karte.

Die Einfahrt in die Stadt bis ins Zentrum zog sich ganz schön hin und es ging in der Stadt selbst ganz mächtig hoch und runter, was im Stadtverkehr noch zusätzlich erschwerend ist. Also die Stadt machte erst einmal auf mich keinen so besonders guten Eindruck, was meine Empfindungen von vor 2 Jahren bestätigte. Aber wie so oft ändern sich die Beziehungen zu einem Ort mit den Menschen, die man dort kennenlernt und den Plätzen die man zu sehen bekommt. Julio, den ich in Cartagena getroffen hatte, stammte ja aus dieser Stadt. Und so schrieb ich an seine Pinnwand in Facebook im Internet, dass ich in Ambato wäre. Und er war gerade online und fragte gleich, ob ich seinen Verwandten angerufen hätte und in welchem Hotel ich wohnen würde. Ich war gerade aus dem Internetcafé und einem kurzen Abendbrot bei einem Comedor (Garküche – Suppe, Hauptspeise, Getränk für 1,75$ - unschlagbar und gut) ins Hostal zurückgekommen, da klopfte der Portier an meine Tür, ich hätte Besuch. An der Rezeption stand Martha, Julios Mutter. Sie hatte die Einträge an Julios Pinnwand verfolgt und kannte mich auch schon von den Kommentaren, die ich oft zu Julios Einträgen und Fotos abgegeben hatte. Julio fuhr nämlich fast die gleiche Strecke nach Norden, die ich in die umgekehrte Richtung geradelt war. Ganz besonders hatte ihr ein Kommentar gefallen, den ich zu Julios Aufenthalten in Jasper in Kanada gemacht hatte. Da muss ich aber ein wenig weiter ausholen: Auf dem Hinweg nach Alaska hatte Julio einen dreiwöchigen Zwangsaufenthalt, weil sein Motorrad einen Motorschaden kurz vor Jasper erlitten hatte und es sah fast so aus, als ob er die Reise abbrechen musste. Aber eine große Welle von Solidarität half ihm weiter. Auf dem Rückweg von Alaska wollte er seine Route der Hinfahrt in Jasper kreuzen und prompt musste er wieder einen Pickup benutzen um nach Jasper hinein zu fahren, die Kette seiner KTM-Maschine war gerissen. Ich hatte ja auch kurz vor Jasper fast an der gleichen Stelle am Mount Robson einen Reifenschaden, so dass ich den gesamten Reifen ersetzten musste. Und so schrieb ich zu Julios Nachricht über seine Panne „Jasper ist kein guter Ort für (Motor-)Radfahrer“. Jedenfalls lud mich Martha in ihr Haus ein, um den Abend mit Julios Eltern zu verbringen. Über Internet informierten wir ihn dann, dass ich bei ihm zu Hause sei und er hat sich sehr darüber gefreut. Eigentlich sollte ich gleich im Haus bleiben und dort übernachten, aber ich hatte gerade alle meine Sachen und das Fahrrad im sehr preiswerten Hostal die Treppen hoch geschleppt und mich im Zimmer ausgebreitet (es musste ja auch noch einige Kleidung vom Regen trocknen), dass ich leider ablehnte. Aber den gesamten nächsten Tag verbrachte ich mit Martha, die mich durch Ambato führte und mir wunderschöne Ecken zeigte. Ich erkannte auch das Restaurant wieder, in dem wir vor 2 Jahren Cuys (knusprig gegrillte Meerschweinchen) gegessen hatten. Und ich wurde mit gutem Essen mit viel Obst und Gemüse verwöhnt. Ohne noch einmal bei den Eltern von Julio gefrühstückt zu haben, durfte ich Ambato nicht verlassen. Von den beiden bekam ich noch einen wunderbaren Tipp für die Strecke, ich wollte den Chimborazo westlich umfahren und über die höchste asphaltierte Straße Ecuadors radeln. Und Martha fuhr mit dem Auto voraus und lotste mich so sehr schnell aus der Stadt, auf eine Straße, die auf meiner Karte nicht eingezeichnet war. Die war herrlich!!! Sie führte durch das Tal des Rio Ambato, rechts und links erhoben sich Berghänge bald 1000m hoch. Es gab viele Wasserfälle und kaum Verkehr, aller halben Stunden mal ein Fahrzeug und wenn es nur ein Eselskarren war. Die Strecke führte nur durch kleine Dörfer der indigenen Bevölkerung, mit sehr aufgeschlossenen freundlichen Menschen. Leider fing es sehr bald an zu regnen, aber der Schönheit dieser Landschaft tat das keinen Abbruch. Übernachten konnte ich in einem Refugio der Indigenes in Cunuyaco. Es war trocken, aber furchtbar kalt, durch die Ritzen im Sperrholz konnte ich den Himmel sehen. Auf knapp 3800 m Höhe waren es bei dem Wetter eben nur noch 6 ºC und ich war eben auch einen halben Tag lang nur durch Regen gefahren. Gegenüber gab es zwar heiße Quellen, aber diese waren naturbelassen und glichen eher einem Schlammbad … da hatte ich einfach keine Lust. Aber ich bekam gutes heißes Essen.

Am nächsten Tag sah ich zunächst blauen Himmel, nach dem Frühstück regnete es wieder und als ich meine Regenhose angezogen hatte und diese dann etwas feucht war hörte es wieder auf. Auf einmal war der Chimborazo genau vor mir. Riesig groß erhob sich dieser herrliche Berg mit seiner Schnee- und Eiskappe vor mir und ich fuhr genau darauf zu – fantastisch! Rechts und links sanft geschwungene Berge mit Wiesen, auf denen Kühe, Pferde, Schafe und Alpakas weideten und dann dieser Eisriese. Irgendwann war diese schöne einsame Straße dann zu Ende und ich kam auf die Hauptstraße von Ambato nach Guaranda, von der in wenigen Kilometern die Straße über das Plateau El Arenal, das knapp 4400 m hoch ist, abgehen sollte. Aber der Verkehr war auch hier nicht besonders stark. Nur der Wind wurde immer kräftiger Am Anfang gefiel es mir ja, denn er kam von hinten und blies mich mit 15 km/h eine 10% Steigung hinauf, ich musste nicht einmal treten. Aber in den Böen, die immer mächtiger wurden, war das Fahrrad bald nicht mehr so einfach zu beherrschen und als ich auf die Hochebene abbog, wurde die Fahrt bald zur Qual. Ich hatte teilweise Schwierigkeiten das Rad auf der Straße zu halten, fuhr gegen Wände aus Sand und Staub, geriet in Wirbel und Gegenwind machte mir das Atmen fast unmöglich Ein Stück weit habe ich das Fahrrad sogar geschoben, weil ich mich unmöglich auf ihm halten konnte. Die Vicuñas versteckten sich in den Senken, nur dieser eine Zweibeiner mit dem komischen Gefährt versuchte gegen diesen Wind anzukommen. Zum Glück erreichte ich bald den Eingang zum Chimborazo Park, von dem es auch zu den Berghütten, der Carrellhütte und der Whymperhütte geht. Dort konnte ich erst einmal vor dem Wind geschützt verschnaufen und etwas essen. Ich merkte hier erst einmal, dass ich auch vor Hunger schon ganz schwach war. Als ich da so da saß und mein Brot und den Käse verspeiste, kam ein Bus voller deutscher Touristen, die sich bis zur Carrellhütte kutschieren lassen wollten und alle dort am Eingang auf die Toilette wollten. Da sie keine Vicuñas (das ist die dortige wilde Kamelart) gesehen hatten, war ich wahrscheinlich die einzige Attraktion und sie wollten mich alle mit meinem Fahrrad fotografieren. Naja!

Entweder hatte jetzt der Wind etwas nachgelassen oder das Essen hat geholfen, jedenfalls konnte ich mich jetzt besser auf dem Fahrrad halten. Es ging bis Riobamba fast nur noch bergab. Auch hier war es jetzt fast unendlich weit, bis ich in das Stadtzentrum kam. Und dann fand ich ein Hostal, das nennt sich Oasis und ich hatte den Eindruck in einer Oase gelandet zu sein. Ein Plastikdach deckt den Aufenthaltsbereich ab und es war herrlich warm darunter. Eine ganz liebe nette Betreiberfamilie, die mir fast jeden Wunsch von den Augen abliest und das beste, eine heiße Dusche, nach einem Tag Regen und einem Tag Sandsturm mit auch nicht gerade umwerfend viel Wärme die reinste Wohltat! Hier wollte ich nun mein Basislager für den Sturm auf den Chimborazo aufschlagen. Ich schaute mir Riobamba an, erlebte einen Markttag mit den vielen in ihre Trachten gekleideten Indigenas und fuhr mit dem Bus zum Chimborazo, um mich zu akklimatisieren. Der Berg präsentierte sich bei herrlichem Wetter in seiner vollen Schönheit. Als ich den Fotoapparat zückte, um wieder Millionen Fotos vom Berg zu schießen, ereilte mich eine böse Überraschung – es ging nichts los. Schreck, die Luft blieb weg, bis mir einfiel, dass der Akku ja noch im Ladegerät im Oasis steckte. Naja, schöne Bescherung! Ich marschierte also die gesamten 6 km hoch zur Carrellhütte, weiter zur Whymperhütte und noch weiter auf der Whymperroute bis zu dem steilen Hang, der mir mit seinem losen Gestein vor zwei Jahren besonders beim Abstieg so viel Mühe gemacht hat. Es war herrlich und die 5350 m Höhe, die ich dabei erreicht hatte, machten mir nicht zu schaffen. Diesmal sah ich auch viel mehr Vicuñas, die überall friedlich weideten. Es war einfach ein herrlicher Tag und ich fühlte mich gut vorbereitet für den Gipfelsturm und die hervorragenden Bedingungen ließen mich regelrecht jubeln.

Gestern hatte dann auch Juan Zeit und kam für unseren Gipfelversuch aus Mindo angerauscht. Ich wachte bei Sonnenschein auf, kurz danach regnete es. So ging es den ganzen Vormittag, Sonne und Regen im Wechsel. Sollten sich ausgerechnet heute, 2 Tage später, die Bedingungen wieder verschlechtern? Das Wetter bessert sich wieder, wurde mir versichert. Als ich am frühen Nachmittag Juan traf, sah es auch so aus und tatsächlich, als wir am Chimborazo ankamen, sahen wir den Gipfel. Die Vicuñas weideten wieder friedlich und alles in allem schienen es ganz akzeptable Bedingungen zu sein, wir waren zuversichtlich. In der Whymperhütte trafen wir noch einen Neuseeländer mit seinem Bergführer und 3 Amerikaner aus Colorado mit ihren beiden Guides. Die Nacht war sehr kurz, von 19 bis 22 Uhr war schlafen angesagt, dann noch etwas essen und trinken und los ging es. Juan ging voraus, dann ich und wir bildeten mit dem Neuseeländer die erste Gruppe, waren ja auch schneller fertig. Die Amerikaner waren etwa 300 m hinter uns. Es war nicht sonderlich kalt und für mich war auch der Wind ganz passabel, hatte ich doch am Iliniza und eben dort unten auf dem Plateau, etwas ganz anderes erlebt. Aber für die Steine hat der Wind gereicht. Denn schon bald hörten wir die ersten Steine rollen. Wir stiegen aber erst einmal weiter. Der zurückgehende Gletscher hat viel loses Gestein hinterlassen, was den Aufstieg sehr erschwert. Ein klein wenig verstärkte sich der Wind auch, immer wieder blieben wir stehen und lauschten. Immer wieder sagten wir, noch ein Stückchen um zu sehen. Bei einem Aufenthalt traf ein Stein Juans Rucksack. Das gab einen ganz schönen Knall. Wir warteten auf die amerikanische Gruppe und die Bergführer diskutierten, was zu tun sei. Jetzt war eine Weile Ruhe. Also noch ein Stückchen höher Inzwischen hatten wir gerade einmal eine Höhe von 5300 m erreicht. Auf einmal rollten direkt neben uns Steine ins Tal. Nun gab es keinen anderen Ausweg, es hieß rapido, schnell zurück. Etwa 200 Höhenmeter weiter unten und etwas seitwärts hielten wir wieder an und es wurde über alternative Routen geredet, aber es gibt keine, die vor Steinschlag sicher ist. Überall das gleiche Problem, die abgeschmolzenen Gletscher haben Moränen hinterlassen, die so instabil sind, dass der Wind ausreicht um ein Eigenleben der Steine in Gang zu setzten. In dem Augenblick ging etwas höher, vielleicht dort wo wir gerade umgekehrt waren eine regelrechte Steinlawine ab, wie Wasser sagten die Bergführer später. Es war gespenstisch. Minutenlang rauschten die Steine zu Tal. Zum Glück waren wir weit genug entfernt, nur der Staub traf uns noch und nahm uns fast den Atem. Schweigend und betrübt stiegen wir wieder zur Hütte ab, die wir gegen 2 Uhr nachts erreichten. Wieder hat sich mir der Berg verweigert.

Nach der restlichen fast schlaflosen Nacht ging es dann hinunter zur Carrellhütte und weiter nach Riobamba, wo ich mich von Juan verabschiedete. Wie schade, wie schade!!!

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El Chaupi, 28.08.2011 - Die letzten Tage in Kolumbien - Ein neues bekanntes Land - Besuch bei Freunden und hohe Berge

Wenn man auf einer langen Reise an einen Ort kommt, wo man schon einmal mit guten Freunden war, an den man schöne Erinnerungen hat und die Menschen wieder trifft, denen man damals schon begegnet war, ist es ein wenig, als hätte man ein Stückchen Heimat wiedergefunden. Es macht ein freudiges und wohliges Gefühl.

So ist es mir in La Esperanza ergangen. Ich haette den Weg hierher auch allein mit dem Fahrrad gefunden, aber ich hatte noch die hässliche steile Kopfsteinpflasterstraße im Kopf und ließ das Rad lieber in Ibarra im El Retorno, dessen Besitzer ein guter Freund von Mama Aida ist, und nahm den Bus. Außerdem hatte ich keinen Ersatzreifen mehr. Ich kam Mama Aida bekannt vor, aber sie wusste mich nicht einzuordnen. Kein Wunder bei den vielen Leuten, die in den 2 Jahren seit damals hier übernachteten Aber so frech wie wir, sich gleich in die Küche zu setzen, war wohl kaum einer und dann der lange George und unser Gelächter über den missglückten Gipfelversuch am Imbabura und dieser an sich – da kamen doch die Erinnerungen wieder. (zur Erinnerung: unser Busfahrer hatte uns am falschen Ort abgesetzt und beim Versuch die riesige Schlucht zu überqueren, die uns vom richtigen Weg trennte, blieben wir hoffnungslos im hohen Gras stecken. Und der Everest-Bezwinger George gewann die neue Erfahrung, dass Gras in der Lage ist, bei sonst besten Bedingungen einen Gipfelversuch fehlschlagen zu lassen. Unsere Freundin Annett hatte das Gras „grossbuschiges Stinglgras“ getauft) Jedenfalls hat sich Mama Aida riesig darüber gefreut, dass ich sie besuche.

Ja, da bin ich also schon in Ecuador. Das Land, auf das ich mich schon so richtig gefreut hatte. Aber es hat mich erst einmal mit Regen und Kälte begrüßt. Sowie ich den Ausreisestempel aus Kolumbien im Pass hatte, begann es zu regnen. Kalt war es ja schon in Ipiales, so kalt, dass ich beim Comedor froh war, gleich neben dem Grill zu sitzen und eine heiße Suppe zu bekommen und ich mich am Abend gleich ins Bett verdrückt habe. Draußen 14ºC und im Zimmer 16. Und zwei Tage zuvor hatte ich nachts nicht unter 25ºC. Aber in San Gabriel, der ersten Station in Ecuador habe ich Abends keinen Comedor mit Grill und heißer Suppe gefunden, den hatte ich mittags, und ich habe nach dem verregneten Tag ewig gebraucht, bis ich im Bett warm wurde.

Aber zunächst noch zu den letzten Tagen in Kolumbien. Sie haben mir noch einmal viele schöne Begegnungen gebracht. Von Villa de Leyva bin ich gar nicht so schnell losgekommen. Hans musste mich mit einer Radtour auf seine gerade erworbene Finca führen und ich besuchte noch den Joachim, der aus Berlin stammt und in Villa de Leyva Wein anbaut - „ein Berliner kann alles!“. Der Wein schmeckt gar nicht schlecht. Dann setzte ich meine Reise endlich fort. (Was denn morgen willst Du schon weiter? - Hans) Es ging in Richtung Bogota. Normalerweise vermeide ich ja so große Städte, aber zum einen sollte Bogota ja sehenswert sein und zum anderen wollte ich mein Visum für Kolumbien verlängern, das leider nur 60 Tage gültig war. Mein Weg führte mich über Zipaquira. Dort musste ich mir natürlich als bekennender Erzgebirger ein Bergwerk anschauen. Es ist zwar ein Salzbergwerk, aber eben ein ganz besonderes. Es besteht aus 3 Ebenen. Die erste, die obere, ist die älteste Abbauebene und der Besuchereingang mit einigen Kapellen, in der 2. Ebene haben die Bergleute eine Kathedrale gebaut – die Salzkathedrale. Fantastisch ein riesiger Dom mit Figuren aus Salz. Und in der 3., der untersten Ebene, wird heute immer noch Salz abgebaut, mit modernen Methoden, aber die Sprengungen habe ich mitbekommen.

Bogota war wirklich die Reise wert. Ich habe zwar mein Visum nicht verlängern können, der Aufwand war mir einfach zu hoch, aber die Stadt ist sehenswert. Es gibt fantastische Kirchen, sehr kunstvoll ausgestattet und auch das Kongressgebäude ist sehr schön Ich kam planmäßig Sonntag hier an, sonntags sind viele Straßen für Autos gesperrt und nur für Fußgänger Radfahrer und Skater zugelassen. Es waren Millionen unterwegs und so kannte ich den Weg ganz gut finden. Unterwegs traf ich noch den chilenischen Radler Francisco, der mich bis zum Hostel begleitete und von dem ich zum ersten Mal hörte, dass es eine sehr gefährliche Stelle auf dem Weg zur Grenze nach Ecuador mit Guerillas gibt und der mir sogar die Narben von seinen Schussverletzungen zeigte. In Bogota bin ich dann noch mit dem Funicular, einer Standseilbahn, auf den Berg Monserrate gefahren, eine Art Pilgerstätte, von wo man eine herrliche Aussicht auf Bogota hat. Und Jesus am Empfang vom Hostel erzählte mir, dass er jemanden kennt, der mit dem Motorrad durch ganz Nordamerika gefahren ist und mit dem Fahrrad nach Chile und sein Geschäft, einen Juwelierladen, gleich um die Ecke haette. Und er hatte nichts Eiligeres zu tun als dort gleich anzurufen und mich hinzuschicken. Jordano würde sich sehr freuen. Und er freute sich auch, denn das erste was er sagte, war „ich kenne Dich, ich habe Dich in Nordmexiko gesehen, kannst Du dich nicht erinnern? Ich habe Dir gewunken...“ Aehm, naja, mir haben viele Motorradfahrer gewunken und mit den meist schwarzen Sachen und dem Helm.... Tja wenn er angehalten haette... Es war ein schöner Abend und ich habe viele Tipps für die Strecke bekommen und wieder eine Mahnung, ein Stück mit dem Bus zu fahren, die gleiche Strecke, die Francisco mir empfohlen hatte.

So blieben mir für die reichlich 1000 km von Bogota zur Grenze gerade mal noch 14 Tage, wenn ich meine Visazeit nicht überschreiten wollte. Das müsste ja zu schaffen sein, auch wenn es noch einmal so richtig weit hinunter ging und dann wieder bergauf, denn ich musste das Tal zwischen den beiden Kordilleren durchqueren. Von Bogota ging es aber erst einmal mächtig bergauf ehe es in einer Wahnsinnsabfahrt ganz tief runter ging.

In Ibaque hatte ich zwar die Anschrift eines Hotels, aber das war für mich und mein Fahrrad völlig ungeeignet, ein schmaler Eingang und dann gleich eine steile Treppe mit mindestens 50 Stufen bis zur Rezeption. Passanten empfahlen mir ein Hotel gleich um die Ecke, das haette einen ebenerdigen Eingang und wäre preiswert. Naja unter preiswert verstand ich etwas anderes als 48000 Peso, in etwa 20 Euro. Ich verließ dieses Hotel wieder und schon hielt auf der Straße ein Auto. Darin saßen David, seine Frau Sandra und ihre Tochter Laura. Wir unterhielten uns eine Weile und dann sollte ich ihnen erst einmal folgen, weil wir doch ein wenig den Verkehr behinderten. An der Tienda (einem kleinen Laden) von ihren Freunden oder Verwandten hielten wir an und ich bekam erst einmal ein Getränk spendiert, dann wurde hin- und herueberlegt und zu dem Schluss gekommen, dass kein Hotel sicher und preiswert genug für mich wäre, ich sollte doch mit zu David, Sandra und Laura nach Hause kommen, es wäre sicher, ich brauchte gar nichts bezahlen und Internet hätten sie auch. Mein Fahrrad und die nicht benötigten Taschen wurden in der Tienda abgestellt und ich ins Auto geladen und so landete ich bei meinen neuen Freunden zu Hause. Es wurde ein herrlicher Abend mit guten Gesprächen sogar die Nachbarn fanden sich ein, denn in Kolumbien sind die Terrassen und Wohnzimmer offen. Am nächsten Tag durfte ich aber auch nicht weiterfahren, ich musste mir die Stadt und die Umgebung anschauen und kam so zu einem zweiten so schoenen Abend. David ist pensionierter Polizist und so hatten er und Sandra viel Zeit für mich. Weil die Arbeit der Polizei in Kolumbien so gefährlich ist, weil die Polizisten praktisch immer im Dienst sind, also jederzeit abrufbar, können sie schon nach 20 Jahren pensioniert werden. David hat 25 Jahre bei der Polizei gearbeitet und er erzählte mir, dass es nicht viele Polizisten gibt, die tatsächlich in den Genuss ihrer Pension kommen. Viele geben schon vorher auf, einige werden in Dienst getötet und manche auch der Korruption überfuhrt. Das wird in Kolumbien schwer geahndet.

In Kolumbien war gerade die Weltmeisterschaft der U20 im Fußball und im Armenia spielte die Mannschaft von Guatemala gegen Nigeria. Klar, dass ich mir das Spiel im Stadion angesehen habe, wenn ich schon dort war. Denn Armenia war die nächste Station nach Ibaque. Auch das war ein herrliches Erlebnis, denn die Stimmung im Stadion war großartig. Es war nur nicht so leicht, an Karten heranzukommen. Ich hatte damit gerechnet, dass es Karten am Stadion gibt, aber das war ein typischer Fall von denkste. Also musste ich erst einmal 1 km vom Stadion zurück laufen, denn soweit war alles ringsherum abgesperrt, nur Fußgänger waren erlaubt. Die Polizei zu fragen, wo es Karten gibt, war die beste Idee. Sie hielten gleich ein Taxi an und instruierten den Fahrer. Das hörten auch noch andere Leute und so fuhr ich nicht allein zu der Stelle, wo es die Karten gab, ca. 5 km entfernt im Stadtzentrum. Ich bekam meine Karte, das Taxi wurde von dem Mitfahrer Joshua bezahlt, die Polizisten kontrollierten, dass ich auch wieder angekommen war und in Joshua und seinem Freund Miller mit ihren Freundinnen hatte ich gleich Freunde gefunden, mit denen ich mir das Spiel ansehen konnte. Und sie amüsierten sich sehr über mich, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass eine Gringa sich so emotional engagieren konnte. Leider hat Guatemala das Spiel 1:5 verloren, aber später doch das Achtelfinale erreicht.

Über Buga, wo ich mir am Abend eine wunderschöne Basilika anschaute ging es weiter nach Cali. Dort wohnte ich zum ersten Mal in einer casa de ciclistas. Ich wurde von Miller, seinem Bruder und seiner Mutter aufs herzlichste begruesst und Miller überließ mir sogar sein Bett für die Nacht und ich sollte doch einige Tage dort bleiben und mich ausruhen. Er hatte ein Buch, in das sich alle Radler einschreiben sollten, die er jemals beherbergte. Es war schön in dem Buch zu stöbern und Miller konnte zu jedem noch eine Geschichte erzählen. Auch mich hat er noch ganz schön ausgequetscht. Irgendwann möchte er auch noch so eine Reise unternehmen und er nährt seine Träume mit den Erzählungen der Radler. Ich fand viele bekannte Namen in dem Buch wieder, Megsy und July, mit denen wir in Prince Rupert unter einem Dach gezeltet hatten, waren die letzten Gaeste 4 Wochen vor mir, Paris aus Polen, den ich in Mexiko kurz vor der Grenze zu Belize getroffen hatte, die beiden Schweizer Mädels Monika und Martina, die ich in Cartagena traf und andere Radler, mit denen ich auch in Kontakt stehe. Ich haette mich gern noch viel länger mit Miller unterhalten, aber ich musste weiter, mein Visum.

Über Piendamos, wo ich mächtig gefroren hatte – nach 42ºC am Mittag waren Abends nach einem Gewitter nur noch 20ºC und es gab nur eiskaltes Wasser zum Duschen – und Popayan, einer herrlichen alten Kolonialstadt mir schneeweißen Häusern, wo ich auch Bart, einen Radler aus Belgien traf, ging es ach El Bordo Patia. Es war eine wunderschöne Route allerdings mit vielen langen Anstiegen. Die Strecke von El Bordo nach Pasto legte ich mit dem Bus zurück Zum einen war es genau der Abschnitt, vor dem mich viele gewarnt hatten und auch David aus Ibaque hatte noch einmal geschrieben, dass es erneut Guerillaaktivitäten gegeben haette, aber das war nicht der eigentliche Grund, ich hatte mir in Piendamos doch eine kleine Erkältung zugezogen und die Strecke mit den vielen steilen Anstiegen, es ging auf über 3000m hoch und teilweise fehlendem Asphalt, haette mich mindestens 2 Tage gekostet, es wäre also echt knapp geworden. Von Pasto nach Ipiales radelte ich wieder über zwei Pässe, die über 3000m hoch waren. Ipiales liegt ca. 2800 m hoch und es war für mich mit 12ºC richtig kalt, 2 Tage zuvor hatte ich in El Bordo nachts nicht unter 25ºC. In Ipiales blieb ich 2 Nächte, durch die Busfahrt hatte ich ja einen Tag gewonnen und konnte mir dadurch die berühmte Kirche von Las Lajas anschauen. Ipiales ist die Grenzstadt zu Ecuador und pünktlich am 09. August konnte ich die Grenze zu Ecuador überqueren

Ich hatte mich schon riesig auf Ecuador gefreut, aber wie gesagt, es empfing mich erst einmal mit Regen und Kälte Sowie ich den Ausreisestempel im Pass hatte fing es an zu regnen. (oder war es weil ich Kolumbien verlassen hatte?)

Die Menschen in Ecuador empfingen mich freundlicher als das Wetter, oft wurde mir zugerufen „bienvenidos a Ecuador“, ich wurde angehupt und mir der erhobene Daumen gezeigt, LKW-Fahrer hielten an und verwickelten mich in Gespräche, gaben mir Tipps, wo ich günstig essen und unterkommen könnte Bis San Gabriel regnete es immer wieder und ich hatte tüchtig mit der Kälte zu kämpfen, das Thermometer kletterte nicht über 12ºC. Da das Wetter am nächsten Tag auch nicht besser anfing, zog ich lange Hosen und ein langärmeliges Shirt an und darunter noch ein kurzärmeliges und eine Weste und die Regenjacke. Am Anfang fühlte ich mich so auch ganz wohl, aber dann hörte es auf zu regnen, die Sonne kam hervor und es ging auf unter 1000m hinunter, es wurde elende warm und so nach und nach entblätterte ich mich, nur die lange warme Hose konnte ich nicht ausziehen, weil die kurze natürlich fast unerreichbar verstaut war. Und wenn es so weit hinuntergeht, muss es natürlich auch wieder hinaufgehen, denn mein Ziel Ibarra lag auch über 2500m hoch... Mitten auf dem Anstieg gab es einen lauten Knall und dann zischte es nur noch und wieder einmal hatte ich ausgerechnet am Hinterrad einen Platten. Und als ob das nicht ausreichte, war das Loch im Schlauch riesig und als ich mir den Reifen anschaute, blieb mir nichts weiter übrig, als doch das Gepäck abzuladen und den Ersatzreifen herauszukramen. Und auch den Schlauch hatte ich erst einmal zu ersetzen und natürlich hatte ich keinen mehr mit Autoventil. Jetzt musste ich auch noch heraus bekommen, wie ich die Luftpumpe umstellen kann. Hab ich dann auch eher zufällig geschafft. Ich wusste nicht, wie weit es noch ist und wie weit es noch bergauf geht, die Kilometerangaben waren sehr widersprüchlich, inzwischen weiß ich, dass sie in Ecuador eher großzügig behandelt werden, lieber ein paar Kilometer mehr angeben..., deshalb fühlte ich etwas unter Druck. Aber ich war dann sehr schnell in Ibarra. Ich fand dann auch sehr bald ein preiswertes Hostal mit einer sehr netten Betreiberfamilie, wie sich dann herausstellte gute Freunde von Mama Aida.

Am ersten Tag in La Esperanza wollte ich den Weg auf den Imbabura ein wenig erforschen, zog los und nahm nur die Regenjacke mit, es zogen gerade ein paar Wolken über die Berge. Als ich um die Kurve kam, entdeckte ich gleich den schneebedeckten Cayambe, der sich über Häuser von La Esperanza erhob. Was für ein Anblick! Ich wanderte weiter hinauf, als ich eigentlich gedacht hatte, das Wetter war so herrlich, die Aussicht fantastisch und ich war in einer richtigen Hochstimmung. Bis zu einem kleinen Sattel bevor es so richtig steil nach oben ging, stieg ich auf. Und dann merkte ich, dass die Sonne in der Höhe sehr intensiv war und ich hatte weder Kopfbedeckung noch Sonnencreme mit. Oh je, den Scheitel hatte ich mir ganz schön verbrannt!

Am nächsten Morgen stopfte mich Mama Aida mit ihren berühmten Eierkuchen mit selbstgemachter Brombeersoße voll. Sie war extra um 5 Uhr aufgestanden. Am späten Abend waren noch 3 Jungs aus Frankreich angekommen, die ebenfalls auf den Imbabura wollten. So konnten wir uns den Preis vom Transport zum Refugio, den Mama Aida für mich bestellt hat, damit ich die 2 Stunden Fußweg einspare (den Weg war ich ja schon gestern gegangen), teilen. Irgendwann ließ ich dann die drei hinter mir, sie waren zu langsam und machten zu viele Pausen. Sie sagten, sie wären nur Informatikstudenten und hätten mit Sport sonst nicht allzu viel am Hut. Kurz vor dem ersten Gipfel, der Imbabura hat mehrere Gipfel, die sich um den ehemaligen Krater verteilen, traf ich den Bergführer Diego mit zwei Kunden, die gerade von diesem kleineren Gipfel abstiegen. Wir machten einen kurzen Schwatz, über die Berge von Ecuador und natürlich kannte er auch Juan. Der erste Gipfel war relativ einfach zu erreichen, aber dann musste ich über und um etliche Zacken klettern, das war gar nicht so einfach. Aber der Weg war relativ gut erkennbar. Kurz vor Mittag stand ich dann auf dem höchsten Gipfel. Leider war die Sicht nicht mehr so gut und es zogen immer wieder Wolken um mich herum. Als ich dann beim Abstieg wieder auf den Sattel kam und zurück schaute, fiel mir erst einmal auf, wie steil der Weg eigentlich war und ich war selbst erstaunt, dass ich da so einfach hoch marschiert war. Aber ich wollte ja unbedingt auf den Gipfel, vermutlich hatte ich alles andere ausgeblendet. Kurz darauf holte ich die drei Franzosen ein, die sehr langsam abstiegen. Sie waren nicht ganz bis auf den ersten kleinen Gipfel hochgestiegen und zwei von ihnen hatten ganz sehr mit der Höhe zu kämpfen – Schwindel und starke Kopfschmerzen. Weil sie dachten, dass es sich mit dem Abstieg wie beim Auftauchen aus großen Tiefen verhält, machten sie aller 10 Minuten Pausen und stiegen sehr langsam ab. Einer von ihnen hatte wirklich schon starke Schwierigkeiten auf die Beine zu kommen und geradeaus zu laufen. Ich habe sie dann erst einmal den Berg hinunter gescheucht und der Zustand verbesserte sich mit abnehmender Höhe zusehends. Sie hatten einen ganz neuen Wanderreiseführer, wo die Route auf den Imbabura empfohlen wurde, aber leider stand dort nichts über die Gefahren des Aufenthaltes in solchen Höhen, vor allem bei so geringer Höhenanpassung, und auch nichts über Symptome der Höhenkrankheit und was dann zu tun ist. Und 4630 m, die Höhe vom Imbabura, sind schon nicht ungefährlich

Der Abschied fiel Mama Aida und mir nicht leicht. Noch einmal durfte ich am Morgen ihre leckeren Eierkuchen essen und dann nahm ich gegen Mittag den Bus zurück nach Ibarra. Die Busse fahren alle Viertelstunden und es kostet 25 Cent, egal wohin man fährt Der öffentliche Verkehr in Ecuador ist gut ausgebaut. Mein Fahrrad und, die Sachen, die ich in La Esperanza nicht benötigt hatte, waren im “El Retorno“ wirklich gut aufgehoben gewesen. Ich schaute mir am Nachmittag noch ein wenig Ibarra an, vor 2 Jahren hatte mir die Stadt überhaupt nicht gefallen, aber da waren wir auch nur die großen Straßen entlang gefahren. Das historische Zentrum mit seinen vielen Kirchen, Parks und alten Häusern ist sehenswert und es gibt ein fantastisches Museum mit einem Querschnitt von Kunst und Geschichte von Ecuador - Eintritt frei.

Über den Ort Cayambe am Fuße des gleichnamigen Schneeberges fuhr ich nach Quito. In Otavalo traf ich Mauro aus Kolumbien und bis Cayambe radelten wir gemeinsam. Er ist gänzlich ohne Geld unterwegs, hat laminierte Zeitungsartikel über sich dabei und fragt die Leute einfach, ob sie ihm ein Sponsoring zukommen lassen wollen. Und das klappt meistens! Bei dem Comedor (so eine Art Garküche) wo wir Mittag essen wollte zwar gerade mal nicht, das Essen mussten wir selbst bezahlen, aber er hat an dem Tag ca. 10 $ und sein Abendessen bekommen und wir bekamen Abends von in Cayambe lebenden Kolumbianern noch Bier spendiert. Klar, das Mauro lieber noch ein paar Tage in Cayambe bleiben wollte.

In Quito wurde ich auf das herzlichste von Carlitos, Daniel und Francisco in der Casa de Ciclistas aufgenommen. „Mi casa es tu casa“... waren Carlos erste Worte. Von Henri in Villa de Le Leyva wusste ich schon, dass ich die Achse im Hinterrad austauschen musste und auf den letzten Kilometern nach Quito hatte ich schon ein leichtes Knacken bemerkt. In Carlitos Werkstatt nahmen wir erst einmal alles auseinander und tatsächlich wurde es eine lange Liste, was so an Ersatzteilen benötigt wurde, aber nichts, was ich nicht schon wusste. Einen Teil hatten meine Freunde in der Werkstatt, und für den Rest klapperte Carlitos mit mir die anderen Werkstätten und Fahrradgeschäfte ab und tatsächlich konnten wir alles auftreiben. Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach geeigneten Zahnkränzen, letztendlich mussten wie hier einen Kompromiss eingehen und alles komplett ersetzen. 10 Tage verbrachte ich im Haus von Carlito, mein Fahrrad haben die drei mit ganz viel Liebe wieder super hergerichtet und ich habe zum ersten Mal ein Rad komplett neu eingespeicht. Während meines Aufenthaltes in Quito konnte ich auch Juan und seine Familie treffen und mit ihm einen Termin für den Chimborazo ausmachen. Irgendwann zwischen dem 5. und 10. September, je nach den Bedingungen, werden wir einen Gipfelversuch wagen. Zum Akklimatisieren war ich dann auch noch einmal auf dem Pichincha und hatte ein regelrechtes Unwetter mit Gewitter, Hagel und Sturm beim Abstieg erwischt. Es war jedoch ein tolles Erlebnis. Meinen Traum auch noch die Galapagos-Inseln zu besuchen, habe ich allerdings erst einmal auf Eis gelegt. Es ist mir einfach zu teuer. Aber ich habe auch ein wenig Zeit, mich doch anders zu entscheiden, ich bleibe ja noch ein paar Tage in Ecuador. In Quito gibt es ein Restaurant „La cleta“, da ist alles auf Fahrrad eingestellt, die Tische und Stühle sind aus Felgen gebaut, die Lampen aus Zahnrädern und Ketten. Dort feierten wir Daniels Geburtstag und auch zum Abschied wurde ich noch einmal dorthin geführt und wir sahen dort einen Film über den Worldcup im Mountainbiking. Die Jungs hätten mich auch gern noch länger in ihrem Haus gesehen.

Von Quito radelte ich nach El Chaupi am Fuße der Ilinizas. Und gestern war ich auf dem 5130m hohen Iliniza Norte. Das Wetter hat wieder nicht so besonders mitgespielt, die meiste Zeit steckte ich in den Wolken. Im Refugio auf ca. 4700 m kamen, als ich es erreicht hatte, gerade 2 Bergsteiger vom Iliniza Sur herunter und der eine, der Bergführer, begruesste mich gleich mit meinem Namen und der Frage nach dem Chimborazo. Ich war erst einmal baff und dann erkannte ich Diego wieder, den ich am Imbabura getroffen hatte. Wir schwatzten noch eine Weile, bis die beiden sich auf den weiteren Weg abwaerts begaben. Im Hostal in El Chaupi hatte ich ein Schweizer Ehepaar kennengelernt, die inzwischen mit ihrem Bergführer die Hütte erreicht hatten. Sie blieb in der Hütte und er stieg weiter auf und ich ging hinterher. Diesmal sollte es wohl doch keine Solobesteigung werden. Aber nach dem ersten steilen Anstieg empfing uns so ein eisiger Wind, dass ich erst einmal zurückblieb und die dicken Handschuhe herausholte. Inzwischen verlor ich die beiden im Nebel aus den Augen und verstieg mich noch an einer Stelle, so dass ich doch wieder allein unterwegs war. Ich begegnete ihnen wieder, als ich kurz unter dem Gipfel war und sie gerade wieder abstiegen. Aber auf den Gipfel musste ich auch noch, ob wohl fast überhaupt nichts zu sehen war. In der Hütte trafen wir uns dann wieder und beim Picknick wollte mir Jean Louis, wie der Schweizer hieß, noch einen Vorschlag machen, weil ich doch so gerne Fahrrad fahre und bergsteige. Als er vor 2 Jahren am Mustagh Ata war, haben dort gerade 2 Bergsteiger ihre Spezialfahrräder auf den Berg gebracht… Ja, sagte ich, das waren meine Freunde Gil und Peer... und sie haben den Weltrekord geknackt. Die Welt ist wirklich winzig.

Villa de Leyva, 19.07.2011 – Abenteuer ohne Ende – endlich wieder in den Bergen

In Cartagena hielt ich mich 10 Tage auf. Ich hatte gehofft, vielleicht eine Arbeit zu finden, um meine Reisekasse etwas aufzufrischen. Aber es hat nicht geklappt. Zuerst wohnte ich in der Casa Viena, dann durfte ich bei Elke aus Osnabrück wohnen, die gleich nebenan ein Frühstückscafe betreibt. Eigentlich wollte ich dann nach Medellin fahren, wie die meisten anderen Radler auch, und natürlich die damit die Hauptstadt umfahren. Aber sowohl Elke als auch Hans, der Besitzer der Casa Viena überzeugten mich, die Strecke über Bogota zu nehmen, es wäre landschaftlich wunderschön und auch Bogota wäre eine Visite wert. Ich habe es auch bis heute nicht bereut, diese Strecke zu nehmen, ganz im Gegenteil. So machte ich mich gut motiviert auf in Richtung Santa Marta. Schon die zweite Etappe fiel mir ziemlich schwer. Ich kämpfte gegen den Wind und wurde sehr schnell müde Hatte ich eine zu lange Pause gemacht? Und auf noch etwas hatte ich mich mental nicht eingestimmt: nach der relativ langen Zeit unter vielen Freunden, auf dem Boot und in Cartagena, war ich auf einmal wieder allein. In Santa Marta kam ich sehr sehr müde an. Und suchte noch am Abend nach Flügen nach Deutschland oder Mexiko Am nächsten Tag wusste ich warum es mir nicht gut ging. Magenkrämpfe, Durchfall, Schwindel... Aber nach ein paar Tagen war alles wieder gut und ich startete mit neuer Kraft, kein Gedanke mehr an das Abbrechen der Reise!

Die Strecke ist landschaftlich herrlich. Zunächst entlang der Sierra Nevada de Santa Marta – zur Rechten hatten ich flaches Land mit endlosen Bananenplantagen und zur Linken hohe Berge. Nachdem ich die Küstenregion verlassen hatte, konnte ich im Schatten von Alleen fahren. Eine Station war Aracataca. In Santa Marta hatte ich die Adresse des Hostel Gypsy Residence gefunden und genau dort kam ich auch an. Ich wurde von Mister Tim empfangen und am Abend zu einem Stadtrundgang eingeladen - ein einmaliges Erlebnis. Aber zunächst musste ich mir erst einmal den Ort ansehen und ich besuchte sogar die beiden Museen, der Eintritt in die staatlichen Museen ist hier kostenlos. Aracataca ist der Geburtsort von Gabriel Garcia Marquez, dem Autor von „Liebe in den Zeiten der Cholera“, Nobelpreisträger und sehr berühmt in Lateinamerika. Viele seiner Geschichten handeln von Menschen und Traditionen in Aracataca. Es war sehr interessant, obwohl ich viel Mühe hatte, den Ausführungen der Führerinnen zu folgen. In Kolumbien hatte ich nämlich auch zunächst den Eindruck, einer völlig fremden Sprache zu begegnen – die Menschen reden sehr schnell und besonders in der Nähe der Küste werden viele Buchstaben einfach verschluckt. Am Abend dann der Stadtrundgang. Außer mir war noch Sofia aus Schweden im Hostel. Wir wurden mit Spazierstöcken ausgerüstet und los gings. Tim führte uns durch die Straßen und erzählte dabei, natürlich alles auf Spanisch. Aus den Billardbars kam Musik und so wurde ab und zu eine Tanzeinlage eingelegt. Ein Jugendlicher schloss sich uns an. Und dann landeten wir auf der Terrasse von Antonio Jamarillo, genannt El Perro Negro, der schwarze Hund. Er ist ein bekannter Sänger und spielte auch eine Rolle in einem Buch von Gabriel Gracia Marquez. Antonio hat 39 Kinder! Es wurden noch ein paar Stühle herausgestellt und das Konzert startete. Auf der Straße blieben die Leute stehen und hörten zu. Es war fantastisch. Leider hatte ich meinen Fotoapparat im Hostal gelassen, nachts Fotos schießen, das hatte ich doch schon in Hellen getan! Danach gabs noch ein kleines Abendbrot und Salsa in einem winzigen Restaurant um die Ecke, ein Tisch drinnen ein Tisch draußen, von 2...5 Frauen betrieben, waren alle mal hinterm Tresen, aber super Stimmung. Ein unvergessliches Erlebnis. Für den, der Kolumbien kennen lernen möchte, ist Aracataca ein Muss!

Weiter ging es. Kurz vor Aguachica zeigte mein Tacho 20.000 km an. Wahnsinn, so weit bin ich schon geradelt. Der Name Aguachica war Programm, das hätte ich eigentlich wissen müssen Aguachica heißt Regenmädchen und so kam ich in einen Regen und legte die letzten 35 km quasi im Wasserfall zurück Die Autos blieben stehen, weil es so schüttete, ich fuhr weiter, es gab nichts wo ich mich hätte unterstellen können.

Jetzt ging es endlich in die Berge. Ein wenig Bammel hatte ich schon davor, habe ich mich doch schon lange im Flachland aufgehalten. Aber es ging besser als ich dachte. Es war anstrengend, aber nicht so schlimm. Am schwersten war dann der Weg nach Bucamaranga, es ging auf und ab und zum Schluss stand ich auf einer Anhöhe, schaute in ein Tal 200m unter mir und auf der anderen Seite war die Stadt, noch höher als mein Standort. Das habe ich dann auch irgendwie geschafft, es war sehr steil. In der Stadt hielt ein Auto an und die Fahrerin fragte, ob ich ein Hostal suche. Ich nannte das, was ich schon so aus den Erzählungen von anderen Reisenden kannte und es war genau das, das sie mir empfehlen wollte, die Kasa Guane. Sie wollte mich dorthin führen und so hatte ich noch nach dem steilen Berg einem Auto 6 km weit durch die auch nicht gerade ebene Stadt zu folgen. Man war das anstrengend. Am Hostal kam ich gleichzeitig mit einem Motorradfahrer an. Es war Richi, der Eigentümer und Paraglide-Fluglehrer. So nahm das Unglück seinen Lauf. Am nächsten Morgen hatte mich Richi überredet, was ihm gar nicht so schwer fiel, mit zum Flugplatz zu kommen und, na klar, blieb es nicht dabei, am Nachmittag musste ich natürlich in die Luft gehen - am Gleitschirm mit dem jungen Fliegertalent Julian. Es war großartig!!! So verbrachte ich den ganzen Tag dort oben auf dem Flugfeld, mit einer herrlichen Aussicht auf Bucamaranga.

Mit dem Start von Bucamaranga kam der nächste Höhepunkt. An diesem Tag hatte ich ich durch eine Canyon zu fahren, den Chicamocha. Es war Sonntag und so hatte ich bis zum tiefsten Punkt des Canyon Begleitung – die Radsportler jeden Alters und mit verschiedensten Leistungsvermögen aus Bucamaranga nutzen die Strecke zum Training. An jedem Kiosk wollte mir einer ein Getränk spendieren. Endlich mal weniger Durst … aber ich lehnte oft dankend ab, denn irgendwann wollte ich ja auch einmal ankommen. Ich konnte sogar einem bei der Reparatur seines Rades mit Werkzeug aushelfen. Zuerst ging es knapp 800 Höhenmeter nach oben, dann 1200 nach unten und danach wieder 1400 nach oben. Es war ganz schön anstrengend, am Grund des Canyon waren schon um 11 Uhr 44ºC, aber die herrliche Natur und die wunderschönen Aussichten entschädigten für die Strapazen. Als ich den Nationalparkeingang auf ca. ¾ der Höhe aus dem Canyon erreichte, kam auch der Bus aus Bucamaranga und da stiegen Marie aus Dresden und Dennis aus San Diego aus, die ich im Hostal kennen gelernt hatte. Sie wollten auch nach San Gil und unterbrachen die Fahrt um dem Nationalpark einen Besuch abzustatten. Das war perfektes Timing. Ich fuhr aber weiter. Als ich meinte den höchsten Punkt erreicht zu haben, ging es zwar erst einmal bergab, aber nur um dann noch einmal so richtig steil nach oben zu gehen. Ich kam ziemlich geschafft oben an, zum Glück ging es dann die letzten 5 km wirklich bergab, so dass ich mich dann ein wenig ausruhen konnte. Es war nur furchtbar kalt in der Höhe, gerade mal 24ºC zeigte mein Thermometer an. In San Gil war ich dann eher als Marie und Dennis, sie kamen erst sehr spät am Abend an.

Obwohl ich erst in Bucamaranga 2 Tage Pause gemacht hatte, blieb ich auch in San Gil 2 Tage. An einem Tag erschloss ich mir die schöne Stadt und am nächsten wanderte ich mit Marie ein Stück in Richtung Wasserfall von Charala. Unterwegs belästigten uns zwei Jugendliche auf einem Motorrad, wollten uns mit unseren Fotoapparaten fotografieren. Wir hätten keine, zum Glück waren sie gut verstaut, und sie sollten doch verschwinden. Als sie kein Glück damit hatten, an unsere Fotoapparate zu kommen, griff der Sozio nach meiner Kette und riss sie mir vom Hals. Ich konnte ihn noch am Hemd packen, das zerriss komplett, und einmal richtig zutreten ehe sie flohen. Ich hoffe es hat weh getan und mit der kaputten Kette können sie nicht viel anfangen. Wir nahmen dann den nächste Bus zum Wasserfall und durften uns einer Gruppe Amerikaner anschließen, die sich durch den Wasserfall abseilen wollten. Das war wieder so eine tolle Sache.

Die folgenden 3 Tage verbrachte ich mit Bergauffahren durch eine herrliche Gegend. 200 Höhenmeter bergauf 100 wieder runter, 300 hoch 200 runter... Ich wollte nach Villa de Leyva, wo Hans eine 2. Casa Viena hat und mir gesagt hatte, ich solle doch vorbeikommen, es wäre wunderschön Und er hat recht, Villa de Leyva ist wunderschön Ich kam zwar im Regen hier an und mit einem Platten, aber ich konnte auf den ersten Blick sehen, dass das ein besonderer Ort ist. 27 km von hier entfernt begegnete ich einem Radsportler, der mich bis zum Abzweig in seinen Ort begleitete und dieser erzählte mir schon, dass es hier einen Saurier und viele Fossilien gibt. Und ich hatte noch ein besonderes Glück, denn hier war gerade Kirchtag und viele Menschen aus den umliegenden Dörfern kamen her, um dieses Wochenende an den Prozessionen teilzunehmen, die Kirche zu besuchen und zu feiern. Fantastisch. Diese herrliche Stadt mit ihren Kolonialbauten, die schon 1968 unter Denkmalschutz gestellt wurde und wo deshalb im Stadtgebiet nur traditionelle Häuser gebaut werden dürfen und die Menschen, zum großen Teil in ihrer traditionellen Kleidung, Jahrmarktsgetümml auf der Plaza … einfach beeindruckend. Und dann gibt es noch die „Dorfkneipe“ direkt an der Plaza. Dort musste ich natürlich hineinschauen und bin glatt hängen geblieben Ich kam ganz schnell mit ein paar Leuten ins Gespräch und bekam Essen und Getränke spendiert und konnte mit ein Viertelfinalspiel des Copa America anschauen, Kolumbien gegen Peru, das Peru 2:0 in der Nachspielzeit gewonnen hat, aber gefeiert wurde trotzdem. „Wir sind alle Latinos...“ haben sie gesagt.

An einem Tag wanderte ich auch ein Stück zu den Pozos Azules, wunderbar blauen Seen in der Weste, zum versteinerten Saurier und der Fossilienausstellung, einer archäologischen Ausgrabungsstätte mit einem Sonnenkalender und zurück nach Villa de Leyva. Auf dem Rückweg entdeckte ich ein kurioses Haus, die Casa Terracota. Das hat mich so fasziniert, dass ich noch einmal hin musste und es mir auch noch von innen angesehen habe. Hans vermietet auch Mountainbikes und so kennt er einen hervorragenden Fahrradmechaniker, der selbst Radfahrer ist und die Strecke Villa de Leyva – Bucamaranga und zurück an einem Tag in einer Art Marathon gefahren ist und das mit fast 50 Jahren! Henri, so heißt er, kümmerte sich dann auch hervorragend um mein Fahrrad und unterzog es einer Komplettwartung. So bin ich nun schon wieder einige Tage hier und hätte noch tausende Ideen, was ich hier noch anfangen könnte Villa de Leyva liegt auf ca. 2100m Höhe und rund herum sind noch höhere Berge, der höchste Berg in dieser Gegend, der 3800m hohe Morro Negro im Iguaque Nationalpark, ist faktisch der Hausberg.

Und noch etwas kurioses ist mir passiert, dass sich heute auch noch fortgesetzt hat. Ich war in Cartagena einem Motorradfahrer aus Ecuador, Julio, begegnet, der in Richtung Norden unterwegs ist. Wenn ich in der Nähe vom Chimborazo wäre, sollte ich ihn kontaktieren, dass er seinem Cousin, der Bergführer ist, Bescheid geben kann. Ich möchte mich doch noch einmal an diesem Berg versuchen. Dann hat er mich aber angeschrieben, dass mich sein Cousin auf Facebook einladen wird. Und wer hat mich eingeladen? Unser Guide Juan, der unsere Expedition 2009 mit Jörg Stingl begleitet hat! Letzte Woche war er wieder auf dem Chimborazo. Und heute bekomme ich die Nachricht von anderen Radfahrern, dass in Quito eine neue Casa de Ciclistas eröffnet wurde und ich stelle fest, dass es ein Freund von Juan ist. Die Welt ist so klein.

Viva Südamerika - der dritte Kontinent auf meiner Reise

Cartagena Kolumbien, 19.06.2011 – Segeltörn in eine alte koloniale Stadt


Fritz ließ mich also früh um fünf vom Hostel in Panama City abholen. Mein Fahrrad kam auf einen Pickup und dann ging es los. Wir sammelten noch ein paar Packpacker ein, die nach San Blas wollten. So konnte ich noch ein wenig von Panama City sehen und ein paar Fotos von den Wolkenkratzern schießen Der erste Teil der Fahrt ging über die Autopista und war nicht so spannend. Dann zweigten wir in Richtung Carti ab und es begann eine herrliche Straße, allerdings mit extrem steilen Anstiegen. Da konnten nur Allrader fahren und ich erinnerte mich sofort an die 6 französischen Radler, die Kurt und ich in Liberia getroffen hatten und die erzählten, dass sie für diese ca. 30 km 3 Tage gebraucht hätten Naja, ich wusste aber trotzdem nicht, ob ich froh sein sollte, dass ich mein Fahrrad nicht da hochschieben musste oder traurig, weil es so wunderschön war, dass ich auch liebend gern dort nicht so schnell durchgefahren wäre Aus dem Auto heraus haben wir Tukane und andere Vögel und Affen und Coatis gesehen.

Kurz vor Carti hieß es umsteigen auf ein Boot und über einen Fluss wurde ich dann zum Katamaran „Fritz the Cat“ gebracht, wo ich schon von Fritz, 12 weiteren Passagieren, Kapitän Roli und Koch und Matrose Jose, erwartet wurde. Fritz verabschiedete sich dann allerdings recht bald, Roli übernahm das Kommando und die Anker wurden gelichtet.

Die nächsten Tage waren herrlich, wir schipperten zwischen den vielen kleinen Inselchen und hatten viel Zeit und Gelegenheiten, zum Schwimmen und Schnorcheln. Es gab herrliche Riffe mit vielen bunten Fischen und ich bin einem Hai begegnet, ich glaube, es war ein Ammenhai. Er kam ziemlich nahe an mich heran. Außerdem sahen wir noch eagle rays und Barrakudas. Und Roli erlegte einen Barrakuda mit seiner Harpune. Die Stimmung an Bord war Spitze und Jose zauberte leckere Gerichte, z.B. Käsespätzle und richtig gute Frikadellen mit Kartoffelbrei, und buk richtiges Brot. Es war wieder wie im Paradies. Roli hatte noch eine Köder raus gehangen und tatsächlich hat ein großer Wahoo angebissen. Der war vielleicht lecker! Ein Stück haben wir gleich roh mit Zitrone gegessen, so frisch gibt es das ja so selten. Dann segelten wir übers offene Meer und ich wurde seekrank. Es war nicht schlimm, aber mir war schwindlig, so dass ich nur liegen konnte, dann war alles in Ordnung, aber sitzen und stehen ging nicht. Der Wind war günstig und so kamen wir nach 34 Stunden auf dem offenen Meer in Cartagena mitten in der Nacht an. Die vielen Lichter im Hafen und in der Stadt waren beeindruckend. Am nächsten Morgen schaukelte das Boot zwar immer noch ein wenig, aber mir ging es wieder richtig gut.
Bilder von der Fahrt

Als ich Land kam, traf ich gleich zwei Schweizer Mädels, Martina und Monika, die mit der Stahlratte, einem Segelboot mit dem deutschen Kapitän Ludwig, nach Panama wollten. Sie waren in Feuerland mit ihren Fahrrädern gestartet. Natürlich mussten wir uns erst einmal austauschen. Als sie in das Beiboot gestiegen waren, kam noch ein Motorbiker, Julio der ebenfalls nach Panama wollte, auf mich zu. Er war aus Ecuador, aus Ambato, da war ich schon mal!, und gab mir gleich seine Adresse und die seines Cousins, der Bergführer ist und auch am Chimborazo arbeitet. Ich soll mich unbedingt melden, wenn ich in die Nähe komme...

Cartagena ist wunderschön Die Altstadt mit ihren vielen kleinen Gässchen ist sehr gut erhalten und rekonstruiert. Es gibt hier wunderschöne Patios (Innenhöfe), herrliche Balkone und Alkoven – und ich streiche wieder gern durch diesen alten koloniale Ort. Nach ein paar Tagen in der Casa Viena darf ich jetzt bei Elke wohnen, die nebenan ein Frühstückscafé betreibt. Und vielleicht klappt es ja und ich bekomme eine Arbeit.
Bilder von Cartagena

Panama City, 06.06.2011: Paradiese, Berge, Strände, Vögel – Länder der Superlative, Centroamerica adios – me mucho gusta

38 ºC im Schatten und dann ein heißes Bad – ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas genießen kann. Aber es ist hervorragend. Nur hinterher war ich so müde, die Arme und Beine waren so schwer... Dem vorausgegangen war eine herrliche Dschungelwanderung und ich habe wieder einmal viele Blümeln und Vögel und viel Dschungel fotografiert. Und Guaven direkt vom Baum gegessen, hm lecker. Der Fluss hatte ca. 38 – 40 ºC Wassertemperatur und hat selbst bei der Außentemperatur im ewig feuchten Dschungel gedampft. Und es gab einen Wasserfall, wenn ich mich da hinein gesetzt habe, hatte ich eine hervorragende Massage. Das tat gut!

Jetzt fragt Ihr Euch natürlich, wo es dieses Paradies gibt? In Costa Rica, in La Fortuna gleich am Vulkan Arenal.

Ich komme hier von einem Paradies ins Nächste. Pazifikküste, die Berge um Monteverde, der See Laguna de Arenal und jetzt hier. Nur die Wege dazwischen sind nicht so einfach. Monteverde ist ausschließlich über Schotterstraßen zu erreichen, unglaublich steil und mit vielen losen Steinen. Von der Pazifikküste geht es auf 1600 Höhenmeter, gefahren bin 3500. Und hinab zur Laguna de Arenal war es auch nicht so einfach, auf dem Schotter komme ich nicht so schnell vorwärts und es geht 200m runter und 100 wieder hinauf, steil. Aber der Weg um die Laguna war genial, auf und ab aber herrlich. Das erste, was ich am See gesehen habe, war ein Schild „Bratwurst“ und „Camping“. Der deutsche Besitzer stand gleich daneben und so hatte ich den ersten kleinen Schwatz an der Strecke. Dann kam ich an einem deutschen Hotel vorbei, das mit Schweinebraten, Kassler und Weißbier warb. Ein paar Kilometer weiter hat Tom aus Bayern seine German Bakery. Oh Mann, war das ein Genuss: richtiges Schwarzbrot mit Schinken und Käse! www.tomspan.com/ Und dazu das Gespräch mit Tom, der als Geruestbauer einige Jahre in Sachsen gearbeitet hat. Als Radlerin und Deutsche war dann ein guter Rabatt für mich drin und eine Einladung, dass ich doch im Gartenhaus übernachten könne Aber es war noch zu früh am Tag und ich wollte doch zum Vulkan. Noch ein paar Kilometer weiter fühlte ich mich wie im falschen Film. Schicke Häusle mit Holzbalkonen und Fensterläden, eine kleine Kapelle, eine Schmalspurbahn, eine Käserei, grasende Kühe dazwischen ... Zum Glück war es so warm und schwül, dass ich mich doch erinnerte in Costa Rica zu sein. Pequeña Helvecia stand an der Haltestelle, kleine Schweiz. In La Fortuna die nächste Überraschung: Als ich am Abend Facebook aufrief, war Jürgen online und wir stellten fest, dass wir im gleichen Ort nur eine Straßenecke entfernt waren....

Jürgen war ja der Radler, wegen dem ich den Bus von Xela nach Antigua genommen hatte, um mich mit ihm zu treffen und gemeinsam weiter zu radeln. Von Antigua ging es erst einmal weit hinunter bis fast an die Pazifikküste und dann wieder bergauf. Wir wollte Guatemala City umfahren und nahmen deshalb den Umweg in Kauf.Oh, waren die ersten Kilometer bergauf hart, es ging ja gar nicht. Nach der langen Radelpause fiel es mir doch etwas schwer. Der Anstieg war aber auch heftig, wie eigentlich gewohnt in Guatemala und es ging diesmal nur über eine richtig asphaltierte Straße aber mit 15 % und mehr Steigung. Dazu kam noch die Hitze, wir sind von 1500 m in Antigua auf 300 m hinuntergefahren, eine richtige schwere feuchte Hitze. Nach der langen Zeit in über 2300 m Höhe wollte die dicke Luft gar nicht so recht in die Lungen fließen Es ging jetzt vorbei an Zuckerrohrfeldern und Bananenplantagen. Riesige Mangobäume säumten unseren Weg. Es war alles recht grün und ab und zu erwischte uns auch ein Regenguss. Die feuchte Luft vom Pazifik staute sich an den Bergen und regnete sich dann ab. Zur Grenze nach Honduras gab es noch einmal einen heftigen Anstieg, einen Hitzerekord, mein Fahrradcomputer zeigte gleich einmal 51ªC an, und dann waren wir ganz schnell in Copan, der nach Tegucigalpa bekanntesten Stadt Honduras. Hier blieben wir einen Tag und besichtigten die Mayaruinen. Und hatten wieder einmal Glück, auf dem Gelände war gerade eine deutschsprachige Reisegruppe unterwegs, an die wie uns anschließen konnten und hatten so eine kostenlose Führung Ich bin immer wieder fasziniert von dem, was hier vor so langer Zeit geschaffen wurde.

Von Copan ging es in 2 Etappen nach Gracias. Hier gibt es nicht nur die Finca Bavaria, auf der Jürgen natürlich unbedingt übernachten wollte und das war auch die beste Wahl hier, sondern ganz nahe den Cerro de Minas, den mit 2849m höchsten Berg von Honduras. Also wieder einmal Rucksack mit Zelt, Proviant und Wasser vollgepackt und los ging's. Jürgen hatte keinen Rucksack mit, aber er hat einen geliehen bekommen. Als wir uns nach dem Weg und Zugangsmöglichkeiten zum Berg erkundigten, hat ein Gast in dem Restaurant, wo wir gerade waren, seinen Rucksack angeboten. So geht das hier. Es war wieder eine wunderschöne Tour und wir konnten auf dem Gipfel übernachten, dort war ein perfekter Platz für ein Zelt. Nur Quetzales haben wir nicht gesehen, die es dort auch geben soll. Noch schöner als der Aufstieg war dann der „Abstieg“, es ging über einen zweiten Berg – wunderschön durch einen Zwergnebelwald, wo Orchideen und Bromelien nicht nur auf den Bäumen , sondern auch auf dem Boden wuchsen. Einfach herrlich! Danach ruhten wir uns noch einen Tag auf der Finca Bavaria zwischen Kaffeesträuchern und Bananenbäumen aus.

Dann fuhren wir nach Tegucigalpa. Normalerweise mache ich ja um Hauptstädte einen großen Bogen, aber es war Ostern und die Prozessionen dort sollten sehr interessant sein. Unterwegs durften wir bei den Besitzern einer Tienda (Dorfladen) im Haus übernachten, wurden einmal mächtig von einem Gewitter eingeweicht, trafen einen Tico (so nennen sich die Costa Ricaner), Danilo, mit Fahrrad das anstelle von Fronttaschen Eimer hatte und wurde von Kurt gesehen, der gerade Kelly zum Flughafen gebracht hatte, Kelly und Kurt, mit denen ich durch Belize gefahren war. Kelly hat den Tod ihres Bruders nicht verkraftet und wollte zu ihrer Familie zurückkehren In Tegucigalpa erlebten wir eindrucksvolle Karfreitagsprozessionen, auf einigen Straßen wurden mit Sägespänen Bilder gemalt, auf Kilometern Länge – so fantastisch – und dann ging die Prozession darüber und alles war hin. Aber es war gigantisch.

Zwei Tage später waren wir schon in Nicaragua. Die erste Station hier war Leon, eine wunderschöne alte Kolonialstadt. Zwei Tage ausruhen, eine super Bäckerei mit richtigen Brot und Butter und Marmelade fürs Frühstück und Entdecken von lauter schönen Flecken in der Stadt, es war toll. Dann verabschiedete ich mich von Jürgen und fuhr weiter in Richtung Massaya Nationalpark, wieder einmal allein, wieder ein mal ein aktiver Vulkan. Eine wunderschöne Strecke. Aber es war nicht mein Radeltag. Zwei Platte hatte ich, einen hinten einen vorn. So kam ich nur bis Managua, wo ich mich überhaupt nicht wohlfühlte und in einem für mich sauteurem Hotel übernachtete, ich wollte einfach nicht bis ins Zentrum fahren und mit Zelten war da nichts. Am Morgen im Hotel hatte ich gleich die nächste Überraschung – noch ein Platter. Naja, das waren dann so viele innerhalb von 24 h wie auf der gesamten Reise zuvor. Schnell geflickt und raus aus Managua.

Im Masaya Nationalpark wurde ich von den Rangern sehr herzlich begrüßest. Ich musste mich in die kühle Halle des Museums setzen und mich ausruhen und wurde mit Getränken versorgt. Als ich aufbrechen wollte, um auf den Vulkan zu steigen, durfte ich nicht laufen, es war ja viel zu heiß, über 40ºC, ich musste mit den Rangern bis zum Kraterrand fahren. Aufgrund der Gase, die der Vulkan ausspuckt, werden die Ranger, die oben ihren Dienst tun alle 2 Stunden abgelöst Und die Ablösung hat mich mitgenommen. Oben konnte ich dann einige Trails um die Krater laufen, es war herrlich. Am Abend begab ich mich ein zweites auf den Weg zum Kraterrand, diesmal mit dem Fahrrad. Ich wollte in der Dunkelheit einen Blick in den Krater werfen und den Schein der glühenden Lava sehen. Tja, da war aber kein Schein. Der steile Weg hinauf hat sich aber trotzdem gelohnt. Der Sonnenuntergang war herrlich und ich konnte auch einige Tiere, wie zum Beispiel 2 Hirsche beobachten.

Die Nicas, wie sich die Einwohner Nicaraguas selber nennen, sind durchweg sehr freundliche Menschen. Und sie erinnern sich sehr gut an die Hilfe aus der DDR, ich wurde oft gefragt, ob ich aus der DDR oder aus dem Westen käme und hatte gleich viel bessere Karten, zumal ich sogar in der Partnerstadt von Managua geboren war. Natürlich erinnerte ich mich auch an die Ereignisse um die FSLN, Daniel Ortega und die Contras. Hier fuhren sogar noch etliche W50 herum!

Dann ging es weiter zur Insel Ometepe, einer Insel im riesigen Nicaraguasee mit zwei Vulkanen, von denen einer noch Gase ausstoesst, also noch ein wenig aktiv ist. Hier wollte ich auch Kurt wieder treffen, um ein Stück mit ihm gemeinsam weiter zu fahren. Und so geschah es denn auch. 2 Tage später kam er und nicht allein, er hatte unterwegs Jürgen getroffen. So erkundeten wir zunächst zu dritt die Insel und kletterten auf den Vulkan Maderas, den kleineren der beiden. Leider machte dann der Cloud Forest (Wolkenwald) seinem Namen alle Ehre – die Spitze des Vulkans steckte die ganze Zeit in dichten Wolken. Wir kamen klatschnass oben an, nicht nur vom Schwitzen - der dichte Nebel. Kurt und ich beschlossen den anderen Vulkan, Conception, nicht zu besteigen, weil dessen Gipfel auch ständig in den Wolken hing und dafür den Vulkan Maderas zu umrunden. So verabschiedeten wir uns von Jürgen und machten uns auf den schwierigen Schotterweg. Wir durften auf einer Bananenplantage direkt am Ufer des Nicaraguasees, übernachten Dann kehrten wir wieder aufs Festland zurück und fuhren an die Pazifikküste, an den Playa Gigante. Das war ein herrlicher Strand! Und wir konnten direkt am Strand zelten. Auf meiner Karte war eine Schotterstraße entlang der Küste eingezeichnet. Diese wollten wir nehmen um die vielbefahrene Panamericana zu vermeiden. Aber wir haben sie nicht gefunden und die Leute, die wir fragten, wollten uns in die verschiedensten Richtungen schicken. „Nach San Juan? Der nächste Weg rechts!“ Dort „Nein das ist nicht der richtige Weg“, „Ihr müsst zurück auf die Panamericana“, „An der Kreuzung in 4 km geht es nach San Juan“, „Nein hier nicht“..... So lies sich die Panamericana dann doch nicht vermeiden. Das war das erste Mal auf dieser Reise, dass ein geplanter Weg einfach unerreichbar blieb. Wir statteten auch San Juan noch einen Besuch ab, dort blieb mir aber verschlossen, warum das so ein beliebter Badeort war. Und schon waren wir in Costa Rica.

Hier mussten wir uns erst einmal an neue Zahlen und Preise gewöhnen: war 1 Euro in Nicaragua noch 32 Cordobas so war der Euro in Costa Rica gleich 715 Colones wert. Und für ein labbriges kleines Toastbrot konnte ich gleich einmal 1000 Colones bezahlen, es waren Preise wie in den USA.

Auf der Halbinsel Nicoya trennten sich Kurts und mein Weg wieder. Kurt wollte die Halbinsel auf kleinen Wegen umrunden und ich bin zu langsam für ihn, ich fühle mich nicht wohl dabei, wenn er immer wieder auf mich warten muss. Ohne Kelly ist er einfach ruhelos. So ließ ich ihn denn ziehen. In seiner Gegenwart habe ich mich gut gefühlt, er ist ein Mensch, der stets darauf bedacht ist, dass es den Menschen in seiner Umgebung gut geht.Ich fuhr zum Playa Tamarindo, der eigentlich Tamagringo heißen sollte, denn er ist fest in Amerikanischer Hand. Ich kam trotzdem in einem Hostal unter, das von einem Einheimischen geführt wird. Und dieser Mensch war sofort begeistert, denn er ist passionierter Mountainbiker und träumt davon, mit seinem Fahrrad durch Europa zu radeln. So bekam ich dann einen very spezial Preis und konnte es mir leisten gleich 3 Nächte dort zu bleiben. So brauchte ich nicht an einem Freitag dem 13. fahren. Am Strand bekam ich gleich einmal 3 Heiratsanträge von Einheimischen, einer davon war ja sehr interessant – er hätte 16 Pferde, Grundstück am Meer und das Geld, das er mit dem Vermieten der Pferde und geführten Reittouren verdient, würde allemal für 2 reichen und ich bräuchte nichts zu tun....

Aber ich wollte doch lieber weiterfahren und machte mich auf den Weg nach Monteverde. Das liegt in 1600 m Höhe und ist ein bekanntes Naturreservat. Bevor ich allerdings die herrlichen Vögel, die vielen Pflanzen und Tiere beobachten konnte, war Schwitzen angesagt. Es ging praktisch von Meereshöhe auf 1600m hoch und, was sonst, eine Schotterstraße vom feinsten. Serpentinen verlängern ja die Strecke, also baut man hier direkt. Heraus kommen Steigungen mit mehr als 20%. Für die 30 km brauchte ich dann auch 2 halbe Tage und oft genug musste ich mein Fahrrad schieben. Einen Regenguss verbrachte ich im Schaukelstuhl unter einem Dach bei einem Gemüsebauern, der mir anbot, auf seiner Finca zu zelten. Aber da es noch nicht ganz so spät war wollte ich noch ein Stückchen weiter und prompt kam das nächste Gewitter und keine weitere Möglichkeit mich unterzustellen.So hat es mich erst einmal richtig schön eingeweicht. In El Angel traf ich aber wieder auf super nette Menschen, der Besitzer vom Restaurant Mirador (Aussicht), Angel, hatte eine herrliche Campaña (Hütte) mit Balkon hoch über einer Kaffeeplantage und ich durfte die Nacht dort verbringen und hatte am Abend gute Gespräche mit seiner Familie. In Santa Elena, das mit Monteverde eine Gemeinde bildet, traf ich einen Vogelkundler und durfte ihn einen Morgen lang auf seiner Pirsch begleiten. Herausgekommen sind ein paar hübsche Aufnahmen von Vögeln durch sein Teleskop. Außerdem machte ich noch ein paar Wanderungen durch den Dschungel von Monteverde. Dann machte ich mich auf den Weg nach La Fortuna zum Vulkan Arenal. Die ersten Kilometer bis Tilaran gab es wieder so eine schicke Schotterstraße, wo ich manchmal bergab das Fahrrad am liebsten geschoben hätte Aber es war trotzdem nicht ganz so steil wie der Weg nach Santa Elena. Die Regenzeit machte sich wieder bemerkbar, es goss wie aus Kannen, zum Glück hatte ich diesmal rechtzeitig ein Dach zum Unterstellen gefunden. Der Weg um den See Arenal war wunderschön und diesmal schien alles deutsch zu sein. Aber davon habe ich schon am Anfang berichtet. Auf dem Vulkan Arenal war ich nicht ganz oben, das ist nur mit Führer möglich und teuer. Jedes Jahr sterben hier Touristen, die aus Unkenntnis in die giftigen plötzlich auftretenden Gaswolken kommen. Aber Manuel, ein Guide, den ich dort kennenlernte hatte zwei drei Stunden Zeit und rannte mit mir ein Stück hinauf und zeigte den heißen Fluss zum Baden und die lustigen bunten Frösche Am nächsten Tag konnte ich uns dann nach einer schönen Wanderung mit Jürgen und seinen Freunden und wieder an den Fluss führen

Von La Fortuna wollte ich wieder an die Pazifikküste und ich hatte auch noch den Chirripo im Hinterkopf, den höchsten Berg von Costa Rica. Der Weg zur Küste war wieder einmal ein sehr bergiger. Dieses Mal ging es zwar über asphaltierte Straßen, aber die Steigungen waren enorm. Eine Nacht durfte ich in einem fast fertigem Haus verbringen, weil es wieder einmal wie aus Eimern gegossen hat. Ich hatte gerade noch so trocken einer Gaststätte erreicht. Die Köchin hat mir dann ihr im Rohbau befindliches Haus angeboten. Türen und Fenster waren schon eingebaut und auch das Bad funktionierte schon, es war nur noch nicht gefliest

Und dann war ich einen Tag lang echt im Paradies. Von Orotina wollte ich an die Küste nach Jacò fahren und habe den falschen Abzweig erwischt, da haben sie einfach mal schnell eine Autopista gebaut. Jedenfalls ging es erst einmal schön und dann steil bergab, unten kam ein Fluss und dann ging es steil bergauf. Naja das kam mir dann spanisch vor und so nach 100 Höhenmetern kam auch mal ein Auto, dessen Fahrer ich fragen konnte... Als ich dann den steilen Berg wieder hinauf geradelt war, hielt oben ein großer Pickup und der Fahrer fragte mich, ob ich etwas zu trinken brauchte. 50m weiter war sein Grundstück - ein riesiger Obstgarten. und dann wurde ich mit den Früchten vollgestopft, manche habe ich vorher noch nicht einmal gesehen. Rafael, so nannte er sich lud mich dann ein, den Tag bei ihm zu bleiben und er hatte auch viel Platz für die Nacht. So wurde ich dann durch den Obstbaumdschungel geführt, mit Früchten vollgestopft, durfte ohne Ende duschen, meine Wäsche wurde gewaschen, ich bekam Massagen, musste in der Hängematte ruhen, bekam noch eine Stadtführung und am Abend durfte ich im Jacuzzi sitzen, mitten zwischen all den Obstbäumen mit Blick auf die schönsten Vögel und Gewitter mit tollen Blitzen rundherum. Oh man, das war echt toll. An dem Tag bin ich nicht mal 10 km gefahren.

Danach fuhr ich die Kuestenstrasse entlang in Richtung Panama. In Dominical hielt ich mich 2 Tage am Strand auf. Eigentlich wollte ich von hier aus den Chirripo in Angriff nehmen und mit dem Bus bis dorthin fahren und in einem 3-Tage-Trekking den Gipfel erreichen. Aber jetzt regnete es jeden Tag sehr stark, es ist eben Regenzeit. Und der Gipfel steckt fast immer in den Wolken. So verzichtete ich auf diesen 3Tausender.

Heute bin ich in Panama City. Auch Panama ist wunderschön Auf dem Weg hierher sind mir noch viele nette Menschen begegnet. So durfte ich bei Migdala und Nixon, einer sehr netten Familie mit zwei tollen Jungs, im Haus übernachten. Es regnet jeden Tag und so manches Mal hat es mich ganz schön eingeweicht. Einmal habe ich 2,5 Stunden unter einer Folie ausgeharrt, ehe ich dann doch im strömenden Regen weitergefahren bin.

Morgen ganz früh zeitig werde ich abgeholt und fahre ein Stück mit dem Auto nach Carti. Von dort geht es mit dem österreichischen Kapitän Fritz und seinem Katamaran nach Kolumbien. Ich segle nach Kolumbien – ein anderer Traum wird Wirklichkeit.

Antigua, 06.04.2011: Mayapfade, Vulkane, Projekte, Spanische Grammatik, Waaaaaaaaarten............

Ja, kaum schreibt man mal eine Weile nichts, weil man mit anderen Dingen beschäftigt ist, schon erhält man so dezente Hinweise, dass wieder einmal ein Update fällig ist. Na gut, da will ich jetzt einmal updaten (aber ich tue das gern)

Von meiner Ausfahrt von Panajachel aus mit Peter Höltschi nach Alaska habe ich schon geschrieben, den Beitrag findet Ihr unter den etwas anderen Berichten. Das ist die ungekürzte Variante von meinem Artikel in der „Freien Presse“. Nur so viel: ich bin ungemein begeistert von dem, was er hier tut.

Auf der Fahrt mit dem Chicken Bus nach Alaska hatte ich schon gesehen, was das für ein hübscher Anstieg von Panajachel nach Solola oder besser sogar bis Las Encuentras war und entsprechend ehrfurchtsvoll bin ich an die Strecke herangegangen. In Guatemala gibt es eben keine ebenen Strecken (vielleicht an der Küste, aber das kann ich auch nicht glauben) Hochland bedeutet hier, dass es nicht unter 1500 Meter hinunter geht, aber weit über 3000 m hoch gehen kann. Alle Straßen haben hier Abschnitte mit Steigungen über 15%, da ist auch die Interamericana nicht ausgeschlossen. Aber die wollten wir ja vermeiden. Also hieß erst einmal die 1000 Höhenmeter nach Las Encuentras und dort die Terraceria, so werden hier die unbefestigten Straßen genannt, nach Totonicapan suchen. Der erste Abschnitt nach Solola ging ja unerwartet gut. Die herrlichen Ausblicke auf den See Atitlan und die Vulkane sorgten für genug Adrenalin. Außerdem waren wir ja ganz gut ausgeruht. Vielleicht hätte ich ja in Solola ein zweites Frühstück gebraucht (obwohl, ich hatte ja schon 2, Anna hatte die letzten Tage bei warm shower Menschen verbracht, weil sie ein Paket dorthin hatte schicken lassen und als sie mich im Hotel abholte, hatte sie noch kein Frühstück gehabt, aus Solidarität habe ich noch einmal mit gefrühstückt), aber am Ende der Stadt musste ich dann doch erst einmal ein Stück schieben. Alles in allem, es ging besser und schneller als gedacht. Las Encuentras ist eine hässliche Straßenkreuzung, wo wir uns weder besonders sicher noch wohl fühlten. Wir füllten nur unsere Wasserbestände und Nahrungsmittel auf, weil wir wussten, dass wir unterwegs auf wenig Möglichkeiten dazu stoßen würden. So war es denn ja auch. Wenn ich jetzt dachte, dass wir ja schon weit hoch geklettert waren und es jetzt ein bisschen weniger anstrengend werden würde, so hatte ich mich geirrt. Aber wir fuhren wieder durch eine herrliche Gegend und trafen nur noch wenige, dafür umso freundlichere Menschen und zu unserer Freude ganz ganz wenige Autos. Bald sollten wir wissen warum. Erstaunlicher Weise war ich dann auf einmal schneller als Anna. Sie war mächtig außer Atem und brauchte immer wieder kleine Verschnaufpausen. Die Höhe machte ihr zu schaffen, wir näherten uns den 3000m. Ich machte mir schon Gedanken, wie wir wieder etwas weiter hinunter kämen, um auf weniger Höhe zu übernachten. Im Nebel fanden wir einen ganz guten Zeltplatz auf ca. 3000m. Anna beschwichtigte mich, sie habe keine Kopfschmerzen und es wäre alles ok. Am nächsten Morgen, als wir aus unseren Zelten kamen, wurden wir von einer atemberaubenden Aussicht überrascht Wir hatten unsere Zelte auf einem Bergsporn hoch über Nahuala aufgeschlagen und konnten die umliegenden Vulkane zum Greifen nahe sehen. Einfach fantastisch! Anna hatte gut geschlafen, also zum Glück nichts mit Höhenkrankheit.

Jetzt wurde aber unsere Straße richtig abenteuerlich. Sie war jetzt sehr ausgewaschen, sehr felsig, steinig und bestand teilweise aus einer Art Kopfsteinpflaster, sehr reperaturbedürftig. Aber wir radelten und schoben durch eine einmalige Natur, immer wieder boten sich uns die herrlichsten Aussichten. Wir trafen sehr freundliche Menschen, die gerade eine Zeremonie auf einem Berggipfel abgehalten hatten. Und wurden angehalten und mußten uns ausweisen: ob wir Amerikaner wären und für irgendeinen Konzern arbeiten würden, der nach Bodenschätzen sucht. Es muss wohl US-amerikanische Bergbauunternehmen geben, die heimlich dort Untersuchungen durchführen, weiter haben wir nichts herausbekommen. Jedenfalls existiert da oben ein Störsender, der Messinstrumente lahmlegt - leider auch meinen Fahrradcomputer. Nur der Höhenmesser hat noch funktioniert. Auf den Wegen, die wir dann fuhren, konnte kein Auto mehr fahren. Es waren wohl auch alte Mayapfade auf denen heute nur noch Hirten und Holzfäller unterwegs sind. Selten trafen wir auf Menschen, aber alle warnten uns, wir sollten sehr vorsichtig sein, es wäre sehr gefährlich. Aber diesmal warnten sie uns nicht vor schlechten Menschen und Ladrones (Dieben) wie sonst, sondern weil die Straße so schlecht war. Es ging auch hoch und runter und manchmal habe ich bergab geschoben aber letztendlich landeten wir auf über 3200 m Höhe und das mit dem Fahrrad! Von 1500m in Panajachel! Wie verbrachten noch eine Nacht auf diesem herrlichen Weg und trafen dann in Xela ein.

Am ersten Abend in Xela sind wir ganz knapp einem Raubüberfall entronnen. Anna hatte Geburtstag und wir waren mal in einem Restaurant essen. Auf dem Weg zurück in unsere Unterkunft gesellten sich 2 Kids (schätzungsweise 12 und 16) zu uns und wollten uns begleiten. Auf einmal griff der ältere nach meiner Tasche und zog ein Messer. Nur hatte ich meine Tasche nicht einfach über die Schulter gehängt, sondern noch den Kopf mit durch den Riemen gesteckt. So hatte ich sie noch fest im Griff. Er fuchtelte wie wild mit seinem Messerchen und drohte ich solle nicht schreien. Aber gerade deshalb brüllte ich ihn an. Anna kam von hinten und schubste ihn zur Seite. Das hatten die beiden nicht erwartet. Es gab ein kleines Durcheinander und dann kam ein Auto und die zwei rannten davon. Wir hatten beide noch bemerkt, dass ein Erwachsener das Ganze beobachtete, er war wohl so etwas wie der Supervisor, der die Kids für solche Sachen ausbildet. Anna hatte einen kleinen Ritzer an der Hand abbekommen. Sonst war nichts weiter passiert. Wir erzählten das Ganze einigen Leuten und am nächsten Tag hatten wir Besuch von der Touristensicherheitspolizei (wie auch immer die heißen) und der Mensch schleifte uns noch zur richtigen Polizei, wo wir Anzeige erstatteten. Xela soll nämlich weiterhin eine der sichersten Städte in Guatemala bleiben. Nun patrouillieren ein paar Polizeier mehr in der Gegend.

Wir waren auf dem Vulkan Santa Maria, der ist nur 3774 m hoch, Anna hatte aber trotzdem beim Aufstieg etwas mit der Höhe zu kämpfen. Wir haben auf dem Gipfel gezeltet und gehofft, dass wir nachts freie Sicht auf den kleinen Santiaguito haben, der sehr aktiv ist. Pustekuchen - da waren Wolken, wir haben keine Lava und keine fliegenden glühenden Steine gesehen. Bei jedem Ausbruch (so ungefähr alle 2 Stunden) waren wir wach, aber gesehen haben wir nichts. Am nächsten Morgen hatten wir bei einem Ausbruch gute Sicht und ich habe tolle Fotos geschossen. Wir wollten noch eine Nacht oben bleiben, aber dann kamen so viele Leute und wollten ausgerechnet auf unserem Zeltplatz eine Zeremonie abhalten, da haben wir doch schnell das Zelt abgebaut. bei den Mayas sind die Berggipfel heilig und jeder Clan hat so seine Ecke für Zeremonien.

Auch auf dem Tajumulco waren wir, das ist mit 4220m der höchste Berg und Vulkan Zentralamerikas. Dort erlebten wir eine Nacht mit viel Regen, Schnee und Eis im „Basislager“. Das Zelt war so gefroren und voller Eis, dass die Reißverschlüsse nur viel gutem Zureden und Eisabklopfen aufgingen. Im Basislager trafen wir auf mehrere Trekker, unter anderem auch auf Jürgen aus Augsburg, der auch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Am Morgen stiegen wir dann bei herrlichstem Wetter aber klirrender Kälte durch den Schnee zum Sonnenaufgang auf den Gipfel. Anna hatte ihre ultimativen Bergschuhe an: Sandalen im Schnee …

Anna verließ Xela dann, weil sie noch in El Salvador in Santa Ana eine Freundin besuchen wollte. Kelly und Kurt waren auch inzwischen nach Belize zurück gekehrt und wir wollten uns alle in Copan in Honduras treffen. Ich blieb in Xela, weil ich auf ein Paket warten musste, wollte, das mein Robert für mich gepackt hatte: mit Fahrradreifen, die ich von Schwalbe gesponsert bekommen habe, mit Ersatzteilen und einer neuen Fahrradtasche, die mir von Ortlieb zur Verfügung gestellt wurden und einigen Dingen, die ich noch so gebrauchen konnte und die Sponsoring von Robert sind. Danke an alle. Aber das Paket ließ auf sich warten. Inzwischen lernte ich noch ein wenig Spanisch und machte mich wie gesagt bei dem Neubauprojekt für das kommunale Lernzentrum nützlich Zum letzteren gibt es aber an anderer Stelle weitere Informationen. Mit Jürgen und zwei Quetzaltrekkern, Adam und Pablo, kletterten wir auf den Pico Zunil, wo wir auch eine Nacht auf dem Gipfel verbrachten und besuchten die heißen Quellen von Zunil Fuentes Georginas. Die waren allerdings an diesem Tag so überlaufen, dass mir die Lust am Fotografieren verging. Mit Pablo und Adam machte ich auch noch einen Ausflug nach San Cristobal de las Casas in Mexico, um mein Visum für Zentralamerika zu verlängern

An dem Tag, an dem mein Paket endlich ankam, trafen sich Kelly und Kurt mit Anna am Lago Yojoa in Honduras. Wir verabredeten, dass wir in Kontakt bleiben und ich später zu ihnen stoße. Zum Glück hat ja Jürgen den gleichen Weg wie ich und so habe ich jetzt einen neuen Begleiter. Auch er verließ Xela eher als ich, weil er noch San Pedro und Chichicastenango besuchen wollte, aber ich konnte ihn hier in Antigua treffen, im musste nur die Strecke von Xela mit dem Bus fahren, um rechtzeitig hier zu sein. Aber es ist ja nicht so schlimm, bin ich doch schon mal hier ganz in der Nähe gewesen. Morgen machen wir uns nun auf den Weg in Richtung Honduras.

Panajachel, 17.02.2011  Good bye Belize, hola Guatemala, Anna, Berge, Staub und Schweiß, fantastische Landschaften

Panajachel liegt am Lago Atitlan in den Highlands von Guatemala. Von hier aus kann ich 4 Vulkankegel sehen, es ist wunderschön hier. Rund herum sind recht hohe Berge. Da werde ich wohl wieder ganz schön kämpfen müssen, wenn es aus dem Seetal heraus geht. Mindestens 600 Höhenmeter ist der erste Teil der Strecke und es geht weiter hoch bis Queztaltenango.  Die Stadt Panajachel wird auch Gringonango genannt, weil hier die Hippies in den 60ern gestrandet sind und viele Gringos hierherkommen, aber so schlimm ist es nicht. Sehr touristisch, aber man muss ja nicht die Flaniermeilen lang laufen. Und zum Essen gehe ich lieber in den Markt und nehme eine lecker caldo de pollo aus der Garküche. Auf dem Weg hierher haben wir ein Musterexemplar von Gringo aus Belgien getroffen, der sich ganz fürchterlich beschwert hat, dass hier so viele Gringos sind. Der hat vielleicht einen Mist erzählt. Ist auch mit dem Fahrrad unterwegs, nimmt aber bergauf doch den Bus.

In den letzten 14 Tagen, seit ich in Guatemala bin, musste ich so manches Mal kämpfen. Vergesst 12% Steigung, ich steige bei 17% ab.  Auf Asphalt. Aber wo gibt es schon Asphalt. 10 cm Staub, darunter Schotter und Felsen und ausgefahrene und -gewaschene Rinnen. Oder Steine von faustgroß bis Handball groß und ausgewaschene Rinnen. Hier muss ich absteigen, wenn das Hinterrad wegrutscht. Beim Schieben habe ich auch schon meine Abstufung gefunden: bis ca. 18% Steigung kann ich schieben, das heißt beide Hände am Lenker, darüber muss ich das Fahrrad ziehen, eine Hand an der Sattelstange und ab ca. 30% geht es nur noch mit Hilfe oder ganz kurze Strecken mit Reißen. Der Schweiß läuft in Strömen und bildet mit dem Straßenstaub eine schmierige Lotion auf der Haut. In Gebieten mit viel Vegetation wäscht der Schweiß den Staub praktischerweise gleich weg, denn dort ist die Luftfeuchtigkeit enorm. Bergab zu fahren ist da auch kein großes Vergnügen, es geht auf dem Untergrund manchmal genau so langsam wie bergauf. Und ich bin auch schon abgestiegen und habe bergab geschoben! Klingt nach vielen Strapazen, oder? Ist es oft genug auch. Und dann komme ich in Gegenden und kann nur noch staunen - fantastisch, gigantisch, überwältigend, die Superlative reichen gar nicht. Ohne diese Anstrengungen wäre ich nie dorthin gekommen und in dem Moment, in dem ich diese tollen Landschaften oder Begegnungen genießen kann, strömt mir schon neue Energie zu und es ist alles nur noch halb so schlimm.
Anna meint, ich sollte das Gewicht meines Gepäcks reduzieren. Aber dazu kann ich mich nicht entschließen. Schließlich habe ich doch alles, was ich mit habe, mit Bedacht ausgewählt. Und auf das wenige an Bergausrüstung, was ich mit mir herumschleppe, will ich auf keinen Fall verzichten, winkt doch schon der nächste...

Und wer ist Anna? In Dangriga bekam ich eine Email von ihr, sie hatte in Flores in Guatemala Sarah und Evan getroffen und so erfahren, dass ich auch allein unterwegs bin. Nach einigen weiteren Mails war klar, dass wir uns in Guatemala treffen würden, um gemeinsam weiterzufahren. Anna stammt aus Australien, wohnte aber seit 10 Jahren immer woanders in der Welt, zuletzt in Prag. Sie ist vor anderthalb Jahren von Alaska gestartet und fährt meist kleine Nebenstraßen über die Berge. Und sie ist 2 Jahre jünger als ich.

Von Dangriga aus fuhr ich zum Gockscomb Basin. Die letzten 8 km musste ich auf einer dirt Road zurücklegen und war dort ziemlich allein im Dschungel. Ich hörte die Affen brüllen und neben der Straße knackte es oft genug im Unterholz. Es war herrlich. Am Visitorcenter vom Nationalpark fand ich eine Unterkunft und ich konnte noch am Ankunftstag einige Trails gehen, unter Wasserfällen baden und viele Tiere sehen. Ich kletterte auch auf einen Berg, auf dessem Gipfel ein kleiner Zeltplatz war und der deshalb nicht zu gewachsen war. Und da sah ich ihn – den Peak Victoria. Ich muss also noch einmal dorthin. Um da hoch zu kommen, brauche ich von Cockscomb Basin mindestens 3 Tage (Dschungeltrekking). Dschungel fetzt. Man darf bloß nicht das Insektenspray vergessen, wenn man unterwegs badet. Diese kleinen schwarzen Fliegen lieben es, mich zu fressen. Und das juckt teuflisch und 3 Tage lang. Ich habe von einer Maya-Frau Medizin bekommen, das mildert etwas.

Die Strecke nach Punta Gorda schaffte ich in einem Tag und Anna war wegen des dortigen Regens in Poptun geblieben. So konnten wir vereinbaren, dass wir uns am übernächsten Tag an einer Tankstelle in Modesto Mendez treffen. Das war der einzige Fixpunkt, der auf unseren beiden Karten gleich war und von Guatemalteken bestätigt wurde. Ich setzte mit einem Boot von Punta Gorda in Belize nach Livingston in Guatemala über, schaffte es mir ein 90Tage-Visum in den Pass stempeln zu lassen und Geld zu besorgen um dann mit einem zweiten Boot auf dem Rio Dulce nach Rio Dulce zu fahren. Leider hat es stark geregnet, als das Boot von Livingston nach Rio Dulce fuhr und ich habe mich unter einer Plane versteckt. Aber den schönsten Teil der Passage habe ich mitbekommen. Das Boot hat dann direkt bei Backpackers angelegt, da brauchte ich nicht mehr durch den strömenden Regen fahren. Am nächsten Tag war herrlicher Sonnenschein und die ganze Strecke standen wunderbar blühende  Bäume am Straßenrand. Anna und ich haben uns dann 3 Stunden vorfristig getroffen. Wir kamen alle beide viel zu zeitig an, aber das war nur gut so.

In edn Bergen von Guatemala bin ich aber auch das erste Mal Menschen begegnet, denen wir wenig willkommen sind.  Es sind die Mayas in manchen Bergdörfern. Die Frauen liefen mit ihren Kindern vor uns davon und die Kinder riefen "Gringo, Gringo", als wollten sie uns verscheuchen, und warfen manchmal mit Steinen nach uns.  Statt „Guten Tag“  heißt es gleich "bye, bye" aus den Verstecken.. Das ist deprimierend, ich versuche trotzdem freundlich zu sein und lächele alle an und grüße. Hintergrund der Geschichte ist nämlich der, dass sich die Erzählungen hartnäckig halten, dass die Gringos Kinder stehlen. Und tatsächlich gab es mal so eine dubiose "Menschenrechtsorganisation", die die "armen" nackigen Kinder eingesammelt hat, um sie einer "besseren Zukunft" zuzuführen. Aber das ist lange her. Und es gibt auch andere, offenere Mayas. Eine Nacht haben wir im Haus von Belinda zugebracht  und wurden auch hervorragend verpflegt. Belinda ist auch Maya, den Stamm vergesse ich aber immer, hat 3 Kinder (9 Mon, 3J, 4,5J) und ist Lehrerin. Sie hat uns einfach von der Straße weg eingeladen. Das läßt doch hoffen, dass sich die Einstellungen ändern. Manchmal, wenn wir über einen Bergrücken kommen, scheinen wir in einem völlig anderen Land zu sein, auf einmal gucken wir nur in freundliche Gesichter und man überschlägt sich, uns helfen zu wollen. Als ich mein Fahrrad einen sehr steilen Berg durch fließenden Staub auf felsig steinigem Grund hoch schob, kam mir eine ältere Frau mit einem Kind und einem sehr schweren Korb auf dem Kopf barfüßig entgegen. Ich grüßte wie immer freundlich und sie konnte sogar spanisch, dass wir einen ganz kurzen Schwatz halten konnten. Als ich dann weiter schob stellte sie plötzlich ihren Korb ab und wollte mir schieben helfen. Das war mir schon peinlich.

Guatemala ist wunderschön. Wir hatten bisher schon viele tolle Naturerlebnisse. Da sind die Terrassen von Semuc Champey. Ein wunderschöner Ort zum Wandern und Schwimmen. Das herrlich klare blaue Wasser mit Wasserfällen mitten im Dschungel lädt geradezu zum hineinspringen ein. In dem Karstigen Gebirge gibt es zudem viele Höhlen. Mit Jana und Dave, die wir dort getroffen hatten, konnten wir eine regelrecht erforschen. Jorge, unser Guide, führte uns viel weiter als erlaubt in die Höhle hinein. Gleich am Eingang erwarteten uns einige Fledermäuse. Die Höhle steht unter Wasser, so dass wir nur mittels waten, schwimmen und tauchen vorwärts kamen. Wir rutschten durch Wasserfälle und an manchen Stellen konnten wir in tiefe Becken springen. Es waren fantastische 2 Stunden in der Unterwelt. Zu unserem Zeltplatz konnten wir den Fluß auf Autoschläuchen zurück schwimmen, hier tubing genannt.

Einen Tag lang hatten wir auch Regen. Die „Straße“ verwandelte sich in eine Schlammwüste. Das war auf den ersten Blick gar nicht so ersichtlich, aber ich merkte es sehr schnell an den Rädern, die immer dicker wurden. Der Schlamm war so zäh und klebrig, dass bald sämtliche Räder blockiert waren. Mir blieb nichts weiter übrig, als mitten im Schlamm die Schutzbleche abzubauen. Dabei fraßen mich wieder einmal diese hässlichen kleinen Fliegen auf. Und mit dem schlammigen Händen nach den Fliegen zu schlagen ... Der Schlamm klebte überall, Arme, Beine, Kleidung, Taschen und am Bike. Mehrfach versuchte ich, die Kette zu säubern. Zum Glück fanden wir einen Zeltplatz auf einer versteckten Kuhweide bei einer gespenstischen Ruine, wo es aber ein Wasserbecken gab. So mussten wir wenigstens nicht ganz so dreckig in unsere Schlafsäcke kriechen. Die Schutzbleche habe ich dann später verschenkt. Nur ist jetzt leider mein letzter Aufkleber vom „Haamitland Arzgebirg“ weg und mein Schutzengel braucht einen neuen Platz.

Einmal hatte ich dann auch keine Kraft mehr, mein Fahrrad weiter bergauf zu schieben. Es war furchtbar heiß, die Straße viel befahren, sehr steil und sehr sehr staubig. 1500 Höhenmeter galt es mit meinem voll bepackten Rad zu überwinden. Die letzen 500 Höhenmeter und 10 km bis nach Tactic nahm mich ein Polizeiauto mit. Die Polizisten packten mein Fahrrad so wie es war einfach auf die Ladefläche ihres Pickups und jagten mit einem Affenzahn über die Piste. Oh je, waren mein Bike und ich vielleicht durchgerüttelt. Anna und ich fuhren dann noch einmal 20 km, aber relativ eben und auf Asphalt bis in das Quetzal Biotop, wo wir im Finsteren ankamen und zum Glück auf der Ranchitos del Quetzal noch eine Unterkunft fanden.

Tatsächlich konnten wir dort am nächsten Morgen einen der seltenen Quetzals beobachten. Wir verbrachten anderthalb wunderschöne Tage im Dschungel des Biotops, gingen ein paar Trails und beobachteten Vögel. Und wuschen endlich mal unsere Kleidung, die noch schlammverkrustet und unendlich staubig und völlig durchgeschwitzt war. Vielleicht war es ja gut so, dass wir im Dunkeln angekommen waren, wer weiß, ob uns Julio und Flori so schmutzig herein gelassen hätten.

In den Bergen fanden wir auch wunderschöne Plätze zum Übernachten. Wir zelteten in einer Flußbiegung mit Lagerfeuer, auf dem Schulhof einer ganz kleinen Dorfschule, wo wir beim Abendbrot ein Auditorium von 8 Kindern und einem Hund hatten und die Kinder uns Löcher in den Bauch fragten, und zwischen riesigen grünen Steinquadern, die irgendwann einmal aus dem Berg geschnitten wurden, aber nicht mehr weiterverarbeitet wurden. Wir durften in einer Autowerkstatt schlafen, wo uns schnell ein Bett zurechtgemacht wurde und saßen den ganzen Abend bei den Leuten in der Küche und unterhielten uns.

Vor 3 Tagen kamen wir in Panajchel an. Die letzen Tage waren hart, mussten wir doch etliche Male   von 1000 m oder sogar darunter bis auf über 2000 m klettern, aber die vielen schönen Aussichten  und die Begegnungen waren der Mühe wert. Wir konnten viele Vulkane sehen und aus einem steigt sogar Rauch auf. Hier am Lago Atitlan habe ich erst einmal mein Fahrrad wieder auf Vordermann gebracht. Habe den Schlamm abgekratzt und geschmiert und Schrauben festgezogen und den hinteren Reifen ersetzt. Er war leider schon nach nur 5000 km total abgefahren, dabei war er doch so schwer zu bekommen, von Jasper bis Tucson hatte es gedauert. Staub und Schlamm und 16000 km haben Kettenblätter und Kassete arg mitgenommen. Ich hoffe, dass sie noch eine Weile halten, denn in der Qualität bekomme ich hier keine Ersatzteile. Selbige muss ich mir wohl aus Deutschland schicken lassen. Autsch, das wird teuer. Und auch mit der Schaltung habe ich so meine Probleme, ich kann an den Schalthebeln nicht mehr justieren. Ich war heute in einer Werkstatt und habe mir die Schaltung dort einstellen lassen. Natürlich hatten sie keine Ahnung, wie die Hebel funktionieren, sie kennen dieses System nicht. Wenigstens nach Quetzaltenango möchte ich noch kommen und dort eventuell noch einmal einen Spanischkurs belegen und vielleicht ein Volontariat anstreben. Da bleibe ich länger und kann mir die Sachen dorthin schicken lassen.

Aber morgen fahre ich erst einmal Bus, mit so einem schönen bunten autobus publico und mit Peter aus der Schweiz, den ich hier im Hotel kennen gelernt habe, und seinem guatemaltekischen Kollegen von der El Tucan GmbH, einem fair trade Unternehmen, in die Berge um einige Weber zu besuchen. Seine Arbeit hier ist hochinteressant. Sie betreuen auch ganz spezielle Umweltprojekte z.B. Vision Verde. ( http://www.eltucan.ch ) Muss ich zeitig aufstehen, freue mich aber schon riesig auf diesen Ausflug auch ohne mein bici.

26.01.2011 Dangriga, Belize - Pyramiden, Strand, Montezuma, Hello – Goodbye, Belize – the unknown beauty

Sylvester verbrachte ich komplett anders als Weihnachten. Ich stürzte mich ins Getümmel von Merida. Da war auf der Plaza allerhand los und weil auch gerade Ferien waren, hielten sich massig viele Leute dort auf. Es gab viel Livemusik und ich kam auch mit vielen Menschen ins Gespräch. Da war eine lustige Truppe mit Trommeln und 20-Liter-Wasserflaschen und mit denen habe ich getrommelt und getanzt. Das hat irrsinnig viel Spaß gemacht. Ich hatte nicht gewusst, dass man auf einer leeren Wasserflasche so gute Musik machen kann.

Auf der Yucatan-Halbinsel gibt es sehr viele alte Maya-Städte mit ihren Pyramiden. Einige musste ich mir unbedingt anschauen: da waren Uxmal und Kabah, Chitchen Itza, Coba und Tulum. Fantastisch! Anders als die Toltekenstadt Teotihuacan, aber mindestens genauso beeindruckend. Aber auch von der Natur her gibt es auf der Halbinsel viel zu entdecken: es gibt Dschungel, Mangroven, Lagunen (so werden die Seen bezeichnet), Cenoten (das sind wassergefüllte Karsteinbrüche mit Höhlen und oft Meeresverbindung, in denen man auch tauchen kann) und unglaublich viele verschiedene Vögel in allen Farben. Ich habe es ganz sehr bedauert, kein Teleobjektiv zu haben.

In Tulum wollte ich eigentlich am Strand entspannen, mit dem Kanu hinausfahren und schnorcheln. Doch da war dieser hundsgemeine Kerl Montezuma mit seiner komischen Rache, die mich eigentlich nichts angeht, gekommen und hat mich umgeschubst. Aber die Leute auf dem Campingplatz haben die völlig dehydrierte Silke mit haufenweise Medikamenten und Elektrolyten wieder aufgestellt. Und dann kam der Wind und hat das Wasser aufgewühlt und wild gemacht, so dass es mit dem Schnorcheln nichts mehr geworden ist. Außerdem bin ich im Kajak schon nach wenigen Metern seekrank geworden, eine Folge von Montezumas Rache? Bei den Wellen bin ich also nicht mal zu dem Riff gekommen.

Als ich am letzten Tag nach Downtown Tulum ins Internetcafé fuhr, traf ich dann Kelly und Kurt. Sie kamen gerade mit ihren voll bepackten Fahrräder die Straße entlang. Kurt sah sofort an meinem Rad, dass ich auch mit Gepäck unterwegs war, obwohl alles abgepackt war. Wir unterhielten uns lange Zeit und stellten fest, dass wir das gleiche Ziel hatten. Die beiden kamen aus Kalifornien und waren 6 Monate in Mexiko unterwegs. So beschlossen wir, am nächsten Morgen gemeinsam weiter zu fahren. Ich war so glücklich darüber.

Also ging es am nächsten Morgen in Richtung Belize. Der erste gemeinsame Tag wurde dann recht feucht, es regnete Aber wir hatten Rückenwind. Und fanden am Abend einen herrlichen Platz zum Zelten direkt an einer Laguna in einem winzigen Dorf, das wohl mit seinen 10 Hühnern und 1 Schwein mehr Hühner als Einwohner hatte. Und dann kam die nächste Überraschung: wir trafen noch mehr Radler. Da standen 3 am Straßenrand, Sarah und Evan aus Alaska und Paris aus Polen. Paris kam von Ushwaya und wollte nach Alaska. Aber Sarah und Evan wollen nach Panama. So lange waren wir durch Mexiko geradelt und kaum jemanden getroffen und nun versammelten sich hier gleich einmal so viele Radler auf einem Haufen. Das war crazy! So fuhren wir zu fünft weiter, nachdem wir uns von Paris verabschiedet hatten. Und trafen noch einen Radler, der Tausend Tips für uns hatte, weil er fast jede Straße in Nordguatemala abgeradelt war. Er stammte aus den USA  und lebte schon einige Zeit in Coba Guatemala.
Das war der letzte ganze Tag in Mexiko. Kurt ist Meister  im Finden von super Zeltplätzen und so fanden wir auch wieder einen herrlichen Platz und entzündeten ein Lagerfeuer. Es war nicht kalt, im Gegenteil, aber es ist einfach schön, da zu sitzen uns ins Feuer zu schauen. Außerdem hat es doch auch die Moskitos vertrieben. Obendrein schmeckte das Bier, das wir uns zum Abschied von Mexiko gönnten, so besser.

Der  Grenzübertritt nach Belize war wieder recht einfach. Nur dass wir noch 200 Pesos Ausreisegebühr bezahlen mussten und für Belize grundsätzlich 30 Tage Aufenthaltsrecht an der Grenze gegeben werden. Also wenn ich länger hier bleiben will, muss ich in ein Immigration Office gehen. Kelly und Kurt hatten etwas Angst, weil sie ihre Visa um einige Tage überzogen hatten, aber da hat niemand drauf geachtet. Meine 4 Begleiter kamen richtig in Hochstimmung, als wir mit den ersten Leuten zusammen trafen. Endlich konnten sie sich wieder richtig mit ihnen unterhalten – auf Englisch in ihrer Muttersprache. Die Straßen waren hier etwas schmaler und wir bogen ganz schnell vom Highway auf eine Nebenstraße ab. Der „Highway“ ist hier nicht mal so breit, wie die Pfaffenhainer Länge, eher so wie die Straße von Jahnsdorf nach Leukersdorf. Und es herrscht auch nicht mehr Verkehr. Die Nebenstraßen sind meist unasphaltiert aber recht gut. Wir hatten eine wunderschöne Fahrt nach Cerro Sands und konnten direkt am Strand zelten, wieder mit einem Lagerfeuer.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Sarteneja. Unterwegs hatte ich einen Platten, den dritten überhaupt. Während ich den Schlauch flickte, hielt jedes vorbeikommende Auto an und ich wurde gefragt, ob alles ok wäre und ob ich Hilfe bräuchte. Die Fähre nach San Pedro war uns mit 75 Belize Dollar pro Nase doch zu teuer, also wählten wir eben die Festlandroute. Aber zunächst hieß es eine Übernachtung zu finden. Gar nicht so leicht in diesem Ort. Nicht weil es keine Gelegenheiten gab, sondern weil uns so viele Leute ihr Grundstück zu Zelten angeboten hatten. Das fing gleich am ersten Haus am Ortseingang an. Letztendlich übernachteten wir bei Jaime, einem Fischer. Er wollte uns am nächsten Tag den Ort und vor allem die berühmten Bootsbauer zeigen. Am Abend waren wir noch zu einer Danceparty bei Tim Raus eingeladen. Auch in seinem Haus hätten wir übernachten können. Jaime erwies sich als hervorragender Fremdenführer, er wußte sehr viel über seinen Ort und die Menschen dort zu berichten. Er holte nach unserem Rundgang Kokosnüsse von den Palmen, die wie dann austrinken und auslöffeln konnten und zum Schluß hatte seine Frau auch noch einen sehr delikaten Krabbeneintopf gekocht.

Wir radelten jetzt weiter in Richtung Belize City, weiter über die Nebenstraßen und durch verschiedene Gebiete. Da waren die eher spanisch oder mexikanisch anmutenden Orte im Norden, dann die der Mennoniten und zuletzt die Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Kurz vor Belize City in Ladyville trennten sich Sarah und Evan von uns, sie haben eine Verabredung in Guatemala von hier aus direkt in Richtung Westen. Kelly, Kurt und ich fuhren weiter bis nach Belize City und erwischten gerade so noch das letzte Wassertaxi nach Caye Caulker. Kelly hatte vor längerer Zeit schon Kontakt zu einer Schule auf dieser Insel aufgenommen und wollte von ihrer Reise berichten und strebte ein kurzes Voluntariat an. Aber dann kam alles ganz anders. Als wir am Abend in einem Restaurant unsere Emails abriefen, fand Kurt die Nachricht, dass Kellys Bruder gestorben ist - schrecklich. Die beiden beschlossen am nächsten Tag das erste Wassertaxi nach Belize City zu nehmen, zum Flughafen zu fahren und nach New Jersey zu fliegen. Die Fahrräder wollten sie am Flughafen unterbringen. Hoffentlich haben sie alles geschafft.
Ich hatte jetzt auch keine Lust mehr auf der Insel zu bleiben und kehrte auf das Festland zurück. Das war zunächst ein komisches Gefühl gerade noch zu fünft und jetzt auf einmal wieder allein und das Ganze  mit dieser Trauer, die ich für Kelly empfinde. Sicher treffen wir uns wieder.

Ich fuhr über Belmopan nach San Ignacio. Belmopan ist die Hauptstadt von Belize und sehr großzügig und weitläufig gebaut. Eher langweilig. San Ignacio ist komplett das Gegenteil, eng, verwinkelt, mit steilen Gäßchen und viel mehr Leben. Hier versammeln sich auch viele Backpacker aus aller Welt. Die Grenze nach Guatemala ist nicht weit. Und San Ignacio ist das Tor zur Mountain Pine Ridge, einem Naturschutzgebiet mit vielen Wasserfällen, glasklaren Bächen und Flüssen, Höhlen, die die Mayas schon für religiöse Zwecke gebrauchten und herrlichen Trails teils durch Dschungel, teils durch die lichten Pinienwälder. Zwei Tage hielt ich mich dort auf. Auf dem Land von  Bol durfte ich unter einem Shelter zelten. Bol ist zertifizierter Guide und hat auf seinem Grundstück 7 Höhlen, eine davon ist die mit den meisten Hinterlassenschaften von den Mayas in dieser Region. Und er bietet Dschungeltrekkingtouren an und weiß, glaube ich, alles über die Pflanzen und Tiere dort. Er hat auch einen kleinen Orchideengarten, nur leider war es nicht die Blütezeit. Ich konnte ohne Gepäck das Gebiet erkunden, was bei den Straßen dort sehr hilfreich war, steil und loser Schotter. Für die 16 km bis zu Bol's Grundstück hatte ich fast 3 Stunden gebraucht. Ich badete unter Wasserfällen oder in den klare Bächen und ließ ab und zu das Fahrrad stehen um einen kleinen Trail zu gehen. Eine wunderschöne Ecke, aber mit einem Jeep bestimmt einfacher zu erkunden. An den Abenden hatte ich ein kleines Lagerfeuer und zum ersten Mal konnte ich schwarze Skorpione beobachten. Sonst waren sie immer zu schnell weg. Diese Tierchen waren so von dem Feuer fasziniert, dass sie immer wieder hineinlaufen mussten. Und dann bekamen sie heiße Füße und tanzten regelrecht aus dem Feuer hinaus. Am zweiten Abend kam Bol extra wieder die 5 Meilen aus San Antonio gelaufen, wo er wohnt, um mir Gesellschaft zu leisten. Schade, dass ich mir nicht so viel auf einmal merken kann, wie er über den Dschungel , Mayas und die Heilpflanzen erzählt hat. Es war auch nicht ganz so einfach ihm zu folgen, da er einen Mix aus Englisch, Creolisch und Maya gesprochen hat.

Dann verließ ich die Mountain Pine Ridge wieder, nahm dafür die Straße nach Georgeville. Aber die war noch schlechter als die über San Antonio, dafür etwas kürzer. An zwei Stellen musste ich das Fahrrad einen steilen Berg hinaufschieben weil das Hinterrad in dem Sand einfach durchdrehte und wegrutschte. Das war bei über 30°C im Schatten (auf dem Weg war aber selten Schatten) und gefühlter Luftfeuchtigkeit von100% schon eine kleine Tortur, aber ich hatte immer wieder schöne Ausblicke, tolle Tiere (Füchse, Coatas, keine-Ahnung-was das-ist..) und Vögel  zu sehen. Bis Belmopan musste ich dann den Highway zurückfahren um dann auf den Hummingbirdhighway abzuschwenken. Und ich habe wirklich viele Hummingbirds, also bei uns sagt man Kolibris,  gesehen. Der Highway wird seinem Ruf als wunderschöne Strecke wirklich gerecht. Am Blue Hole,  einem tiefen Wasserloch, durfte ich an der Rangerstation  in einem Stelzenhaus übernachten. Ronny wohnt dort ganz allein, wenn er arbeitet, und er war froh mal etwas Gesellschaft zu haben. Auch dort gibt es Höhlen, unter anderem die Hermans Cave (da kenne ich noch eine). In die konnte ich ganz schön weit hineinlaufen. Man kann sich dort auf dem unterirdischen Fluß mit Schwimmringen (Schläuchen von Autoreifen) bis zu einem anderen Ausgang treiben lassen, Cave tubing genannt. Muss toll sein, ich wollte es aber dann doch nicht abends im Dunklen probieren, wie es mir von Ronny angeboten wurde, wir hätten dann noch 45 Minuten durch den Dschungel zurück laufen müssen und Reifen und Schwimmweste und Lampen... schleppen müssen.

Und nun bin ich in Dangriga gelandet. Wieder etwas ganz anderes, hier wohnen hauptsächlich Garifuna. Und sie haben eine Gelassenheit, die wohl manchen gestressten Westeuropäer zur Weißglut bringen kann. Sind aber sehr freundlich und machen ihren Job. Morgen verdrücke ich mich wieder in den Dschungel. Da gibt es ganz in der Nähe das Cockscomb Basin, ein Wildlife Reservat. Dort soll es wunderschöne Trails und die schönsten Vögel geben – ein Tip von Ronny.

26.12.2010 Champotón - Pyramiden, Gipfel, Begleitung auf Zeit, ein Rentier, einsame Strände
Von Tula ging es erst einmal durch eine furchtbar häßliche Industrielandschaft in Richtung Teotihuacan. Raffinerien, deren gelbe Nebel mich irgendwie an das Osterzgebirge 1985 erinnerten, Zementfabriken, halb abgetragene Hügel, Schmutz begleiteten mich einen halben Tag lang. Dann verließ ich das nördliche Einzugsgebiet von Mexico City Richtung Osten und es wurde wieder etwas angenehmer. In einem kleinen Ort überholte mich ein Golf und hielt an. Ein Mann stieg aus und sagte, dass er mich schon am Ortseingang gesehen hätte und meine kleine deutsche Fahne und sehr neugierig sei, woher ich komme und wohin ich wolle und er drückte mir gleich zwei eiskalte Flaschen Powerade in die Hand, die könne ich doch sicherlich gebrauchen.

Über die Berge und eine teilweise Schotterstraße kam ich nach San Martin de las Pyramides. Ich hoffte, die Pyramiden von oben sehen zu können, aber es war zu diesig. So sah ich die Pyramiden erst als ich relativ nah dran war. Der Anblick war aber überwältigend – diese riesigen aufgestapelten Steinhaufen! Zu meiner Überraschung fand ich ein sehr preiswertes Hotel ganz in der Nähe der archäologischen Zone. Für die meisten Touristen ist es ein Tagesausflug von Mexico City. Ich nahm mir einen ganzen Tag Zeit, um die 2000 Jahre alte Stadt mit ihren Pyramiden zu besichtigen. Einfach fantastisch, was die Leute damals gebaut haben, mit welchen Mitteln und mit welcher Perfektion. An manchen Stellen waren mehrere Generationen Häuser und Pyramiden übereinander gebaut. Ich war an einem Sonntag dort, für Mexikaner ist sonntags der Eintritt frei. Entsprechend viele Besucher waren dort, es wird für Familienausflüge mit der ganzen Familie und mit Picknick genutzt und entsprechend ist dort ein besonderes Flair. Die vielen fliegenden Händler machen mit ihrem Spielzeug bestimmt einen guten Umsatz.
Weil das Hotel so preiswert war und sehr günstige Bedingungen bot, blieb ich noch einen weiteren Tag dort und kümmerte mich um mein Fahrrad. Eine Reinigung und ein paar sonstige kleine Wartungsarbeiten waren wieder einmal notwendig geworden. Hatte dabei einen fachkundigen Beobachter, den Seniorchef persönlich.

Ich fuhr weiter in Richtung La Malinche. Nach so viel Archäologie und Kultur war wieder einmal Natur angesagt und ich hatte mir in den Kopf gesetzt diesen kleinen Vulkan von 4461 m Höhe zu besteigen. In Otumba habe ich erst einmal den richtigen Abzweig verpasst, ich glaube, das war das erste Mal überhaupt, dass ich eine Strecke zurück fahren musste. Aber dadurch habe ich Victor getroffen. Als ich etwas ratlos an einer Straßenkreuzung stand, kam er mit seinem Fahrrad und zeigte mir den richtigen Weg und hat mich dann in sein Haus eingeladen. Er ist auch lange Strecken allein durch Mexico geradelt und wollte mir seine Fahrräder, besonders sein Liegerad Marke Eigenbau, das er den Fahrrädern nachempfunden hat, die er bei 2 Deutschen gesehen hat, zeigen. Außerdem sollte ich seinen Sohn kennenlernen, der durch Europa gefahren ist. Es war ein sehr schöner Vormittag, seine Frau ist auch super nett. Nachher hat er mich noch bis Calulalpan begleitet, wurde immer ruhiger - Victor hatte die Radreiselust gepackt . Am nächsten Morgen ist er kurz entschlossen zu mir gestoßen, um mich zu begleiten.

Am Malinche gibt es ein Camp mit Hütten in 3300 m Höhe. Zu den Hütten sind wir die 800 Höhenmeter auf 8 km doch nicht hochgefahren, weil die Leute unten im Ort gesagt hatten, dass es nachts sehr sehr kalt werden soll und die Hütten für 6-9 Personen nicht im Preis runtergesetzt werden - 700 Peso waren mir einfach zuviel. Ich habe zwar mein Zelt und den guten Schlafsack, aber Victor hatte nichts weiter mit. So fuhren wir bis in die Stadt Huatmantla. Am nächsten Morgen  brachte uns ein Taxi bis zu dem Camp und wir stiegen tatsächlich auf den Berg. Er ist sehr steil und am Ende gab es auch noch ein wenig Kletterei. Aber es waren ideale Bedingungen, klare Sicht - Popocatepetl und Pico de Orizaba waren einwandfrei zu sehen - , der Wind hörte auf, als wir in die Höhe kamen und wir haben noch eine bunte Studententruppe getroffen: Nuur aus der Türkei, die aber schon lange in Deutschland gewohnt hat, Joan aus Frankreich, Pedro aus Spanien und Pablo und Alberto aus Mexico. Wir hatten viel Spaß. Aber von den Studenten kamen nur die beiden Mädels und Pablo auf dem Gipfel an, die beiden anderen mussten wegen der Höhe aufgeben.

Aber es kommt noch besser. Ich war  nämlich auf dem Citlaltepetl oder, wie er auch genannt wird, Pico de Orizaba, dem höchsten Berg von Mexico mit 5747m (laut meiner Karte). Das kam absolut genial. Wir sind in Ciudad Serdán gelandet, weil total straffer Gegenwind war. Victor hat dann an einer Bäckerei einen Zettel gelesen, dass sich zu Ehren der Madre de Guadalupe die Clubs der Montañeros versammelt hatten, um auf den Berg zu steigen und die Rosas de Plata hoch zu tragen. Er fragte noch hier und da nach und meinte dann, dass es doch eine einmalige Gelegenheit für mich wäre. So günstig würde ich nie wieder auf den Berg kommen. Er wusste genau, wie sehr ich mir wünschte, auf diesen Berg zu kommen. Ich war gar nicht richtig darauf vorbereitet, hatte auch gar nicht die, wie ich meinte, richtige Ausrüstung mit, aber ich packte noch in der Nacht die Sachen zusammen, die ich eventuell gebrauchen konnte. So war mein Rucksack fertig und am nächsten Morgen gingen wir zeitig zur Kirche. Und ich durfte die Gruppe "Estrellas de Mexico" aus Mexico City begleiten, sie haben mich eingeladen. Wirklich einmalig! Und ich war oben, ohne tolle Ausrüstung - nicht ungefährlich, aber die Einheimischen waren manchmal noch schlimmer dran. Phantastisch, einfach toll, unbeschreiblich. Und in Serdán bin ich jetzt fast berühmt. Als wir die Stadt verließen, war das schon ein wenig wie Spießrutenlauf.

Und dann ging es abwärts Richtung Golf von Mexiko. Innerhalb von 24 Stunden hatte ich gleich mal 5000 m Höhenunterschied absolviert. Und wieder einmal versucht zu fliegen. Der Flug ging ja ganz gut, nur die Landung war daneben. Aber außer ein paar Schrammen und blauen Flecken ist nichts weiter passiert. In Veracruz trafen wir einen Freund von Victor, Alejandro. Er war schon zweimal in Spanien auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Leider hatte er nicht sehr viel Zeit für uns, man hatte ihm gerade 2 LKWs mit Ware gestohlen. Aber er hatte mir eine Fahrradwerkstatt organisiert, in der mein Fahrrad auf Herz und Nieren geprüft werden sollte, kostenlos, nur Material sollte ich bezahlen. Und so geschah es auch. Und es wurde total gereinigt, durchgecheckt, geölt, gefettet, eingestellt, Schrauben nachgezogen, Speichen nachgezogen und hat jetzt feine neue  Bremsen und einen neuen Flaschenhalter. Superarbeit.

Eigentlich wollte Victor von Veracruz zurück nach Hause, aber er konnte sich einfach nicht dazu durchringen. An Catemaco hatte er Kindheitserinnerungen, bis dahin wollte er noch. Das waren zwei Tagesreisen. In Catemaco blieben wir auch noch einen Tag. Dort gibt es einen großen See. Victor hatte ein Ruderboot organisiert und so ruderten wir früh beizeiten vor dem Frühstück los. Ich hatte Tortillas und 2 Büchsen Thunfisch eingepackt und auf dem Weg kauften wir noch eine Papaya. Für den Nachmittag war Nordwind angesagt und der soll hier sehr unangenehm sein. Das Wetter schien sich auch tatsächlich ändern zu wollen, es regnete sogar einmal ein wenig. Bis zu einer Insel wollte Victor und dort kamen wir auch an und hielten unter einem Baum. Ich schaute nach oben und da saß doch tatsächlich ein Affe! Und so kam es, dass wir mit einem Affen und später einem zweiten frühstückten. Besonders scharf waren sie auf die Kerne der Papaya, aber auch die Schalen verschmähten sie nicht. Victor schaffte es auch, mit dem Affen zu kommunizieren und machte den Gesichtsausdruck täuschend echt nach. Oder war es umgekehrt? Am Abend nahm Victor den Nachtbus nach Mexico City. Er hatte mich immerhin 12 Tage lang begleitet und wir hatten eine schöne Zeit. Victor hätte nie gedacht, dass er einmal auf den La Malinche und am Pico de Orizaba bis zur Hütte steigen würde und das mit seinen 67 Jahren. Aber er hat Blut geleckt und schmiedet Pläne, auch noch auf den Gipfel vom Pico de Orizaba zu kommen.

Ich fuhr weiter nach Minatitlan, einer furchtbar häßlichen Stadt, deren Raffinerien so einen fürchterlichen Gestank ausstießen, dass ich nicht richtig schlafen konnte. In die Stadt bin ich mit Polizeieskorte hinein gefahren. An einer Kreuzung schaute ich mich wieder einmal etwas unschlüssig um. Wo war nun das Centro? Schon sprach mich ein Polizist an. Ich suche ein  preiswertes Hotel. Er pfiff sein Auto heran und sie fuhren vor mir her. Und er wich mir nicht eher von der Seite, als bis ich alles im Hotelzimmer verstaut hatte. Er verhandelte mit dem Hotelier und schleppte sogar mein Fahrrad mit in den ersten Stock. Gerade mal den Rucksack konnte ich herunternehmen. Als ich später aus dem Hotel ging und ein Internetcafe suchte, war er zwei Straßenecken weiter wieder zur Stelle und ließ mich im Polizeiauto dorthin fahren. Er drückte mir noch einen Zettel mit seinem Namen, Comandante Pereyra, und seiner Telefonnummer in die Hand, falls ich weitere Hilfe brauchen sollte. Am Abend erkundigte er sich noch im Hotel, ob ich wieder angekommen wäre. Tja, Dinge geschehen!

Am nächsten Tag brach ich sehr zeitig auf. Wie gesagt, der Gestank nach faulen Eiern ließ mich nicht länger schlafen. Erleichtert atmete ich auf, als ich endlich die Stadt und deren Industriegürtel hinter mir gelassen hatte. Und dann traf ich sie, zwei Radler – der eine gab eine eigenartige Gestalt ab. Hatte er doch auf seinem Helm ein Geweih installiert. Luis und Francisco, das Reindeer und Santa Claus, auf dem Weg von Morelos nach Villahermosa zu Franciscos Frau. Wir hatten vielleicht einen Spaß. In Cardenas teilten wir uns ein Hotelzimmer und kamen so recht günstig. Nur am nächsten Morgen stand Luis früh um halb fünf an meinem Bett und weckte mich mit „Morning has broken“. Anderthalb Stunden später waren wir bereits auf der Straße und 3 Stunden später trennten wir uns schon wieder. Das fiel Luis besonders schwer, er wäre gern noch weiter mitgeradelt. Aber er hat seine 85jährige Mutter zu Hause. Luis war einmal mexikanischer Champion im Radsport und hat an den Olympischen Spielen in Atlanta teilgenommen.

Ich habe derweil eine einsame Insel gefunden, naja fast einsam, am kilometerlangen Strand habe ich keinen Menschen getroffen und hier Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag verbracht. War die ersten beiden Nächte der einzige Gast in dem Hotel direkt am Strand ganz herrlich ruhig gelegen und hatte ein feines Weihnachtsmenü mit tollem Fisch, Salat, Reis, Bohnen, Tortillas, extra pikanter Salsa, frittierten Bananen und Piña Colada der Extraklasse (mit Zimt, hatte ich noch nie, ist aber besonders gut).
Heute bin ich nun weitergefahren und habe Bekanntschaft mit dem heftigen Nordwind machen dürfen. Ich bin in Richtung Nordosten geradelt ...


Tula, 02.12.2010 - Grammatik, enge Gassen, deutsche Gastfreundschaft, mexikanische Begeisterung

Ihr habt ja recht, mein letzter Bericht liegt schon 4 Wochen zurück und ich will Euch nun nicht länger auf die Folter spannen.
In den letzten 3 Wochen war ich in Querétaro. Ich habe eine Sprach-Schule besucht. 5 Stunden Spanischunterricht am Tag und dann noch Hausaufgaben für 2 Stunden. Das hat ganz schön geschlaucht. Ich hatte Gruppenunterricht gebucht. In der ersten Woche konnte man auch fast von einer Gruppe sprechen. Da waren wir immerhin zu zweit, Linda aus den USA und ich. Insgesamt gab es da noch 4 Gruppen mit unterschiedlichen Levels. Insgesamt 8 Personen, 1 Francocanadierin, 2 Kanadier, außer mir noch eine Deutsche, Linda, 2 Koreanerinnen und ich. In den Pausen saßen wir alle, außer die 2 Koreanerinnen,  zusammen und haben uns in einem wunderbaren Sprachmix unterhalten. Die LehrerInnen waren auch immer mit dabei. Aber ab der 2.Woche war ich auf einmal ganz allein. Das war gleich doppelt anstrengend. Sandra, Carla und Stefanie, meine Maestras, haben mich kein bisschen geschont. Besonders mit Verben und Zeitformen haben sie mich getriezt. Aber ich denke, es hat mir viel genützt. Es tut gut, wenn ich mich beim Mittagessen in so einer Garküche mit der Köchin unterhalten kann.
Das historische Zentrum von Querétaro ist wunderschön. Ich bin viele Stunden durch die schmalen Gassen gelaufen. Es gibt viele schön gestaltete Plazas, auf denen am Wochenende Life-Musik gespielt wird und jeder per Wifi freien Zugang zum Internet hat, weshalb dort viele mit ihren Laptops sitzen, wahnsinnig viele Kirchen und wunderschöne alte Gebäude. Ich habe besonders gern durch die Tore in die Innenhöfe geguckt. Manchmal sah das Haus von vorn so schmal und klein aus und dann hat sich dahinter z.B eine ganze Schule versteckt. Die Altstadt ist auch sehr sauber, da laufen sehr viele orange gekleidete Mitarbeiter der Stadt mit orangenen Mülltonnen und Schaufel und Besen durch die Straßen und sammeln jedes noch so kleine Stück Schmutz ein, das da herum liegt. Außerdem soll Querétaro die sicherste Stadt in Mexico sein. Ich konnte mich jedenfalls ohne Probleme auch im Dunkeln in den Gassen aufhalten. Im Gegensatz zu anderen Städten, waren Abends auch sehr sehr viele Menschen unterwegs. Auch der Markt, Mercado de la cruz, ist sehr sehenswert. Auf einer Riesenfläche werden hier Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Backwaren, Kleidung, Blumen, eigentlich alles, was man so gebrauchen kann verkauft. Zwischendurch gibt es noch Garküchen. Die Stände stehen so eng, dass kaum 2 Menschen aneinander vorbei gehen können.
Etwas überrascht war ich, als auf der Plaza del Armas ein Jazzkonzert veranstaltet wurde und die vielen Zuschauer ganz ruhig auf den Stühlen saßen. Nur ganz wenige gingen da etwas mit. Den Mexikanern hatte ich wesentlich mehr Temperament zugetraut. Anders ist es, wenn die Nationalhymne gespielt wird, da singen alle mit. Jeden Tag wird auf dem Rathaus früh feierlich die mexikanische Flagge gehisst und abends noch feierlicher wieder eingeholt. Dazu wird eben immer die Nationalhymne gespielt.
In Querétaro durfte ich bei Maria und Moritz wohnen. Sie hatten zusammen mit meinem Sohn Robert in Freiberg studiert und promovieren gerade an der Universität von Mexico. Beinahe hätten wir uns verpasst, als ich in Querétaro ankam, nahm ich an, dass sie bereits mit Marias Eltern zu ihrer Rundreise durch Mexico gestartet waren. Aber am Abend vor ihrer Abreise hat Moritz mir noch eine Email gesandt und so kam es an diesem Abend noch zur Schlüsselübergabe und ich habe 10 Tage das Haus gehütet, Blumen gegossen und durfte wie gesagt derweil allein dort wohnen und als sie wieder da waren, konnte ich ihre Gastfreundschaft noch bis zu meiner Weiterreise genießen. Dankeschön Ihr beiden

Von Querétaro wollte ich dann weiter in Richtung  Mexico Stadt fahren, aber nicht in die Stadt hinein, die ist mir wesentlich zu groß, sondern vorher nach Osten, nach Teotihuacan fahren. Unterwegs sah ich den Wegweiser nach Bernal, wo sich der drittgrößte Monolith der Welt befindet, über den ich schon einiges gehört hatte. Nach einem schnellen Blick auf die Karte bin ich spontan abgebogen und nach Bernal gefahren. Ich habe natürlich versucht auf die Peña de Bernal, wie das große Steinchen genannt wird, hinauf zu klettern. Dort ist ein „Klettersteig“ installiert, d.h. da sind ein paar Eisengriffe in die fast senkrechte Felswand geschlagen. Ganz allein am Berg wurde es mir dann zu heiß. Ich bin etwas hochgeklettert, dann kam ein Stück ganz ohne Griffe zum traversieren und danach ein Bauch. Und ich hatte keinen Überblick, wie weit das noch so weiter ging. Im Hinterkopf hatte ich auch noch immer den Gedanken, dass ich das Ganze ja wieder herunterklettern musste. Ich wollte nichts riskieren und bin dann lieber umgekehrt.

Ich hatte wieder nette Begegnungen. Als ich auf dem Weg nach Bernal gerade angehalten hatte, um etwas zu trinken und zu essen, hielt neben mir ein Auto mit einer ganzen Familie. Wir haben uns lange unterhalten - über meine Reise, Weihnachten und Religionen und hatten auch richtig viel Spaß. Wir tauschten eMail-Adressen aus und zum Schluß drückte mir der Familienvater 500 Peso in die Hand, ich solle mir was Vernünftiges zu Essen kaufen. Vorgestern saß ich in einer der Garküchen am Straßenrand. Die Köchin hatte mir ein feines Essen serviert und wir unterhielten uns . Dann kamen 3 LKW-Fahrer, die ich vorher schon gesehen hatte, als sie am Steinbruch Riesensteinbrocken aufgeladen haben. Es war nur ein Tisch da, also setzen sie sich zu mir. Wir kamen auch ins Gespräch, besonders als sie erfuhren, dass ich keine Americana sondern Alemana bin. Es gefiel ihnen, dass ich nicht nur von Mexico schwärme, sondern auch von meiner Heimat. Am Ende durfte ich die 40 Peso für mein Essen nicht bezahlen, sie wollten das unbedingt für mich übernehmen. Einfach so passieren solche Dinge, es ist unglaublich.

Die meisten Menschen hier in Mexico sind im Moment nicht gut auf die USA zu sprechen. Der Bau der Grenzbefestigungen (durch die USA auf Mexikanischem Staatsgebiet) und der Umgang mit Mexikanern (wer mexicanisch aussieht muss immer Papiere bei sich haben, sonst geht es sofort in Abschiebehaft) stößt hier auf massiven Protest. Das spüren die Amerikaner in Mexico, sie sind nicht so willkommen. Ich merke das daran, dass die Menschen sofort offener und freundlicher sind, wenn ich mich als Deutsche zu erkennen gebe. Sogar die Preise gehen dann runter. Einige wenige Männer aber sind sofort desinteressiert, wenn ich sage woher ich komme. Ich denke, sie wollen in die Staaten und versuchen es mit so einer Anmache.

Jetzt bin ich in Tula und das erste Mal auf eine Pyramide geklettert. Morgen fahre ich in Richtung Teotihuacan weiter, da stehen die berühmtesten Pyramiden in der Region von Mexico Stadt. Die muss ich natürlich sehen.

06.11.2010 La Piedad - Krankheit überstanden und schon wieder unterwegs

Nach 8 Tagen Pause in Magdalena ging es mir schon wieder so gut, dass ich endlich weiterfahren konnte. In den letzten 2 Tagen hatte ich Magdalena erkundet und bin noch auf den kleinen Hausberg gestiegen. Letzteres war etwas abenteuerlich, denn es führte kein richtiger Weg dort hoch, obwohl da oben ein Kreuz steht. Aber ich hatte einen schönen Blick auf die Plaza und die Kirchen.

Ich startete in Richtung Tequila und El Arenal. In Tequila war ich schon recht schnell und fuhr an etlichen Fabriken für das Getränk vorbei, wo ich nicht weiß ob das seinen Namen von der Stadt oder die Stadt den Namen vom Getränk hat. Ich war schon sehr zeitig in Tequila, da war noch gar nicht so richtig Betrieb. Außerdem hat mir der Wirt von dem Hotel in Ixtlan empfohlen, lieber nach El Arenal zu gehen, dort wäre der Tequila besser. So fuhr ich weiter durch die nicht gerade sehr schöne Stadt Tequila in Richtung El Arenal. Und dann ich habe sogar tatsächlich noch eine Tequila-Fabrik besichtigt. Das war sehr interessant. Kurz vor  El Arenal hatte ich an der Fabrik Tres Mujeres angehalten und gefragt, ob ich sie mir angucken darf. Hatte eine tolle Führung und durfte alle Stufen von der Agave, ueber die fermentierte Agave, den Most, den gärenden Most und bis zuletzt 5 Sorten Tequila verkosten. Habe mir immer nur ganz kleine Schlückchen geben lassen, aber gewirkt hat es trotzdem. Lecker... Weit bin ich dann aber nicht mehr gefahren, ich hatte dann erst einmal Hunger und habe in Arenal einen herrlichen mexikanischen Fleischtopf bekommen. Nach den Tagen meiner Krankheit, an denen ich auch nicht gerade viel Appetit hatte, stürzte ich mich regelrecht mit einem Riesenheißhunger darauf, was den Koch offensichtlich sehr erfreute, ich bekam sogar noch einen Nachschlag.
Es war noch nicht so spät, also schlenderte ich, nachdem ich in einem Hotel Quartier bezogen hatte, noch etwas durch die Stadt, fand ein Internetcafe und hielt dort meine erste Deutschstunde. Franzisko oder Paco, wie sein Spitzname ist, fragte mich, ob ich Amerikanerin wäre und als er hörte, dass ich Deutsche bin, war er Feuer und Flamme. Er schrieb ganz viele Redewendungen auf und ich musste ihm diese übersetzen. In seiner eigenen lustigen Lautschrift notierte er sich dann den deutschen Text, damit er sich auch die Pronuncion merken konnte. Es war sehr lustig. Irgendwann wird er wohl Deutschland besuchen.

In Guadalajara ging die Völlerei dann weiter. Dort habe ich ein Chinarestaurant mir Buffet gefunden, da konnte ich mir für ganz 35 Peso den Bauch so richtig voll stopfen. Gemüse, Fleisch, Obst - soviel hatte ich schon lange nicht mehr. Die Stadt hat ein recht schönes historisches Zentrum mit vielen Kirchen. Leider stört der viele Verkehr, der dort mitten hindurch führt.

Heute hielt mich ein Mann an. Wir hatten einen sehr netten Schwatz. Und dann deckte er mich mit selbst gebackenem Kuchen und Apfelsinen ein. Er erzählte mir, dass ein paar Kilometer hinter mir ein weiterer Radler unterwegs ist. Erst dachte er, es wäre mein Companero. Da war ich jetz aber in einer Zwickmühle: was tun? Warten oder weiterfahren? Ich hatte noch etwa 25 km zum heutigen Tagesziel, die Strecke war sehr bergig, ich hatte bereits 3 Pässe überwunden, wußte nicht, wie das weitere Streckenprofil aussieht und es war schon nicht mehr ganz so zeitig am Nachmittag. Mit dem Gedanken an die schwere Etappe nach Tepic und da ich nicht wußte, ob der Radler überhaupt noch so weit fährt, entschloß ich mich doch zur Weiterfahrt. Eingeholt hat er mich leider nicht. Aber vielleicht treffen wir uns ja doch noch.

Ich werde oft gefragt, wie es mit Schlangen oder Spinnen so aussieht. Lebende Schlangen sah ich sehr wenig und hier im Hochland auch selten tote. Bis ungefähr Teplic habe ich sehr viel überfahrene gesehen, von Klapperschlangen, über irgendwelche unbekannte, manchmal auch recht große, bis zur Korallenotter (oder wie die heißt, irgendetwas mit Koralle) und zwar beide Varianten, die giftige und die Imitation, wobei ich nicht weiß, welche welche ist, nur dass man sie an den Ringen unterscheiden kann. Taranteln habe ich auch herrliche Exemplare gesehen: ganz schwarze, welche mit goldbraunem Fell und zweifarbige. Die dummen Viecher müssen nur immer auf die Fahrbahn krabbeln. Auf dem Weg nach Tepic hatte ich endlich ein herrliches Exemplar, so ungefähr handtellergroß und wunderschön zweifarbig, gefunden. Sie krabbelte natürlich auch auf die Fahrbahn, aber es war eine sehr ruhige Strecke und es kam gerade kein Auto. Ich also schnell Fotoapparat und Kompaß (der hat eine Skala, wegen der Größe) gezückt. Da kam von hinten doch noch ein Pickup und mein Fotomodell sah danach leider nicht mehr so fotogen aus. So habe ich bis heute immer noch kein Foto von so einem possierlichen Tierchen.

31.10.2010 Magdalena Jalisco - Kulturschock, Hitze, neue Eindrücke

Hier nun mein erster Bericht aus Mexico. Ich werde mal etwas chronologisch vorgehen.
In Nogales Arizona habe ich noch einen Tag verbracht. Mir kam die Stadt schon recht mexikanisch vor – da kann ich heute nur noch drüber lachen. Aber dort traf ich einen Mann, er sah aus wie ein Mexikaner, war aber US-Amerikaner, wie viele, die in Nogales wohnen. Er hatte seinen kleinen Sohn dabei und fragte mich woher – wohin und bekam fast feuchte Augen. Er würde so gerne einmal nach Argentinien und Chile reisen. Nach Argentinien, weil es dort so viel Fleisch gibt und er sich daran einmal so richtig satt essen würde und nach Chile, weil von dort all die herrlichen Früchte kommen, die es hier zu kaufen gibt. Aber er wäre nur Kraftfahrer, schon 53 Jahre und mit dem kleinen Sohn könnte er es sich nicht leisten. Er hat mich gedrückt und mir ganz viel Glück gewünscht.

Am nächsten Tag fuhr ich dann über die Grenze nach Nogales Mexico. Erst wollte ich durch den Fußgängerbereich, aber da haben sie mich gleich zurück geschickt. Aber an der Autoschlange haben sie mich immer weiter durch gewunken, so dass ich innerhalb von 2 Minuten auf der anderen Seite war, ohne auch nur einmal den Ausweis zu zeigen. Ich hätte jetzt einfach aufsteigen können und weiter fahren. Aber irgendwie kam mir das komisch vor und ich habe es doch vorgezogen, mir ein richtiges Visum zu holen. Es war gar nicht so einfach das oficina de inmigración zu finden, aber dann ging alles ganz gut: ein schwer bewaffneter Grenzer fühlte sich verpflichtet mein Fahrrad zu bewachen und der Beamte hinter dem Tresen war sehr freundlich, konnte ein wenig Englisch und ich hatte vorsorglich die Sätze für mein Visum schon auswendig auf Spanisch gelernt. Ich darf jetzt ein halbes Jahr in Mexico bleiben. Aber vor lauter Aufregung habe ich ganz vergessen, ein Motiv für ein Grenzfoto zu suchen. Und dann kam ich in Nogales Mexico an. War Nogales in Arizona schön ruhig! Chaos auf der Straße, Benzingestank von den alten Autos, Gehupe, laute Musik, Fußgängergewimmel, schlechte Straßen, Millionen bunte Schilder, Schmutz... der blanke Wahnsinn. Und ich hatte jetzt wieder nur einen Gedanken: du brauchst mexikanisches Geld. Also Hektik - Fahrrad, Bank, mexikanischer Trouble. Am Automaten, schon eine Schlange hinter mir, kam dann die Auswahl der Geldbeträge und da stand eben das Dollarzeichen dahinter und ich "fein für 200$, will ich ja abheben" - hehe das waren 200 Pesos und eine Gebühr kam auch noch drauf - dumm gelaufen! Echtes Lehrgeld also. Und dann habe ich aber gemacht, dass ich aus der Stadt kam. Das war eine totale Reizüberflutung. Fast ohne Pause bin ich bis Magdalena gefahren. Dort habe ich dann an einer ruhigeren Bank Geld geholt und ein Hotel gesucht. Und gefunden.

Am nächsten Tag wusste ich dann, dass ich die 180km bis Hermosillo fahren muss, weil vorher vermutlich kein Hotel erreichbar sein wird. So war es auch, in den kleinen Dörfern gab es nichts. Also Gas geben, Augen zu und durch. Zu allem Elend stellte sich noch Gegenwind ein, ohne den die 40°C aber auch fast unerträglich geworden wären und am Nachmittag zogen auch noch Gewitter auf. Durch 3 bin ich hindurch gefahren, immer wenn ich wieder trocken war, kam das nächste. Aber ich habe es geschafft. Dann sah ich ein Schild: Habitaciones desde 150$ (Zimmer ab 150 Peso). Guter Preis, dachte ich. Und fuhr in das Motel. Ja, das war der Preis für 2 Stunden, pro Nacht 300 Peso. Motels sind hier Stundenhotels! Bloß schnell wieder weg. Aber nachher bin ich doch in so einem Etablissement abgestiegen, gerade rechtzeitig vor dem Dunkelwerden und dem nächsten heftigen Gewitter und es war super. Am nächsten Morgen sah ich dann die richtigen Hotels und ihre Preise ...

Der nächste Tag sah auch nicht viel besser aus 140 km bis zum nächsten Ort, in dem ich ein Hotel vermuten konnte. Ich beschloss, nicht nach Guaymas, das eher auf der Strecke lag, sondern nach San Carlos am Meer zu fahren. In San Carlos war auf meiner Karte auch ein Zeltplatz eingezeichnet und ich wollte einfach einen Tag Pause einlegen. Früh in Hermosillo hatte ich das erste Mal absolut keinen Appetit auf das Frühstück und habe auch nicht viel gegessen. Auch unterwegs gab es dann wie in den letzten Tagen nicht viel. In San Carlos fand ich dann auch einen gut bewachten RV-Park, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Bloß mit der Meeresidylle war nicht viel los. Der Strand gegenüber war recht verwahrlost und schmutzig und überall standen die Häuser der US-amerikanischen Rentner zum Verkauf oder zur Vermietung. Das war schon eher eine Geisterstadt. Der RV-Park hatte wenigstens einen schönen Swimmingpool in dessen Bereich ich recht angenehm sitzen konnte und da auch WiFi vorhanden war, wenigstens Emails lesen und beantworten konnte.

Von San Carlo ging es dann wieder viele Kilometer nach Obregon, wo ich dann in einem für mich wahnsinnig teurem Hotel absteigen musste, weil ich nichts anderes gefunden hatte. Dort hatte ich so einen richtigen Tiefpunkt. Ich zweifelte an der Reise, hatte in den letzen Tagen kaum geschlafen, wegen meiner Appetitlosigkeit auch kaum was gegessen. Ich hatte kaum Kontakte zu anderen Menschen und fühlte mich so richtig einsam und durch meine mangelnden Sprachkenntnisse auch isoliert. Sollte das so weiter gehen? Nur jeden Tag so viele Kilometer von Hotel zu Hotel fahren? Vom Land habe ich nicht viel gesehen. Finanziell sah ich nur noch alles davon schwimmen, lange könnte ich diese Hotelübernachtungen nicht durchhalten. Unterwegs hatte ich schon immer geguckt,  ob ich Alternativen finde. Die Tankstellen, die so als Tip unter den Radlern galten, haben sich voll auf LKW eingestellt, sie sind rund um die Uhr bewacht und jeden Abend versammeln sich da  Dutzende Trucks zum Übernachten. Soll ich mein kleines Zelt dazwischen aufbauen? Feuerwachen, der zweite Tip, habe ich bis dahin auch nicht eine einzige gesehen. Und wen sollte ich fragen, ob ich auf seinem Grundstück zelten darf, wenn es alles nur recht armselige Hütten sind? Sollte ich lieber die Reise abbrechen? Solche Gedanken gingen mir so durch den Kopf. Ich beschloss, jetzt erst einmal bis Mazatlan weiter zu fahren.

Endlich hatte ich einmal eine Etappe, die nur ca. 65 km lang war. Ich konnte mir endlich einmal etwas Zeit lassen. Ich legte mehre Pausen ein und aß das erste Mal Mittag in einem Straßenrestaurant. Und ich guckte in das Mexico-Buch und sah, dass von Los Mochis die spektakuläre Eisenbahn in den Kupfercanyon fährt – mit einer 360°-Kurve. Das wär doch was! Da hätte ich auch gleich etliche Höhenmeter gut gemacht und könnte über die Berge fahren. Auf einmal sah alles ganz anders aus, ich hatte erst einmal wieder ein Nahziel. Und dann traf ich noch Arturo. Er wartete extra an einer Baustelle kurz vor Navojoa auf mich. Ob er mich mitnehmen solle, es wäre doch so windig. Er sprach ganz gut englisch und er hatte an meinem Fähnchen gleich gesehen, dass ich Deutsche bin – er ist deutscher Abstammung. Wir haben sehr lange am Straßenrand gequatscht. Leider hat er es ganz schnell geschafft, mir den Kupfercanyon auszureden. Denn genau dort in den Bergen tobt der Drogenkrieg und er selbst würde im Moment diese Gegend meiden. Ich solle auf der Küstenstraße bleiben, sie würde jetzt sehr schön. Am Ende hatte ich noch eine Liste mit allen Hotels in Navojoa in der Hand und eine Empfehlung für ein günstiges Hotel. Die letzten Kilometer bis in den Ort bin ich aber selbst gefahren, das Fahrrad auf den Pickup zu laden, erschien mir für die kurze Strecke zu mühselig. Am späteren Nachmittag habe ich mich noch in einen Laden mit Cafe und WiFi gesetzt, mal nicht im Hotelzimmer eingeschlossen, und die Welt sah auf einmal wieder ganz anders aus.

Es scheint sich auf die Umwelt zu übertragen, wenn es mir besser geht. Als ich in Navojoa am nächsten Morgen startete, musste ich eine Umleitung fahren und ich hatte freie Fahrt, weil an jeder Kreuzung ein Polizist den Verkehr regelte und jeder den Verkehr für mich angehalten hat. Ein paar Kilometer weiter hatte ich die nächste Begegnung – ich holte Viktor aus der Schweiz ein. Zuerst wußte ich nicht so richtig, ob er nun ein Fernreisender oder ein Einheimischer Radfahrer war. Er hatte nicht so sehr viel Gepäck und selbiges sah nicht so ganz frisch aus. Er hatte kein Zelt dabei, keinen Kocher und nur Notverpflegung. Mittags und Abends geht er in ein Restaurant essen und für die Nacht macht er sich „unsichtbar“,  er schlägt sich in die Büsche oder übernachtet in verlassenen Hütten – nur mit Isomatte und Schlafsack. Ich habe lange überlegt, ob ich es probieren solle, mich ihm anzuschließen. Aber mir ist das doch irgendwie zu gefährlich. Einen Tag lang hatte ich so eine Begleitung. Da Victor langsamer als ich unterwegs ist, musste ich mich dann aber am Nachmittag ganz schön beeilen, um Los Mochis noch vor dem Dunkelwerden zu erreichen.
In Guamuchil hatte ich ein schönes Erlebnis: ich stand vor einer Hotelwerbung und versuchte die Adresse zu lesen. Aus einer Seitenstraße kam ein Pickup, hielt an und der Fahrer fragte, wohin ich möchte. Er sagte, er wäre Polizist und nannte mir auch auf Anhieb ein paar Hotels. Da er mir aber den Weg  nicht richtig beschreiben konnte, wir unterhielten uns in einem herrlichen Mix aus spanisch, englisch und Gestik und sein kleiner Sohn half noch mit, lud er einfach mein voll bepacktes Fahrrad auf die Ladefläche und machte mit mir eine Stadtrundfahrt zu den Hotels und fragte höchstpersönlich nach den Preisen und guckte, ob auch alles passte. Der Hotelier, bei dem ich letztendlich gelandet war, erzählte mir dann, dass das der Polizeichef war, der mich bei ihm abgeliefert hatte.

Seit diesen Tagen ging es mir wieder wesentlich besser, da war der Knoten geplatzt. Mittags halte ich an einem Straßenrestaurant an und bekomme ein gutes Essen mit Fleisch, Gemüse, manchmal Reis oder Bohnen und genügend Tortillas zum satt werden. Mit Getränk kostet das selten mehr als 50 Pesos (ca. 3 €). Und Gespräche, wenn auch etwas holprig wegen der Sprache, gibt es gratis dazu. Und mein Spanisch wird von Tag zu Tag etwas besser. Ich gehe einfach auf die Menschen zu und frage, wenn ich ein Hotel suche oder ein Geschäft und auf einmal erfahre ich auch viel Interessantes aus der unmittelbaren Umgebung, wo ich mich gerade aufhalte. Die Menschen hier sind stolz auf ihr Land.

Die bisher härteste Etappe war die erste, die in die Berge nach Tepic führte. Bis dahin war ich ja nur auf der Küstenstraße unterwegs und aus meiner Karte war dummerweise das Höhenprofil nicht abzulesen. Also traf es mich völlig unerwartet. Ich hatte nur 130 km zu fahren. Es ging so ein wenig ins Landesinnere. Zunächts noch relativ flach, aber je weiter ich von der Küste weg kam, desto mehr Dschungel wurde es. Es war nicht so sonderlich heiß, 34°C, aber sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Der Schweiß konnte gar nicht verdunsten Die ersten 100 km waren trotzdem nicht so schlimm, aber dann kam der Hammer – es ging fast nur noch bergauf. Nachher stellte ich fest, dass es auf den letzen 30 km fast 1000m Niveauunterschied waren. Und die Zeit rannte davon, um 18:00 Uhr Ortszeit war es dort schon stockfinster. Um 19.00 Uhr war ich endlich in einem Hotel untergekommen. Das erste Mal, dass ich doch im Dunkeln fahren musste. Ich hatte derwegen ganz schön Muffensausen.

Jetzt bin ich in Magdalena Jalisco gelandet und lege schon seit 4 Tagen erst einmal eine Zwangspause ein. Ich bin einfach so krank geworden, Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen beim Atmen. Pulmonia sagte der Medico. Ich war also sogar beim Arzt und der war gar nicht bereit Englisch zu reden (er ist hier ja eine Autorität), ich habe es auch gar nicht erst versucht, sondern fein auf spanisch gekauderwelscht und nur ein englisches Wort eingeworfen, wenn ich anders gar nicht weiter wusste. Er hat mich verstanden und ich ihn letztendlich auch. Jetzt habe ich Medikamente und war zu 3 Tagen absoluter Bettruhe verdammt. Heute ist der dritte Tag und mir geht es schon sehr viel besser. Ich hatte das Glück, auch hier ein kleines preiswertes Hotel zu finden, in dem ich diese Tage auch ganz gut aushalten kann.
Magdalena ist die Opalhaupstadt von Mexico, sagen die Einheimischen, und liegt an der Ruta de la Tequila. Leider ist mein Appetit auf Tequila derzeit etwas eingeschränkt, das ausgerechnet an der Quelle.

Die letzten Tage in den USA

Der Einfachheit halber ist hier der Bericht, den ich an die Freie Presse gesandt habe und wer die Lokalausgabe von Stollberg am 15.10. gelesen hat, kennt schon einiges. Aber ich will Euch einfach nichts vorenthalten, gerade weil diese Tage so intensiv waren.

Zuletzt durfte ich noch einmal so richtig die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Amerikaner genießen. Ich hatte tolle Erlebnisse. Und  ich habe eine kuriose Story. Letztere zuerst.

Ich kam so Nachmittags gegen 16Uhr in Mammoth an, ich hatte inzwischen knapp 100 km und einige Höhenmeter in den Beinen, und es waren ca. 36°C im Schatten. Suchend schaute ich mich nach einer Bleibe um. „Du siehst aus, als könntest Du eine Pause gebrauchen“ kam es von einer Parkbank. Da saß ein Mann, neben ihm sein Fahrrad, der Rucksack und eine Melone lagen auf dem Tisch vor ihm. „Komm her, setz dich, ich bin 1500 Meilen von Palm Springs bis hierher gefahren.“
Meine 10.000 km  oder 6000 Meilen die ich inzwischen gefahren war faszinierten ihn. Beim Teilen der Melone fing er schon an zu erzählen. Er war hierher nach Mammoth gekommen, um zu studieren. Wenn Obamas Gesundheitsreform greift, gäbe es in 5 Jahren zu wenig Ärzte und dann würde der „kleine Dr. Joe“ gebraucht. Er zeigte mir auch gleich seine Immatrikulationsnummer vom College. Eigentlich nichts besonderes, nur das Joe 50 Jahre alt ist und homeless, wie sich herausstellte. Auf meine Frage, ob es hier einen Campingplatz gäbe, antwortete er, das er einen feinen Platz hätte, auf dem er ein richtig gutes Tipi gebaut hätte. Waschräume gäbe es nicht, aber gegenüber ist eine Tankstelle mit Toiletten und Trinkwasser. Und er lud mich gleich in sein Camp ein. Warum nicht. Ich hatte bis dato zwar nicht viel vom Ort gesehen, aber ich hatte auch nicht den Eindruck, dass es besonders viele andere Möglichkeiten für eine Übernachtung gab. Als ich dann sein Tipi sah, konnte ich kaum glauben, dass er darin die Gewitter der vergangenen Tage trocken überstehen konnte. Mein Zelt daneben war ein richtiges Schloß. Er erzählte den ganzen Abend, dass es in Arizona verboten sei zu betteln, dass es im Ort eine Food Bank gäbe, wo er sich etwas zu essen holen könnte und er schon einen Ausweis dafür hätte, der Pfarrer für ihn die Wäsche waschen würde und er zeigte mir auch seine Mitschriften vom College und die Dinge, die er in der Bibliothek aus den Büchern abgezeichnet hatte. Und ich musste von seinem selbstgemachten Prickly Pears (das sind ganz leckere Kaktusfrüchte) Wein, den er statt mit Zucker mit Marshmallows gesüßt hatte, kosten. Was mich wiederum einige Überwindung kostete. So toll sah das nicht aus und der Filter war eine, zugegebener Maßen frischgewaschene, gerade vom Pfarrer geholte, Socke. Es war ein kurzweiliger Abend, ich brauchte nicht viel zu erzählen, habe aber doch viel Interessantes gehört. Joe ist kein Junkie oder Alkoholiker und irgendwie machte er trotz allem einen ausgeglichenen und mit seinem Tun zufriedenen Eindruck. Eine einmalige Begegnung.

Am nächsten Tag fuhr ich weiter. Es sollte nach Tucson gehen, wo ich Karten von Mittelamerika und einen neuen Reifen kaufen wollte. In Oro Valley, einem Vorort von Tucson, der erst 1984 gegründet wurde, benutzte ich die Toilette eines Fastfoodrestaurants. Da sprach mich eine Frau an, ob das mein Fahrrad wäre und woher und wohin ... so das Übliche. „Oh, Germany!“ Sie hätte dort eine Rucksackreise gemacht und es wäre so schön gewesen. Sie lud mich ein, in ihrem Haus zu übernachten, sie wäre in Deutschland auch eingeladen worden und möchte das zurückgeben. Ich wollte ja eigentlich nach Tucson ... Hier gäbe es auch viele Bikeshops, einen gleich um die Ecke, und die Adresse vom Kartenladen kann sie mir auch heraussuchen. Und sie führte mich gleich zum Fahrradladen. Er hatte zwar nicht die Reifen, die ich wollte, aber die Adresse eines Geschäftes in Tucson, das diese Reifen haben könnte. Letztlich nahm ich die Einladung von Kathy an und blieb bei ihr und ihrer Familie. Es stellte sich heraus, dass wir gleich alt waren und sogar im gleichen Monat Geburtstag hatten. Es war ein sehr sehr schöner Nachmittag und ein interessanter Abend.

Am nächsten Tag fuhr ich mit ausgedruckten Google-Maps nach Tucson, brauchte also die Geschäfte gar nicht erst suchen. Im Kartenladen bekam ich noch eine kleine Deutschlandfahne geschenkt, weil ich keine am Fahrrad hatte und der Besitzer einmal durch Deutschland geradelt ist. Im Fahrradladen gab es wirklich einen Reifen, der meinen Vorstellungen entsprach. Auf meine Frage hin wollte der Verkäufer ihn auch gleich aufziehen. Als er mein vollbepacktes Fahrrad sah, fragte er mir erst einmal Löcher in den Bauch und installierte den neuen Reifen und führte eine Generalinspektion durch. Schrauben, Schaltung, Bowdenzüge, Lenker, ...alles wurde begutachtet,  nachgezogen, eingestellt, geölt... bezahlt habe ich nur den Reifen. Zum Schluß gab es noch ein Foto für die Website des Shops.

Ein paar Tage später war mein Ziel der Patagonia State Park nicht mehr weit vor Nogales und damit der mexikanischen Grenze. Es ging an diesem Tag heftig bergauf. Ich hatte mir vorgenommen, eine Pause zu machen, wenn ich diesen Berg geschafft habe und dieser Park immer noch nicht in Sicht war. Sollte ich ihn verpasst haben? Auf einmal hielt neben mir ein Auto. „Suchst du einen Platz für die Nacht? Wir sind auch Radler, der State Park ist wegen des Festivals in Patagonia voll und weil morgen Feiertag ist, geht es da recht grazy zu. Wir wohnen auf einer Farm mit 3 Häusern. Wir warten oben am Berg auf dich.“ So kam ich dann zu Amy und Eric. Die beiden haben eine sehr interessante Geschichte. Eric ist aus Prince George in Kanada. Da hatten wir gleich was zu erzählen, bin ich doch dort durchgeradelt. Amy stammt aus der Nähe von Vancouver. Die beiden sind ebenfalls zu einer Weltreise aufgebrochen zunächst mit ihrem Segelboot. Sie sind bis nach Südkalifornien gesegelt und dann auf Fahrräder umgestiegen, bis sie in Patagonia in Arizona gelandet sind. Die Windsong-Ranch, auf der sie jetzt wohnen, gehört nach dem Tod der Besitzerin einer karitativen Organisation. Sie hatte zuvor schon alles dieser Organisation MeToWe zur Verfügung gestellt. Amy und Eric übernahmen die Verwaltung des Ganzen und wollen sich so in insgesamt 3 Jahren ihre Reisekasse auffüllen. Ein Gebäude ist ein wunderschönes Herrenhaus, die anderen beiden sind Unterkünfte für Kinder und Jugendliche. So ein Haus hatte ich da für mich allein. Die alte Lady muss sehr reich gewesen sein, sie hat sehr viel gesammelt. Das Haus gleicht fast einem Museum. Amy und Eric hatten noch nie etwas mit Hausverwaltung und Permaculture (eine Art ökologische Landwirtschaft) zu tun, mussten sich also alles neu aneignen. Aber jetzt nach einem knappen Jahr ernten sie schon ihre selbst angebauten Früchte Sie konnten sehr auf die Untestützung von ihren Nachbarn bauen und an dem Tag, als ich weiter radelte, erwarteten sie gerade ein paar Ziegen. Ich habe selten so ausgeglichene harmonische Menschen wie diese beiden getroffen.

Ja, diese Begegnungen der letzten Tage machen mir den Abschied aus Nordamerika recht schwer. Ich habe hier so viele wunderbare Menschen kennengelernt. Mein Bild von den USA hat sich sehr gewandelt, es war wohl sehr vorurteil behaftet.

30.09.2010 Sedona, Wildlife hautnah, bunte Steine, Trails, Frost und 40°

Seit meinem letzten Bericht ist schon wieder eine lange Zeit vergangen und ich habe ja auch schon einige „Abmahnungen“ erhalten. Nun ja, es gibt Tage, da sind die Eindrücke so zahlreich, dass ich sie erst einmal selber für mich verarbeiten muss, nach einem langen Radeltag ist manchmal einfach nur Ruhe angesagt, vielerorts gibt es dann auf den Campgrounds gar kein Internet und wenn ja, ist die Verbindung wegen der vielen Nutzer oft sehr schlecht. In eine Bibliothek gehe ich auch meist nur, wenn ich mehrere Tage an einem Ort bleibe. So schaffe ich es oft nur meine Emails abzurufen und ins Gästebuch zu schauen.

Jetzt sitze ich hier in der Nähe von Sedona auf dem Beaver Creek campground und versuche aufzuschreiben, was ich in den vergangenen Tagen so erlebt habe. Hier gibt es auch kein Internet, aber ich hoffe, diesen Text bald veröffentlichen zu können. Von Dubois fuhren wir über die Hochebenen von Wyoming und folgten den Spuren der Siedler-Trails, z.B. dem Mormonentrail oder dem Californiatrail. Was müssen das für Strapazen gewesen sein in dieser unendlichen baumlosen und wasserarmen Weite mit den damaligen Mitteln. Nachts war es für uns schon sehr kalt und tagsüber blies ein beständiger Wind. Den hatten wir dann als straffen Gegenwind. Die Straße war endlos lang und immer gerade. Sie sah manchmal aus wie eine Wellenschaukel und hatten wir den letzten Hügel erklommen ging es wieder von vorn los. Immer geradeaus, kilometer- , stundenlang. Manchmal fuhr ich bergab genauso langsam wie bergauf mit 6 km/h und hatte den Eindruck, dass ich, wenn ich aufhöre zu treten, den Berg rückwärts wieder herauf fahren würde. Es war schon anstrengend aber auch ein wenig ein elementarer Kampf. Dieser Wind begleitete uns bis nach Utah.
In Utah fuhren wir endlich von dieser Hochebene ab, durch ein Tal, dass mich etwas an das Tarntal in Frankreich erinnerte, bis nach Salt Lake City. Auf der Karte sieht der Salt Lake ja riesig aus, aber so viel Wasser haben wir gar nicht gesehen. Die Stadt ist eine typische Westamerikanische Stadt, mit einem kleinem Zentrum - Downtown- mit einigen Hochhäusern und riesigen Wohngebieten mit kleinen Häusern und Mobile Homes rundherum, in die auch noch Industriegebiete mit viel Chemiewerken eingefügt sind.. Asonsten ist dieses Ballungsgebiet für mich eher langweilig und ich war froh, als wir nach einigen Tage wieder in der freien Natur radeln konnten.
Und von da an wurde es sensationell. Jetzt kam das Land der vielen Cänyons. Ich wollte unbedingt den Bryce Canyon sehen. Schon der Weg dahin war fantastisch. Mehrere Canyons lösten einander ab und die Felsen nahmen die verschiedensten Farben an. Da war zunächst der Servier Canyon, dort gab es sogar einen Radweg auf einer alten Eisenbahntrasse nach dem Motto Rails to trails. Wunderschöne Felsenformationen säumten den Weg. Es ging weiter – ein Canyon folgte dem anderen. Graue Felsen, lachsfarbene, pinkfarbene, manchmal fast violette und schneeweiße wechselten sich ab – Farbspiele ohne Ende und wunderschöne grüne Täler dazwischen. Die Farben und Formen in Utah sind einmalig. Die Krönung war der Brice Canyon, in dem ich noch einen Tag verbrachte. Andreas hatte keine Lust, ihn interessieren die Nationalparks nicht. Aber was ich da zu sehen bekam, ist ohnesgleichen. Diese Felsformen in diesen Farben! Türmchen, Zinnen, Brücken und alles in orange und weiß. Die Bilder können den Eindruck gar nicht wiedergeben, den ich hatte, als ich zwischen diesen Felsen stand. Einfach gigantisch. Ich traf auch viele nette Menschen, da war z.B. ein Paar aus dem Südosten der Usa, der Mann hielt mich an und erzählte dann von seiner Radreise quer durch die USA und über die Erlebnisse in Missoula beim Adventure Cycling Club konnten wir beide lachen – Did you get icecream and did they take a photo of you – klaro. Dann traf ich noch einen Belgier, der auch viel Fahrrad fährt, aber hier mit seiner Frau ist und lieber ein Auto gemietet hat. Später überholten die zwei mich noch einmal und luden mich zum Apfelessen ein. Da saßen wir dann zu dritt auf dem Bordstein und quatschten über eine Stunde lang. Neben einigen Kanadiern und einem Busfahrer, der auf seine Fahrgäste wartete und mir derweilen ein Loch in den Bauch fragte, traf ich auch noch ein Schweizer Paar. Die Frau erzählte auch von Verwandten, die gerade in Asien zu so einer Reise unterwegs waren. So wurde es dann noch ganz schön spät und ich zeltete näher am Nationalpark als ich eigentlich wollte. Zum Glück konnte ich wieder einmal den hohen Preis etwas herunter handeln.
Ursprünglich wollte ich danach noch in den Zion National Park. Dort hätte ich noch ein paar Tage mehr verbringen wollen und diesen Park muss man sich, glaube ich, erwandern. Aber Andreas war schon weitergefahren und ich hätte nicht die nötige Ruhe gehabt. Und die Fahrt ging ja auch so weiter durch fantastische Gegenden: der Red Canyon, ein herrliches Tal am Mt. Carmel, nach Kanab und an den pink und white cliffs von Vermilion entlang bis zum Lake Powell und nach Page in Arizona. Der Bryce Canyon liegt so um die 2500 m hoch. Da war früh morgens das Zelt gefroren, aber tagsüber kletterten die Temperaturen bis auf über 30°C. In Page waren wir auf ca. 1300 m Höhe und hatten Temperaturen zwischen 25 °C nachts und teilweise über 40°C tagsüber. Kanab ist auch eine interessante Stadt. Es wird little Hollywood genannt, weil dort sehr viele Western gedreht wurden. Überall in der Stadt sind Schilder verteilt, auf denen Filmstars aufgeführt werden, die schon einmal hier waren. Merken konnte ich mir die nicht alle, aber Frank Sinatra und Dean Martin waren auch dabei.
Von Page aus ging es zu einen weiteren Höhepunkt, dem Grand Canyon, hier konnte sich auch Andreas nicht zurückhalten. Aber zuvor hieß es noch 80 Meilen fast Nichts zu durchqueren. Navajo-Land, Indianergebiet, Wüste, rechts und links stehen ein paar Häuser und ab und zu ein paar Stände, wo der handgefertigte Schmuck verkauft wird – mitten im Nichts. Nach 50 Meilen kam endlich einmal ein Tankstellenladen, wo es wenigstens Wasser zum Auffüllen meiner Flaschen gab. Und ein kaltes Getränk, das mir prompt für die letzten 30 Meilen Bauchschmerzen bescherte. Im Dunkeln kamen wir dann in Cameron an, fanden mit Müh und Not einen Zeltplatz, dessen Duschen schon geschlossen waren und trafen Karin und Fritz aus Wolfsburg, die auch schon eine ganze Weile durch die USA geradelt waren.

Globe 05.10.2010

Jetzt sitze ich nicht mehr am Beaver creek sondern in Globe, einer Kupferminenstadt, und in einem Motel. Hier gab es etliche Unwetter, aber ich habe Glück gehabt, so schlimm, wie es in Phoenix war, hat es mich nicht erwischt, gestern Abend war ich schon im Motel und vorgestern abends und nachts gab es zwar heftige Gewitter, aber die großen Wassermassen gingen nördlich und südlich vom Campground nieder. Im Beaver creek hatte ich den Akku mit der Bildersicherung und meiner Schreiberei 2mal völlig gelleert und da es beim sehr sehr netten Camp host mit der Laderei so lange gedauert hatte, wollte ich ihn nicht noch einmal damit belasten. Er hatte den einzigen Stromanschluß dort vor Ort.

4 Tage Grand Canyon.
Von Cameron sind wir erst einmal nur die 30 Meilen hoch zum Desert view gefahren. Das ist der erste Aussichtspunkt im National Park und dort gibt es auch einen schönen Zeltplatz fast an der Kante. Der erste Blick über die Kante – ja, das sind Dimensionen. Es geht 1600 m in die Tiefe – ein riesiger Graben im roten und weißen Felsen. Türme ragen daraus hervor, mit Namen wie Venus-, Jupiter- oder Vishnu-Tempel oder Wotans Thron. Der Anblick ist einfach gigantisch. Am zweiten Tag fuhren wir das South Rim (so heißt die südliche Kante) entlang bis nach Grand Canyon Village – mit fantastischen Ausblicken und einer Ausgrabungsstätte, wo vor 1000 Jahren einmal ein Dorf gewesen war – so etwas gibt es dort auch. Im Grand Canyon Village gab es wieder einen erstaunlicherweise sehr preiswerten Campground, sogar mit Duschen. Überhaupt wird dort der riesige Touristenansturm so gut gemanaged, dass man ihn gar nicht so sehr spürt. Ständig fahren kostenlose Shuttlebusse zwischen den interessantesten Punkten hin und her. Man kann irgendwo aussteigen, ein Stück laufen und unterwegs wieder einsteigen, oder wie wir es dann auch getan haben, sich zu einem entfernter liegenden Ort, Hermits Rest, wo sonst keine Autos hinfahren dürfen, bringen lassen und auf dem Rim Trail zurück laufen. Wunderschön! Ja und dann hat es mich doch gejuckt und ich musste am 4. Tag zum Colorado River absteigen. Die Wettervorhersage war günstig, es sollte nicht ganz so heiß werden und es gab Ostwind. Andreas hatte am Vortag seinen Bergschuhe bei der Rim-Wanderung den letzten Rest gegeben und sie gleich entsorgt, und somit, außer dass er sowieso keine Lust hatte, noch einen Grund, nicht mit zu kommen. Eigentlich hatte ich ja auch nicht vor, ganz abzusteigen, denn überall wird davor gewarnt, es zu versuchen, an einem Tag ab- und aufzusteigen. Je weiter man in den Canyon absteigt, desto heißer wird es und am in der Nähe vom Grund kann es bei ungünstigem Wetter schon mal 60°C werden. Jedes Jahr müssen 250 Leute, meist junge, sportliche Männer um die 30 Jahre, aus lebensbedrohlichen Situationen, Erschöpfung, Dehydration, Kreislaufkollaps, gerettet werden. Aber nach anderthalb Stunden war ich schon an der Stelle, wo man empfohlener Weise umkehren sollte. Wie gesagt, bei optimalen Bedingungen. Dann bin ich also doch weitergelaufen und war nach knapp 3 Stunden am Colorado. Da war es doch schon ganz schön heiß, aber bei ca. 35°C noch erträglich. Aber die gesamte Zeit kam ich mir vor, wie in einer verkehrten Welt: normaler Weise geht man ja bei einer Bergtour zuerst bergauf und dann wieder hinab. Jetzt hatte ich die Oberkante im Blick und wusste, da muss ich jetzt wieder hinauf – 1600 Höhenmeter. Nach einem Imbiss aus dem Rucksack und nachdem ich alle Trinkflaschen wieder gefüllt hatte, ging es los. Es war ganz schön hart. Aber 9 Stunden nach dem Start stand ich wieder an der Oberkante. Etwas mehr als 6 Liter Wasser habe ich verbraucht, zum Glück gab es auf dem Angel Trail einige Stellen mit Trinkwasser. Vor Nachahmung möchte ich trotzdem dringend warnen, es ist nicht ungefährlich , ich hatte supergute Bedingungen und bin ganz gut durchtrainiert und an viel Bewegung bei der Hitze gewöhnt. Auf dem letzten Drittel bergauf habe ich mich wechselseitig sehr oft mit einem Ehepaar überholt, das ich später immer wieder traf – im Bus, beim Duschen, im Supermarkt... Es stellte sich heraus, dass sie, Laura, Professorin für Geologie an der Uni von New Mexico ist und mit einer Gruppe von Studenten vor Ort war. Mit den beiden hätte ich mich noch stundenlang unterhalten können, schade dass sie so von ihren Studenten beansprucht waren.
Trennung
Am nächsten Tag brachen wir unsere Zelte am Grand Canyon ab. Es war wirklich wunderbar dort gewesen und ich habe wieder viel zu viele Fotos dort geschossen. Die Bergtour merkte ich auch noch mächtig in den Beinen und ich hatte auch etwas Muskelkater. Es war gar nicht so einfach, in Schwung zu kommen. An den vorangegangenen Tagen hatte Andreas schon öfter davon gesprochen, dass er eventuell doch nach Deutschland zurück kehren will. Bis zur Kreuzung in Valle hat er wohl noch gegrübelt, dann nahm er die Spur geradeaus in Richtung Phoenix und ich blieb für die Nacht in Valle, weil ich die Strecke nach Flagstaff bestimmt nicht mehr geschafft hätte. Mach's gut Andreas, ich hoffe ganz sehr, dass Du einen neuen Anfang in Deutschland finden kannst. Und lass Dich nicht so treiben, sondern nimm Dein Leben selbst in die Hand. Ich wünsche Dir alles Gute.
Es war dann doch erst einmal komisch, da allein auf dem nicht besonders schönen Zeltplatz zu sitzen. Gegenüber war jedoch noch ein Motel und in der Lobby konnte ich wenigstens per Wifi ins Intenet und Mails abfragen und einige beantworten. Als ich zurück zum Zelt kam sah ich dann erst einmal die Bescherung, das Fahrrad hatte einen platten Hinterreifen – na schön und es wurde gerade finster. Beim Zeltaufbau hatte ich schon gemerkt, dass da etliche solche tollen Dornenkräuter wuchsen und hatte schon unter dem Zelt den Boden regelrecht gefegt. Am nächsten Morgen stellte sich dann auch heraus, dass es genau diese Dornen waren, die im Reifen steckten. Im Vorderreifen hat es nichts ausgemacht, das ist der super gute Schwalbereifen, aber der hintere war der Ersatzreifen den ich vor Jasper aufziehen musste und der taugt in der Hinsicht nichts. Umso erstaunlicher, dass im Schlauch nur 3 Löcher waren, Dornen hatten viele mehr durchgeguckt. Aber so ein Schlauch ist schnell geflickt, wenn ich die Löcher alle finde. So konnte ich denn nach Flagstaff und Sedona weiterfahren. Das waren 2 heiße Tage, die Temperaturen erreichte 45°C.
In Sedona angekommen, suchte ich erst einmal eine Bibliothek, um meine Emails abzuholen, denn in Sedona wollte ich eine Freundin meiner Nichte Franzi treffen. Zu Melanie, so heißt die Freundin war auch ein Päckchen unterwegs. Franzi hatte mir auch die Adresse von Melanie gesandt. Aber weder Franzi noch Melanie waren telefonisch zu erreichen. Also entschloß ich mich, einfach bei Melanie vorbeizufahren. Was ich aber nicht so richtig realisiert hatte, dass der Ortsteil noch einmal fast 10 Meilen von Sedona weg war. Und ich hatte keine gute Karte. Ich wusste aber, dass es auf dem Weg zum Beaver Creek Campground lag. Ich fand dann noch eine Tourist Info und die gute Frau gab mir dann auf meine Frage nach der Adresse noch eine schlechte Karte und eine Wegbeschreibung: die Straße 5 Meilen und dann die Gravelroad 3,5 Meilen bis fast zum Ende und dann rechts abbiegen – dort ist das. Ich dachte, das kann doch nicht sein, ist das wirklich so weit? Ich bin doch von Sedona schon die 10 mi gefahren! Naja, sind eben andere Maßstäbe. Sie hat mich im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt! Wäre ich lieber gleich bis zum Beaver Creek gefahren! Das waren auch nur 10 Meilen. Naja, bin der Beschreibung gefolgt, dann ging langsam die Sonne unter und ich traf ein paar Leute, die sagten, das dort nichts weiter wäre nur das wunderschöne Oak Creek. Es war wunderschön. Ein Pärchen mit Jeep sackte dann einfach mein Fahrrad und mich ein und brachte mich zu Melanies Hause. Das war nur etwa 10 min von der Touri Info entfernt. Sie war natürlich oder zum Glück nicht zu Hause, denn es wäre mir schon etwas peinlich geworden so im Dunkeln dort aufzutauchen. Um 19:00 Uhr war es nämlich schon so etwas von stock dunkel, ich habe kaum die Straße gesehen und Laternen sind da nicht so angesagt. Jedenfalls hätte ich den Beaver Creek Campground auch nicht mehr gefunden und nahm dann doch lieber ein für mich sauteures Motel aber mit free Wifi, Telefon und Frühstück. So konnte ich Franzi erreichen und ihr mitteilen, wo ich die nächsten zwei Tage bin und ausmachen, dass Melanie mich dort besucht und das Päckchen vorbeibringt.
Ich habe mich dann zwei Tage im Beaver Creek richtig wohl gefühlt. Ein wunderschöner Campground, der Bach war unter einem Felsen zu einem kleinen Schwimmbereich angestaut und Ruhe ohne Ende. Nur Nachts wurde es etwas unruhiger. Als es dunkel wurde marschierten die Skunks ein. Das sind putzige Tierchen, total neugierig, hätte ich das Zelt offengelassen, wären sie auch noch dort hinein gelaufen. Unter den Apsiden waren sie schon. Nur wenn man ihnen zu nahe kam, ging der Schwanz hoch und sie schritten mit wackelndem Hinterteil wie eingebildete Matronen davon. Zum Schießen, nur zu fotografieren habe ich mich nicht getraut, vielleicht hätten sie dann doch mein Zelt eingespayt. Nachts bin ich aufgewacht, weil ich etwas an meinem Fahrrad rumoren hörte. Geräuschvoll öffnete ich mein Zelt und leuchtete mit der Taschenlampe hin und da guckt mich doch ganz frech ein Coyote an, der sich heftig an meiner Vorratstasche zu schaffen machte. Der ließ sich nicht einmal verscheuchen. Ich musste mich erst richtig groß machen und in die Hände klatschen. Etwas später wachte ich wieder auf, weil wer am Fahrrad war. Dieses Mal turnte ein Skunk auf der Tasche herum, der Coyote hatte schon ein Loch hineingebissen, so das der Skunk meine Bananen oder so riechen konnte. Da habe ich die Tasche dann an einen Baum gehangen. Am nächsten Morgen, als sich fast alle Campbewohner an meinem Tisch versammelt hatten, haben wir noch einmal herzlich über die ganze Geschichte gelacht. Das eine Ehepaar aus Canada erzählte dann übrigens, dass sie mich seit dem Grand Canyon immer wieder gesehen hätten.
Mein Päckchen kam dann auch noch und ich verbrachte noch einen weiteren Tag in Sedona diesmal bei Melanie, es war wunderschön. Über die Landkarten haben wir fast die Zeit ganz vergessen. Für den Abend hatte sie noch sehr interessante Freundinnen eingeladen: Carla, eine Poetin, Heilerin und die Hochzeitszeremonien durchführt, Pamela, eine fantastische Fotografin und die Kathrin, die ursprünglich aus Hamburg stammt. Dieser Abend verging so schnell.
Ursprünglich war noch geplant, dass ich einige Leute aus dem Fahrradclub von Sedona treffe, aber das hat nicht mehr so ganz geklappt, weil auch gerade an dem Wochenende ein Mountainbikerennen stattfand. Am nächsten Tag erreichte ich den Clear Creek Campground und wurde mit den Worten vom Ranger empfangen, dass ich schon angekündigt wurde – vom Beaver Creek Host. In Payson traf ich den Michel aus Holland, der so ziemlich am Ende seiner 5wöchigen Fahrradtour durch die USA war und konnte mit ihm eine Campsite teilen. Leider habe ich ihn am Lake Roosevelt irgendwie verpasst.

30.08.2010 Dubois, Wyoming

Wieder einmal laesst uns eine Zwangspause an einem Ort verweilen. Andreas ist krank, aber er hat sehr schnell medizinische Hilfe bekommen, so dass wir wahrscheinlich uebermorgen schon wieder weiterfahren koennen. In den letzten 3 Tage zog ein Gewitter nach dem anderen ueber uns hinweg und so war ich gar nicht so sehr traurig, mein Zelt stehen lassen zu koennen und nicht beim Radeln nass zu werden. Langsam glaube ich, dass Georges Mond-Theorie absolut passt, ich koennte fast einen empirischen Beweis dafuer liefern. Wieder sind wir hier auf sehr sehr nette, freundliche und hilfsbereite Menschen gestossen. Wir duerfen hinter einem Motel zelten und das Bad von einem Zimmer benutzen, das gerade nicht genutzt wird, weil es renoviert werden soll.
Der Abschied von Dillon fiel recht schwer, die gute Valerie wollte uns gar nicht gehen lassen und hielt uns mit ihren Redeschwaellen fest. Haette John ihr nicht Einhalt geboten - "They want really go"- wer weiss, vielleicht stuenden wir immer noch bei ihr im Office.
Weiter ging es durch Montanas Weiden, vorbei an touristisch aufgemotzten Geisterstaedten wie Virginia City und waehrend des Goldrausches umgewuehlten Berghaengen und Flussufern. Die Amerikaner gehen recht sorglos mit ihrer Landschaft um, von Rekultivierung spricht hier niemand, es ist ja genug da. Der Wind blies jetzt oft von vorn und wir hatten Strassen zu bewaeltigen, die ueber viele Meilen schnurgerade verliefen. Ein Truck, der uns gerade ueberholt hatte, war zwar nach einer halben Stunde nicht mehr zu hoeren aber immer noch zu sehen.

Dann endlich erreichten wir den Yellowstone National Park, auf den ich schon sehr gespannt war. Kannte ich doch Geysire nur aus Filmen und Buechern. Der Verkehr war hier natuerlich beachtlich, staendig ueberholten uns RVs, Pickups, Busse, .... Wenn links und rechts auf einmal chaotisch angehalten wurde, war es klar - da stand wieder einmal ein Tier. Einmal kam mir auch in aller Seelenruhe ein Bison auf dem Randstreifen entgegen. Ich zog es dann doch vor, auf die andere Strassenseite zu wechseln, das war ein ganz schoen grosser Brocken. Ich fand die Geysire, heissen Quellen, paint pots, mudpots, die mit vulkanischem Glas ueberzogenen Felsen und die erstarrten Reste von Lavastroemen und auch die vielen Farben einfach fantastisch. Old Faithful, nicht der hoechste aber ob der Regelmaessigkeit seiner Ausbrueche der bekannteste Geysir, bot natuerlich ein besonderes Schauspiel. Nicht unbedingt wegen seiner Fontaene, sondern wegen der Menschen, die zu Tausenden jeden seiner Ausbrueche anschauten. Das war so eher eine Jahrmarkt- oder Volksfestathmosphaere und auch entsprechend vermarktet. Ja, es war sehr interessant.
Und dann trafen wir noch Philipp. In Grant Village, morgens als wir gerade aufbrechen wollten. Er ist aus Berlin und wird seine Reise um die noerdliche Erdhalbkugel bald beenden. Er erzaehlte uns unter anderem von Aserbaidshan, Kirgisien, dem Karakorumhighway, Indien und Japan und machte mir somit Lust auf diese Orte - am liebsten waere ich gleich durchgestartet. Aber mir steht ja erst einmal noch Suedamerika bevor, das ich hoffentlich bald sehen werde. Mit Philipp ging es weiter in Richtung Teton National Park. Auf dem letzten Stueck bis zum Jenny Lake kamen wir in ein Wetter, das sich gewaschen hatte. Der Sturm trieb mich fast von der Strasse, ich hatte Muehe, geradeaus zu fahren. Die Regentropfen trafen ziemlich schmerzhaft auf mein Gesicht. Das war heftig. Zum Zeltaufbau wurde es zum Glueck etwas ruhiger, aber nur um dann wieder mit voller Kraft zuzuschlagen. Die Nacht wurde etwas unangenehm, kalte noch feuchte Fuesse im Schlafsack, nasse Sachen rundherum, der Sturm, da dauerte es eine Weile ehe ich einschlafen konnte. Wir blieben noch einen Tag am Jenny Lake, trockneten unsere Sachen, jetzt war wieder das herrlichste Wetter, das man sich vorstellen kann, wir quatschten ohne Ende, Philipp erzaehlte von seiner Reise und die Zeit verging wie im Fluge. Spontan entschlossen wir uns, einen kleinen Umweg zu machen, um Philipp noch ein wenig bis Lander zu begleiten. Leider war hier in Dubois Schluss und wir liessen ihn allein weiter ziehen. Gute Fahrt Philipp, wir sehen uns bestimmt wieder!

11.08.2010 Dillon, Montana, USA

Endlich habe ich wieder einmal einen Ort gefunden, an dem es einfacher ist, ins Internet zu kommen und ich kann Euch endlich wieder einen kleinen Bericht schreiben. Wie Ihr an der Ueberschrift erkennen koennt sind wir inzwischen schon in die USA eingereist. Die Grenzueberschreitung war komplikationslos. Es war so die uebliche Prozedur: Fingerabdruecke, Foto, kleines Interview, was wir hier so wollen und wie lange und noch ein Formular ausfuellen - schon hatten wir unsere Aufenthaltsgenehmigung fuer 90 Tage. Also muessen wir spaetestens am 29.Oktober die USA verlassen. Naja, und Montana haben wir schon fast durchquert, sind bald in Wyoming.

Die letzten Tage in Canada waren noch einmal sehr schoen. Wir hatten wunderbares Wetter und sind durch eine faszinierende Natur geradelt. Da waren die Nationalparks von Jasper und Banff - hohe schneebedeckte Berge, Waelder, Fluesse mit den herrlichsten Wasserfaellen, Seen, Felsen, Canyons und Hirsche, die ueber unsere Zeltschnuere stolperten. Dann gab es da noch den Kootenay Park, der teilweise recht deprimierend wirkte, weil dort mehrere Waldbraende 2001 und 2003 fast den gesamten Waldbestand im oberen Teil vernichtet haben. Dort stehen nur noch die verkohlten Baumstaemme. Wir hatten mehrere Paesse zu ueberwinden, die ueber 2000m hoch waren.

Am 1.August erreichten wir Roosville an der USA-Grenze. Zu unserer Erleichterung sind die Preise in den USA, was die Nahrungsmittel betrifft, etwas humaner. Bei den Campgrounds kann man das nicht unbedingt sagen, da haben wir auch schon mal dankend abgesagt und sind weitergefahren - 15$ pro Zelt waren einfach zu viel. Die Campground der National Forests sind da viel guenstiger und oft findet man Rest Areas, auf denen man auch kostenlos zelten kann. Allerdings heisst es auf diesen Plaetzen, sich nur im Fluss oder unter der Wasserpumpe oder manchmal auch nur mit dem mitgebrachten Wasser waschen zu koennen.

Anders als in Canada gibt es hier in Montana mehr Nebenstrassen, so dass wir nicht immer auf den Shoulders (Seitenstreifen) der grossen Highways fahren muessen. So radeln wir doch etwas ruhiger.

Geschenk eines Indianers
Suedlich von Kallispell und Bigfork befindet sich das Flathead-Indianerreservat. Wir waehlten das Ostufer des Flathead Lakes fuer unsere Route aus. In Bigfork in der Touristeninfo wurde mir noch gesagt, dass diese Route wegen der fehlenden Randstreifen und des starken Verkehrs gefaehrlich sei. Aber einerseits waren wir bereits am Ostufer und hatten keine Lust umzukehren und andererseits stellte sich heraus, dass es gar nicht so viel Verkehr gab und die Autofahrer doch ruecksichtsvoller als auf den grossen Highways waren. Ich war recht erstaunt, dass hier so viele Weisse siedelten, ich hatte mir vorgestellt, dass in einem Indianerreservat nur Stammesangehoerige lebten. Am Abend kamen wir an einem RV-Park an, der auf keiner Karte und auch nicht in dem Campgroundverzeichnis, das wir von deutschen Urlaubern geschenkt bekommen hatten, gelistet war. Es stellte sich heraus, dass der Blue Bay RV-Park vom Stamm verwaltet wurde. Bei der Anmeldung wurden wir so recht einsilbig und kuehl behandelt. Aber unsere Fahrraeder machten doch etwas Eindruck. Ja wir sollten uns eine Site aussuchen, er kaeme dann vorbei und wuerde dann kassieren. Er kam etliche Male vorbei aber hielt gar nicht an und machte keinerlei Anstalten irgend etwas von uns zu wollen. Es war ein herrlicher Platz direkt am See, mit warmen Duschen und Feuerholz gab es gratis dazu. Als wir uns am naechsten Morgen bedanken wollten, war niemand da. Das ist wohl die Art dieser Menschen Geschenke zu machen und dem Dank aus dem Wege zu gehen.

Nachdem wir jetzt ueber einige Paesse gefahren sind hat sich die Landschaft sehr geaendert. Im Moment radeln wir ueber weite Hochebenen mit Weiden und viel Stechginster. Baeume gibt es nur noch an den Flussuferen und den Berghaengen von den Gebirgszuegen, die die Ebenen begrenzen oder durchziehen wie die Pioneer Mountains, die wir auch auf einem herrlichen Byway durchquerten. Die taeglichen Gewitter sieht man schon aus weiter Ferne anruecken - ein faszinierender Anblick.

22.07.2010 Jasper

Gestern bin ich in dieser Touristenmetropole angekommen. Den heutigen Regentag kann ich hier in einem Internetcafe ueberbruecken. Dass es ein Internetcafe gibt, ist der Vorteil eines Touristenortes. Wir sind inzwischen ueber 1000 km auf dem Yellowhead Highway immer Richtung Osten geradelt und haben British Columbia verlassen und Alberta erreicht. Insgesamt stehen schon mehr als 5000 km auf meinem Tacho.

In den letzten Tagen habe ich das Fahrrad gegen die Bergschuhe getauscht und war zu Fuss am Mount Robson unterwegs. Das ist ein schoener Berg! Und ich habe es genossen - mal keine Strasse, keine Autos, Trucks und RV’s etc. zu sehen und nur das Donnern der Wasserfaelle, den Wind und die Voegel zu hoeren. Ich hatte auch sehr viel Glueck mit dem Wetter, denn der Mount Robson soll sehr oft in dichten Wolken stecken. Er ist knapp 4000 m hoch und ein sehr schwieriger Berg. Von allen, die sich an seinem Gipfel versuchen, sollen es nur knapp 10% schaffen. Aber ich hatte auch nicht die Absicht, auf seinen Gipfel zu gelangen. Ich habe einen sehr schoenen Trail gefunden, der mich reichlich 2500 Hoehenmeter hoch brachte. Nun habe ich den Salat und Muskelkater - vom Abstieg, der ging ueber die Randmoraene eines ehemaligen Gletschers. Der Gletscher war noch da, aber viel viel kleiner geworden. Mein Fahrrad und das meiste Gepaeck konnte ich beim Service Yard der Parkverwaltung unterstellen, da war es sicher. Andreas war nach Jasper voprausgefahren.

In Terrace hatten wir das Kuestengebirge hinter uns gelassen. Ab hier hatten wir dann auch endlich besseres Wetter. Die Landschaft sah jetzt ganz anders aus. Hier lagen ganz vereinzelt auch recht hohe Bergketten herum, anders kann man das gar nicht nennen. Es war kein richtiges Gebirge, so wie wir das kennen. Hier ein paar Dreitausender, dort ein paar und dazwischen weite Ebenen. Dann wurde es noch sanfter mit schier endlosen Waeldern, vielen vielen Seen und sanft geschwungenen Huegeln bis es auf die kanadischen Rocky Mountains zu ging. Eine herrliche Landschaft.

Vor einigen Tagen hatte ich noch ein schönes Erlebnis. Andreas war vorausgefahren, wollte den günstigen Rückenwind ausnutzen und Kilometer „schrubben“. Das ist nicht so mein Ding, ich bin lieber etwas langsamer unterwegs und schaue nach links und rechts der Straße. Ich finde es zum Beispiel interessant, dass ich manchmal die  Anwesenheit einer Siedlung nur daran erkenne, dass am Straßenrand mitten im Wald einfach nur ein Block von Briefkästen steht – kein Haus, kein Auto, kein Zaun oder gar Mensch ist zu sehen, oft nur ein einfacher Schotterweg in den Wald hinein. Die Leute müssen dort wirklich mit dem Auto zum eigenen Hausbriefkasten fahren. Jedenfalls kam ich allein in Vanderhoof auf dem Zeltplatz an. Und da entspann sich so ein Gespräch: „You go by bike!? Where did you start?“ Ich lachte und sagte „in Germany“. Das könne nicht wahr sein, ich würde scherzen. „No, it's true“ und erzählte von meiner Tour bis dorthin. Die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen und wollen immer alles ganz genau wissen. Dann fragte ich, ob eine Campsite wirklich 15 Dollar kosten würde und ich hätte doch nur ein kleines Zelt und mein Fahrrad. Der Manager käme dann herum und würde kassieren und er würde mir dann eine „very speciale rate for  biker, who started in Germany“ berechnen, wurde mir gesagt. Dieser kam dann auch, nachdem ich mein Zelt aufgestellt, geduscht und gegessen hatte. „Are you the poor German biker, who went so much kilometers to come to my campground?“ begrüßte er mich und fragte, ob ich gut geduscht und gegessen hätte und ich seine campsite sauber halten würde, machte noch ein paar Scherze und ging wieder – ich brauchte nichts zu bezahlen. Später durfte ich sogar noch in sein office und eMails abholen. 

Manchmal treffen wir auch andere Langzeitradler. Da war zum Bespiel so ein kleiner Francokanadier, der in Smithers auf dem gleichen Zeltplatz uebernachtete wir wir. Er unterbrach dort eigens seine Reise, um das kleine Finale der Fussball WM zwischen Deutschland und Uruguay anzuschauen, waehrend wir dann schon weiterfuhren. Er war ein lustiger Bursche, der sich sein abendlichen Glas Wein nicht nehmen lies, auch wenn er die Flasche auf dem Fahrrad transportieren musste.  Und er war ein Sammler – was er unterwegs mitnahm! So hatte er ein Plueschtier gefunden und es gleich am Lenker befestigt. Den Namen fuer das Tierchen hat er auch gefunden - auf einem Blechschild. Weiter gehoerte zu seinem Sammelsurium ein LKW-Rueckspiegel und ein nagelneuer original verpackter Einmaloverall, den wollte er anziehen, wenn er seine Sachen waschen musste. Dann war da noch Armando Basile, ein Italiener, der in Freiburg wohnt. Er ist ein Kilometersammler und moechte noch in diesem Jahr seinen 1 Millionsten Kilometer per Fahrrad absolvieren. Anfang des Jahres hat er Australien umrundet, darueber hat auch die Badische Zeitung berichtet. Armando wollte noch unbedingt nach Alaska, nach Hyder, dem Ort am suedlichsten Zipfel. Mit ihm haben wir uns fast eine Stunde am Strassenrand unterhalten. Da hielt sogar noch ein Motorradfahrer an und fragte ob wir ein Problem haetten. „No, we have a rest“, alles ok.

Es gibt so viele kleine nette Begegnungen hier. Wir haben Deutsche getroffen, die mit ihrem eigenen Wohnmobil auch bis Feuerland fahren wollen. In einer Raststaette begruesste uns eine Bedienung mit der typischen kanadischen Freundlichkeit und einem erfrischendem Schwung: wir hatten noch ein paar Scherze gemacht und merkten dann, als sie an einem Nachbartisch bediente, dass sie sehr gut Deutsch sprach. Ja, sie waere aus Muenchen und ist vor 15 Jahren ausgewandert. Einmal uebernachteten wir auf einem Parkplatz. Wie so oft brachten wir wieder unsere Lebensmitteltaschen in dem Muellcontainer unter. Am naechsten Morgen kam die Frau, die den Rastplatz betreute, um sauber zu machen und den Muell zu entsorgen. Schnell holte ich die Sachen aus dem Container und erklaerte ihr wieso und weshalb, sie hob den Daumen „good idea“. Unter dem Dach einer Infotafel auf einem Parkplatz, wo wir uns bei einem Gewitter unterstellten, kamen wir mit mehreren Leuten ins Gespraech. Von ihnen erfuhren wir sehr viel Interessantes ueber die Gegend rund um den Mount Robson und einer ging gar noch an sein Auto und verteilte Gebaeck. Im Rearguard Camp am Mount Robson verbrachte ich einen schoenen Abend und Morgen mit den Bewohnern der anderen 4 Zelte. Zwei waren aus dem Staat Washington und sich absolut sicher, dass wir uns wieder begegnen wuerden. Na, mal sehen.

Langsam lernen wir auch mehr von der Tierwelt hier kennen. Gestern traf ich einen Wolf. So ganz egal war mir das aber nicht. Der stand da einfach auf der Strasse herum und ausgerechnet in diesem Moment kamen ueberhaupt keine Autos. Baeren haben wir jetzt auch schon einige gesehen. Meist trotten diese einfach nur ueber die Strasse, aber einer ist doch etwas schneller vor uns geflohen – der konnte vielleicht hoch springen! Im Mount Robson Park maschierten die deers (Rehe, kleine Hirsche) einfach durch den Campground, die Streifenhoernchen posierten regelrecht vor der Kamera und irgendwelche Nagetiere (keine Ahnung, was das war, sah aus wie Biber mit Wuschelschwanz) schauten mir beim Essen zu. Kurz Vor Jasper stand ein kapitaler Wapitihirsch am Strassenrand und ein paar Kilometer weiter gleich eine ganze Herde mit Jungtieren. 

Die erste Reifenpanne hatte ich jetzt auch schon. Mit einem Knall ist die Luft raus gewesen. Den Schlauch konnte ich flicken, aber der Reifen ist wohl hinueber. Da muss ich mir jetzt hier in Jasper einen neuen Ersatzreifen besorgen. Zum Glueck gibt es hier genug Fahrradlaeden, weil es auch ein Mountainbikegebiet ist.

06.07.2010 Terrace
Canada - das Land, von dem viele träumen. Am 20.06.2010 sind wir spät abends in Vancouver gelandet. Und dann kam der 1. Schock: mein Fahrrad hat den Flug nicht heil überstanden. Dabei hatte ich es doch so gut verpackt: Luftpolsterfolie, Stretchfolie und Klebeband in Massen verbraucht. Aber trotz Allem war der Umwerfer abgebrochen und das Ausfallende schlimm verbogen. Als ich die Reste vom Umwerfer abgebaut hatte, konnte ich es wenigsten noch schieben. Zum Glück fand sich eine Werkstatt, deren Chef die Reparatur  innerhalb weniger Stunden durchführen konnte. Allerdings hatte er nicht so ein spezielles Ausfallende, so dass er das alte nur etwas richten konnte, was bei Aluminium natürlich die Festigkeit nicht gerade erhält. Hans Pfeiffer von Ferrotec, wo mein Fahrrad gebaut wurde, hat schon ein neues Teil für mich nach Chemnitz geschickt - als Sponsoring - vielen Dank dafür. Allerdings ist es eben noch in Deutschland und ich weiß nicht, wie es jetzt zu mir kommt, in Canada gibt es kein "postlagernd". Jedenfalls kann ich erst einmal weiterfahren.
Der zweite Schock kam, als ich durch Vancouvers Downtown schlenderte: zwischen diesen vielen Wolkenkratzern mit ihren tollen Glasfassaden traf ich so viele Obdachlose, Bettler, auf U-Bahnschächten schlafende Menschen, Dosensammler und abgerissene Gestalten - das hatte ich in Canada nicht erwartet. Eine Frau fragte mich in einem Supermarkt, ob ich ihr Brot kaufen könnte!
Und das war der 3. Schock: in Canada ist alles doppelt oder 3fach so teuer wie in Deutschland. Ganz einfach Spaghettis z.B. kosten nicht unter 3 Dollar pro 500g meist sogar mehr und solches pappige Toastbrot kostet auch 3 Dollar. Da habe ich so meine liebe Not, ordentliche Vorräte mit in die Wildnis zu nehmen. Kaffee habe ich schon abgeschrieben, da habe ich einen Hunderterpack Tee aus dem Angebot genommen.

Vancouver haben wie dann in Richtung Norden verlassen und sind die Sunshine Coast nach Powell River geradelt. Das tat richtig gut, wieder in der Natur zu sein. Aber da kam schon das nächste Problemchen: hier ist alles Bear Country, das heißt hier gibt es überall Bären, Schwarzbären und Grizzlies. Die Carehoulder auf den Zeltplätzen empfehlen immer, alle Nahrungsmittel im Fahrzeug zu lassen - na vielen Dank, wie soll das mit einem Fahrrad funktionieren! Es gibt aber noch andere Lösungen: die Taschen auf einen Baum zu ziehen - 100m Abstand von den Zelten und so weit wie möglich vom Stamm entfernt. Na da freut sich der Zeltnachbar und die Bäume hier sind riesig und die untersten Äste fehlen schon, oft als Feuerholz gebraucht oder für die riesigen Wohnmobile als Hindernis entfernt. So waren wir immer froh, wenn es solche Stahlmülltonnen gab. Die haben einen bärensicheren Zugang von oben, wo der Müll hineinkommt und einen von hinten, dort werden meist die zum Glück sehr stabilen Müllsäcke entfernt. Da haben wir unsere Fahrradtaschen deponiert.
Bären selbst habe ich noch nicht gesehen, aber trotzdem schon eine Begegnung mit einem Exemplar gehabt. Aber dazu später.
Von Powell River sind wir mit der Fähre nach Vancouver Island gefahren, eine schöne Insel auf der es aber auch bis über 2000m hohe Berge gibt. Dort ging es weiter Richtung Norden. Wir hatten noch 2 Tage schönes Wetter, dann kam der Regen, gerade als wir auf eine Gravel Road, eine unbefestigte Schotterstraße, abgebogen waren. Wir blieben dann für 3 Nächte auf so einem Wilderness-Camp, um den Regen abzuwarten. Aber es hörte auch am 3.Tag nicht auf. Also sind wir 60km auf dieser Gravel Road im strömenden Regen weitergefahren. Unterweg sahen wir jede Menge Spuren von Bären meist in Form riesiger Haufen mitten auf dem Weg. Trotz Regen und oft schwierigem Untergrund fand ich die Strecke sehr schön. Als wir endlich den Highway erreichten, hörte es auf zu regenen, um dann gleich wieder anzufangen, als wir die Zelte aufbauen wollten. (Zu dem Campground mussten wir natürlich auch wieder 5km über eine Gravel Road fahren) Ich habe dann trotz Regens ein Feuerchen angezuendet, so war es wenigstens schön warm. Allerdings war es gar nicht so einfach, das Feuer mit dem nassen Holz weiter zu unterhalten. Andreas konnte vor lauter Frust über das Wetter nichts essen, was sich am nächsten Tag rächte, ich habe mir dann Tee gekocht und Brot und Wurst gegessen. Auf diesem Campground gab es keine Stahlcontainer und im Regen die Taschen auf einen Baum zu hieven, hatten wir leichtsinnigerweise keine Lust. So blieben die Vorratstaschen am Fahrrad. Nachts bin ich dann aufgewacht. So schätzungsweise 100m entfernt knackte es verdächtig im Unterholz und auch ein Schniefen fehlte nicht. Andreas war auch wach und ich hörte, wie er extra geräuschvoll seine Reisverschlüsse vom Zelt öffnete und ich klapperte mit den Töpfen, die ich extra mit ins Zelt genommen hatte. Das und der Rauch von dem noch immer schwelenden Feuer und der Generator unserer Nachbaren hatte den Bären wohl abgehalten, näher zu kommen.
Am nächsten Tag hatten wir mal keinen Regen und fuhren die über 100km bis Port Hardy gleich durch. Einen Tag später nahmen wir die Fähre nach Prince Rupert. Leider ging der Regen schon wieder los, so dass wir die reizvolle Inside-Passage nicht so richtig auskosten konnten. Gestern konnten wir endlich unsere Sachen nach 2 weiteren Regentagen trocknen und haben heute einmal einen Ruhetag zum Wäschewaschen und endlich wieder einmal Internetzugang, was in Canada nicht so einfach ist.

19.06.2010 Torrejon
Jetzt ist die erste Etappe der Reise beendet. Morgen werden wir Europa verlassen. Zur Zeit befinden wir uns in Torrejon, einem Vorort von Madrid, nahe am Flughafen. Ein wenig Bammel habe ich schon, ob das mit dem Flug wohl klappen wird. Wir haben uns heute schon Luftpolsterfolie, Klebeband und Stretchfolie gekauft, damit wir die empfindlichen Teile am Fahrrad etwas sichern koennen. Die Fluggesellschaft soll Taschen fuer die Fahrraeder haben, mal sehen wie das funktionieren wird. Die Verpflegungstaschen sind leer, das restliche Benzin fuer unsere Kocher haben wir verschenkt bzw. verbrannt, einige Dinge aussortiert. Trotzdem ist da noch das Gewicht unseres Gepaecks - keine Ahnung wie schwer das wohl ist und ob wir da noch was draufzahlen muessen. Zum Glueck zaehlt das Fahrrad extra - es darf 20 kg schwer sein. Ich will das Werkzeug und die Ersatzteile noch am Rad befestigen, damit das schwere Zeug noch aus dem anderen Gepaeck kommt.
Wir haben wunderschoene Orte in Europa und nette Menschen kennengelernt. Und eine menge Erlebnisse gehabt. Einige habe ich schon in eMails geschildert, aber hier noch eine kleine Revue.
So trafen wir mitten in der Schweiz, in einem etwas heruntergekommenen Gasthof auf einem Berg, hinter dem ein kleiner Zeltplatz war, auf dem wir uns niederliessen, einige ostdeutsche "Gastarbeiter" (Berliner und Thueringer), die dort gestrandet waren und hatten einen total lustigen Abend.
In Bregenz sind wir bei stroemendem Regen auf einem Zeltplatz auf einem Bauernhof angekommen und wurden dort mit selbstgebranntem Obstler fast abgefuellt (alles nur zum Aufwaermen) und bekamen statt einem Platz zum Zelten einen Wohnwagen verpasst.
Ein Rennradfahrer hatte mich mal ueberholt , fuhr ein paar Mal an mir vorbei und fragte dann, wo ich den Motor haette, olala bei so viel Equipage.
Wenn ich es nicht besser wuesste, wuerde ich Spanien als ziemlich feuchtes Land einordnen- wir hatten seit Lerida (oder katalanisch Lleida) jeden Tag Regen und oftmals nicht zu knapp. Einmal hat's uns ganz schön eingeweicht, gerade gegen Abend als wir eigentlich einen Zeltplatz suchen wollten. Aber ich hatte keine Lust, in dem Regen mein Zelt aufzubauen, noch dazu irgendwo in der Wildnis, wo gerade Land unter angesagt war. Hier gibt es nicht so viele offizielle Zeltplaetze. Also sind wir weiter gefahren - bis nachts um 3, nach 185 km. Dann haben wir in Saçedon auf einem schön gepflasterten Platz fast mitten im Ort unter inzwischen sternklaren Himmel unsere Zelte aufgebaut und erst einmal geschlafen.
Einmal sind wir im Lehm stecken geblieben, als wir fuer die Nacht einen Platz gesucht hatten. Der Weg sah sandig aus, aber nach wenigen Metern ging gar nichts mehr. Die Raeder hatten sich mit dem Lehm regelrecht an den Schutzblechen verkeilt und unsere Schuhsohlen waren auf einmal riesengross und schwer. Das hat irre viel Kraft gekostet, da erst wieder herauszukommen und dann die Fahrraeder wieder fahrbar zu machen. Als am naechsten Tag mal kurz die Sonne schien und der restliche Lehm an den Schutzblechen hart wurde und teilweise abbroeckelte, gab das noch manch unschoenes Geraeusch. Aber zum "Glueck" regnete es bald wieder und es wurde alles abgewaschen.

Ja, Europa ist wunderschoen. Mal sehen was uns jetzt erwartet. Auf Canada freue ich mich ganz gewaltig.

07.06.2010 Lleida
ja, das war vielleicht ein Schock: die Verhandlungen der Reederei waren schief gegangen - keine Fracht -keine Fahrt. Nun mussten wir schnell Alternativen suchen - und haben sie selbstverstaendlich auch gefunden. Zunaechst hatten wir noch am Sonntag einige Agenten, die Frachtschiffpassagen anbieten, und Grimaldi Lines, die so eine Art Faehrverbindung nach Suedamerika unterhalten, angeschrieben. Die erste Antwort war auch schon am Sonntag da: eine Frachtschiffpassage am 17.07. ab Sines in Portugal nach Panama oder Mexiko. Etwas unsicher, weil noch nicht klar war, ob die 2 Einzelkabinen des Frachters ueberhaupt noch frei sind. Und so ca. 2200 Schweizer Franken teuer. Heute die Antwort von einer Agentin, die auch die Grimaldis vertritt, dass ab Le Havre (Frankreich) am 04.07. ein Schiff nach Buenos Aires geht, Kostenpunkt 1600 €. Heute waren wir aber auch gleich frueh in einem Reisebuero miteiner sehr agilen Mitarbeiterin. Wir mussten ja alle Moeglichkeiten abchecken. Sie hat einen Flug nach Vancouver, einen Direktflug von Madrid aus, gefunden fuer sage und schreibe knapp 400 Euro. Die Entscheidung fiel trotzdem nicht ganz leicht, aber letztendlich spielte doch der Preis und die bessere Startposition und die guenstigere Destination die entscheidende Rolle. So werden wir jetzt ganz schoen schnell nach Madrid strampeln, um am 20.Juni den Flug zu erreichen. Und noch etwas Gutes: meinem urspruenglichen Plan, von Alaska nach Feuerland zu radeln, kommen wir so etwas naeher. Wenn wir auch nicht unbedingt Alaska erreichen. 

02.06.2010 Sort in den spanischen Pyrenaeen
Nun sind wir in Spanien gelandet. Das waren schon ganz huebsch viele Kilometer.
In Bergen mussten wir unseren schoenen Plan von der Alpenueberquerung durch das Inntal aufgeben, weil uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die meisten Paesse waren wegen des Neuschnees gesperrt. So sind wir am Fuss der Alpen den Koenigsee-Bodensee-Radweg geradelt. Ein sehr schoener Weg und sehr zu empfehlen. Ab Bergen hatten wir dann nicht mehr so schoenes Wetter. Der Regen hielt dann bis Genf an, immer wieder wurden wir durchnaesst. Wir sind also den Koenigsee-Bodensee-Radweg bis Lindau gefahren, dann ein ganz kleines Stueck durch Oesterreich und dann den Mittellandradweg durch die Schweiz bis Genf. Bis gestern waren wir dann in Frankreich. Dort haben wir sehr schoene Wege entlang der Rhone, ueber das Zentralmassiv und entlang des Tarn gefunden. Am beeindruckendsten war das Tarn-Tal - ein riesiger Canon mit wunderbarer Natur und letztlich auch dem hoechsten Viadukt Europas. Ja, und zuletzt haben wir sogar noch die Pyrenaeen ueberquert. Knapp 3000 km  waren das. Unsere Fahrraeder sind noch heil, ausser dass beim Andreas die Schaltnabe gleich am Anfang kaputt ging hatten wir bisher nur einige Bagatellreparaturen durchfuehren muessen. Uns beiden geht es auch sehr gut.

01.05.2010 Bergen südlich vom Chiemsee
Die erste Etappe ist geschafft. Wir sind jetzt bei Andreas Eltern in Bergen gelandet. Bald geht es im Inntal weiter, aber erst einmal brauchen unsere Fahrräder ein wenig Pflege. Die Wege waren ganz schön staubig und mancher Schotter hat dafür gesorgt, dass sich die Schrauben gelockert haben. Die Überquerung von Erzgebirge, Vogtland und Fichtelgebirge war anstrengend. In Fichtelberg lag sogar noch Schnee. Hier ist es dagegen richtig Frühling. Bisher hat auch das Wetter ganz gut mitgespielt. Unser Treff in Dollnstein war eine Punktlandung - wir hatten nur maximal eine Stunde Differenz.